Landrat Butte erschossen

Attentäter von Hameln lag im Streit mit Behörden

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Foto: In einem Sarg wird der getötete Landrat Rüdiger Butte aus dem Kreishaus getragen.

Hameln - Bei einem Attentat im Kreishaus Hameln ist am Freitag der Landrat Rüdiger Butte (SPD) erschossen worden. Die Ereignisse des Tages können Sie in einer Chronologie auf HAZ.de nachlesen.

+++ 19.05 Uhr: Tatkräftig, optimistisch und zupackend: Der Tod von Rüdiger Butte schockt viele Menschen. Ein Mann, der sich nie um Tabus geschert hat, sondern Dinge offen und direkt ansprach, meint HAZ-Redakteur Klaus Wallbaum.

+++ 17.30 Uhr: "Die Angehörigen des Landeskriminalamtes Niedersachsen sind fassungslos, erschüttert und traurig", so beschreibt Uwe Kolmey, Präsident des LKA und seit 2005 Nachfolger von Rüdiger Butte, seine Empfindungen und die seiner Mitarbeiter für den ermordeten Kollegen und Freund. "Rüdiger Butte hat dieses LKA über vier Jahre lang erfolgreich mit absoluter Fachkompetenz, Zielstrebigkeit und Mitarbeiterorientierung geführt. Auch nach seinem Wechsel in das Amt des Landrates in Hameln-Pyrmont hat er, der stets freundliche und positive Mensch, den Kontakt zu seinen früheren Kolleginnen und Kollegen gehalten. Wir alle sind jetzt in Gedanken bei seiner Familie".

+++ 17.20 Uhr: Trotz der Bluttat von Hameln hat sich der Göttinger Polizeipräsident Robert Kruse gegen eine Verschärfung der Sicherheitsvorkehrungen in öffentlichen Behörden ausgesprochen. "Wir hatten vermehrt Straftaten in Ämtern, das ist sicher ein Problem", sagte Kruse. "Die Schlussfolgerung darf aber nicht sein, Ämter zu Sicherheitsburgen auszubauen." Bürgerunfreundliche Hochsicherheitstrakte seien ein hoher Preis und würden nur vermeintliche Sicherheit bieten. "Dann verlagern sich die Straftaten."

+++ 17.00 Uhr: Wie jetzt bekannt wurde, sind um 15 Uhr zwei Leichenwagen am Hintereingang des Kreishauses vorgefahren. Kurz darauf wurden die beiden Leichen von Bestattern in Särgen hinausgetragen und zum Rechtsmedizinischen Institut der Medizinischen Hochschule Hannover gebracht.

+++ 16.41 Uhr: Ob sich der Täter und sein Opfer persönlich kannten, wollte die Polizei nicht bestätigen. Dass der Landrat den 74-jährigen Hans B. zu einem Gespräch unter vier Augen in sein Büro gebeten habe, könne aber ein Hinweis darauf sein, dass sich die beiden kannten, sagte Polizeipräsident Kruse.

+++ 16.38 Uhr: Wieviele Schüsse Hans B. auf den Landrat abgegeben hat, ist bislang unklar. "Die Ermittlungen laufen noch", sagte Polizeipräsident Kruse.

+++ 16.30 Uhr: Die Polizei informiert über die Vorgeschichte der Bluttat: Hans B. hatte in den vergangenen Tagen mehrfach versucht, Landrat Butte telefonisch an seinem Arbeitsplatz zu erreichen. Dabei sei ihm wiederholt mitgeteilt worden, Butte sei auf Terminen außer Haus. Daraufhin kam Hans B. dann am Freitagmorgen um etwa 8.15 Uhr persönlich ins Büro des Hamelner Verwaltungschefs. Buttes Sekretärin bat ihn, zu warten – was B. offenbar geduldig tat, ohne aggressiv zu werden. Gegen 10 Uhr kam Landrat Butte dann aus seinem Büro und traf im Vorzimmer auf Hans B. Butte bat den Gast, eine halbe Stunde zu warten, bis er einen weiteren Termin beendet habe. Hans B. wartete erneut. Anschließend gingen die beiden Männer in Buttes Büro – wo es zu einer "körperlichen Auseinandersetzung" kam, wie Polizeipräsident Kruse mitteilte. "Dabei fielen dann die Schüsse."

+++ 16.26 Uhr: Sichtlich betroffen berichtet Polizeipräsident Robert Kruse, was sich am Vormittag im Kreishaus abgespielt hat. Kruse kannte den erschossenen Landrat seit mehr als 20 Jahren und war mit ihm befreundet.

Landrat Rüdiger Butte ist bei einem Attentat im Kreishaus Hameln erschossen worden.

+++ 16.21 Uhr: Hans B., der sich im Anschluss an die Tat im Hamelner Kreishaus selbst mit einem Revolver erschoss, war nach Angaben der Polizei geschieden und lebte allein. Einen Abschiedsbrief habe er nicht hinterlassen.

+++ 16.19 Uhr: Der Täter hat eine dicke Akte bei der Polizei: Bereits in den sechziger Jahren sei Hans B. wegen Urkundenfälschung und anderer Betrugsdelikte in Erscheinung getreten, später kamen Körperverletzungsdelikte hinzu.

+++ 16.15 Uhr: Erste Hinweise auf das Motiv der Tat: Bereits seit mehreren Jahren sei Hans B. in "verwaltungsrechtliche Auseinandersetzungen" verwickelt gewesen, berichtet Polizeipräsident Robert Kruse. "Möglicherweise ging es um Grundstücksangelegenheiten". Gerüchte, wonach Hans B. sich mit Nachbarn oder der Verwaltung um einen Gartenzaun gestritten haben soll, wollte die Polizei zunächst nicht bestätigen.

+++ 16.05 Uhr: Hans B., so der Name des Täters, sei zudem in der Vergangenheit mehrfach wegen Betrugs- und Körperverletzungsdelikten verurteilt worden.

+++ 16:01 Uhr: Polizeipräsident Robert Kruse berichtet auf der Pressekonferenz, dass der Täter bereits 2009 wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz strafrechtlich in Erscheinung getreten sei. Schon 1988 sei ihm ein Waffenschein entzogen worden. Demnach habe er sich den Revolver, mit dem er den Landrat Butte getötet hat, illegal beschafft.

+++ 15.55 Uhr: Um 16 Uhr geben die Staatsanwaltschaft und die Polizei auf einer Pressekonferenz in Hameln Details zu dem Attentat im Kreishaus bekannt. Alle wichtigen Informationen erfahren Sie hier im Liveticker.

+++ 15.15 Uhr: Der örtliche Fußballverband hat Vereine und Sportler in der Region dazu aufgerufen, am Wochenende vor Spielbeginn eine Schweigeminute für Rüdiger Butte einzulegen. Butte war begeisterter Fußballer.

+++ 15.09 Uhr: Trauer und Anteilnahme aus der niedersächsischen Landespolitik: "Mit Entsetzen hat die SPD Niedersachsen die traurige Nachricht vom tragischen Tod des Landrats im Landkreis Hameln-Pyrmont, Rüdiger Butte, erfahren." Das ließen der SPD Bezirksvorsitzende und Oberbürgermeisterkandidat für Hannover, Stefan Schostok, und Detlef Tanke, Generalsekretär der SPD Niedersachsen, mitteilen. Das tiefe Mitgefühl "in dieser schweren Stunde" gelte der Familie des Verstorbenen. Auch der Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Björn Thümler, äußerte Trauer und Entsetzen über den gewaltsamen Tod von Rüdiger Butte: „Im Namen der CDU-Landtagsfraktion möchte ich seiner Familie unser tief empfundenes Mitgefühl aussprechen. Wir sind erschüttert über diese furchtbare Tat."

+++ 14.55 Uhr: Während der Tat befanden sich rund 400 Mitarbeiter der Kreisverwaltung in dem Gebäude. Die meisten haben das Gebäude inzwischen verlassen, einige wurden von Notfallseelsorgern betreut.

+++ 14.51 Uhr: Mitarbeiter des Kreishauses und Anwohner sind noch immer fassungslos. "Wenn so etwas so nah vor der eigenen Haustür passiert, dann kann man das zuerst kaum glauben", sagte der Rentner Günter Rupprecht, der den getöteten Landrat seit langer Zeit aus SPD-Ortsvereinssitzungen kennt.

+++ 14.38 Uhr: Der Täter stammt aus dem Bereich Bad Münder, nur wenige Kilometer nördlich von Hameln. Das bestätigte die Polizei am Nachmittag.

+++ 14.29 Uhr: Die Tatwaffe war nach Polizeiangaben ein Revolver. Der 74-jährige Täter habe sich zunächst im Landratsbüro angemeldet und das Zimmer des Verwaltungschefs dann nach Aufforderung betreten, sagte ein Polizeisprecher. Dann habe der Mann mehrere Schüsse auf den Landrat abgefeuert.

+++ 14.13 Uhr: Die Sekretärin des getöteten Landrats war in unmittelbarer Nähe, als das Attentat verübt wurde. Nachdem sie Schüsse gehört hatte, stürmte sie in das Büro der Landkreissprecherin Sandra Lummitsch und rief: "Es ist etwas Schreckliches passiert. Wir müssen die Polizei rufen." Daraufhin alarmierte Lummitsch die Einsatzkräfte und schloss sich mit Buttes Sekretärin bis zum Eintreffen der Einsatzkräfte in ihrem Büro ein. Der Anblick der erschütterten Sekretärin habe sie tief getroffen, sagte Lummitsch gegenüber der HAZ: "Diesen Anblick werde ich nie vergessen."

+++ 13.54 Uhr: Die Polizei hat eine Ermittlungsgruppe eingerichtet und zur Untersuchung des Tatorts zahlreiche Spezialisten hinzugezogen. Am Nachmittag wollen Staatsanwaltschaft und Polizei bei einer Pressekonferenz Einzelheiten nennen.

+++ 13.38 Uhr: Neue Informationen von der Polizei: Der Mörder des Landrats ist 74 Jahre alt und stammt aus dem Landkreis Hameln-Pyrmont. Die Sekretärin von Butte soll die Schüsse zuerst gehört haben.

+++ 13.28 Uhr: Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) Niedersachsen hat mit Erschütterung und Trauer auf das Attentat reagiert. "Rüdiger Butte war in seiner Polizeidienstzeit ein überaus fachkundiger und sehr akzeptierter Fachmann in Fragen der Inneren Sicherheit. Als langjähriges Mitglied der Gewerkschaft der Polizei, der er auch in seiner Tätigkeit als Landrat treu geblieben ist, hat er stets die Interessen der Menschen in der Polizei mit im Fokus gehabt. Wir haben einen Freund verloren. Unsere Gedanken sind bei seiner Familie. Wir werden Rüdiger Butte stets in guter Erinnerung behalten“, sagte der GdP-Landesvorsitzende Dietmar Schilff.

++ 13.17 Uhr: Rüdiger Butte hinterlässt eine Ehefrau, zwei Kinder und fünf Enkelkinder. Mehr zur Person Rüdiger Butte lesen Sie hier.

+++ 13.10 Uhr: Die Kirchengemeinde Münster St. Bonifatius und der Kirchenkreis Hameln-Pyrmont laden heute Abend um 19 Uhr zu einem Trauergottesdienst in das Münster ein.

+++ 13.02 Uhr: Auch Ministerpräsident Stephan Weil zeigt sich tief betroffen über den Tod von Landrat Butte: "Er war ein wunderbarer Mensch, immer freundlich, zugewandt und motivierend. Für seinen unermüdlichen Einsatz als langjähriger Direktor des Landeskriminalamtes Niedersachsen und seit 2005 als Landrat des Landkreises Hameln-Pyrmont werden wir ihm immer dankbar sein. Rüdiger Butte hat sich um die innere Sicherheit und die kommunale Selbstverwaltung in Niedersachsen große Verdienste erworben. Diese furchtbare Tat schockiert uns alle. Das Mitgefühl der ganzen Landesregierung ist bei seiner Frau und seiner Familie.“

+++ 12.59 Uhr: Stellungnahme von Innenminister Boris Pistorius, der Landrat Butte seit über 20 Jahren gekannt hatte: "Ich bin fassungslos und erschüttert. Mir fehlen die Worte nach solch einer grausamen Tat. Rüdiger Butte war ein gradliniger, kompetenter und erfahrener Kommunalpolitiker sowie ein ausgewiesener Kriminalist und allzeit geschätzter Kollege in der Polizei. Ob als Leiter des Landeskriminalamtes oder als Landrat - er war immer mit Herz bei der Sache. Seine Lebensfreude war ansteckend, seine Zuverlässigkeit allzeit geschätzt. Er wird uns überall fehlen. Meine Gedanken sind insbesondere bei seiner Frau und der Familie."

+++ 12.53 Uhr: Die Kriminaltechnik sucht im Gebäude nach Spuren, Polizisten bringen Zeugen zur Wache und befragen Mitarbeiter der Kreisverwaltung im Gebäude. Ein Ohrenzeuge sagte der "Deister- und Weserzeitung", er habe gegen 10 Uhr drei Schüsse gehört. An der Pressekonferenz um 16 Uhr im Gebäude der Polizeiinspektion Hameln soll auch Polizeipräsident Robert Kruse teilnehmen. Kruse und der getötete Landrat Butte kannten sich seit vielen Jahren und waren befreundet.

+++ 12.40 Uhr: Die Polizei hat Gerüchte dementiert, wonach es sich bei dem Täter um einen Waffenliebhaber gehandelt hat, dem von der Waffenbehörde des Landkreises Schusswaffen weggenommen werden sollten. "Davon weiß ich überhaupt nichts", sagte Oberkommissar Dirk Barnert.

+++ 12.37 Uhr: Ministerpräsident Stephan Weil will um 13 Uhr in der Staatskanzlei vor die Presse treten, "um seiner tiefen Betroffenheit Ausdruck zu verleihen".

+++ 12.14 Uhr: Innenminister Boris Pistorius soll sich auf dem Weg zum Tatort in Hameln befinden.

+++ 12.09 Uhr: Die Polizei will auf einer Pressekonferenz um 16 Uhr Details zu dem Attentat veröffentlichen.

+++ 12.02 Uhr: Bei einem der beiden Toten handelt es sich um den 64-jährigen Landrat Rüdiger Butte. Nach der Tat richtete sich der Attentäter selbst. Butte war bis 2005 Chef des Landeskriminalamtes Niedersachsen. Zwischenzeitlich war er auch als Staatssekretär im niedersächsischen Innenministerium nach der Amtsübernahme von Ministerpräsident Stephan Weil im Gespräch.

+++ 11.54 Uhr: Gegen 10 Uhr war der Täter ins Büro eines Mitarbeiters der Kreisverwaltung gekommen und hatte Schüsse abgefeuert. Zum Motiv und der Identität des Täters ist noch nichts bekannt.

+++ 11.50 Uhr: In der Kreisverwaltung in Hameln sind zwei Menschen durch Schüsse gestorben.

dpa/tof/mic

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