Leuchttürme

Auch außer Dienst noch gefragt

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Pilsum - Auch amtliche Dienststellen werden irgendwann mal ausrangiert und gehen in den Ruhestand - oder auch nicht: Für ausgediente Leuchttürme findet sich immer noch Verwendung.

Seit Jahrhunderten wachen sie über Küsten und Inseln, bei Tag und Nacht weisen sie Seeleuten den richtigen Weg. Leuchttürme gehören zu Nord- und Ostsee wie Muscheln, Fischkutter und Gummistiefel. Von Borkum in Ostfriesland vor der niederländischen Küste bis nach Ueckermünde an der polnischen Grenze zucken nachts die Blitze der stummen Wegweiser. Auch in Zeit moderner Satellitentechnik mit GPS-Geräten sind die Bauwerke hilfreich für die handgemachte Navigation mit Karte und Kompass. Und selbst die außer Dienst gestellten Bauwerke sind meistens für den Abriss zu schade.

Einer der kleinsten, aber bekanntesten Leuchttürme steht an der ostfriesischen Küste: Das Pilsumer Leitfeuer mit dem rot-gelb geringelten Farbanstrich wurde berühmt durch den Film „Otto - Der Außerfriesische“ mit Komiker Otto Waalkes. Fast 125 Jahre hat der kompakte Turm auf dem Buckel und war doch nur gut 25 Jahre in Betrieb.

1915 wurde der Pilsumer Turm außer Dienst gestellt, weil sich das Fahrwasser der Ems verändert hatte und ein Leuchtfeuer dort nicht mehr gebraucht wurde. Danach rostete es an der salzigen Seeluft vor sich hin und kam erst durch eine Totalsanierung wieder zu neuer Blüte. Der Deichverband „Deichacht Krummhörn“ sammelt dafür erfolgreich Spenden und hat sogar die Markenrechte erworben.

„Inzwischen ist der Pilsumer Leuchtturm das Symbol schlechthin für Ruhe, Entspannung und Ferien in Ostfriesland“, sagt Frank Rosenberg von der Deichacht. Es gibt spezielle Führungen für Kinder und Familien, und Verliebte können sich in dem 15 Meter hohen Turm mit Blick auf die Nordsee trauen lassen.

Trauungen sind auch auch auf Wangerooge, auf Leuchttürmen in Nordfriesland wie Westerhever und Pellworm oder an der Ostsee in Kiel oder Travemünde möglich. Um die Zeremonie kümmern sich Standesbeamte, denn Leuchtturmwärter gibt es überall schon seit Jahrzehnten nicht mehr. 1973 wurde „Hoher Weg“ in der Außenweser als letzter westdeutscher Turm behördensprachlich „entmannt“, 1998 verließ auch im Osten auf Hiddensee der letzte Wärter seine Station.

Beliebt sind Leuchttürme seitdem vor allem als Museen: Der aus dem 15. Jahrhundert stammende Alte Leuchtturm auf Borkum ist seit einem verheerenden Brand 1879 schon lange kein echtes Seezeichen mehr. Der Heimatverein zeigt dort aber gern Exponate aus seiner langen Geschichte oder bereitet eine ostfriesische Teezeremonie vor. Ausstellungen sind ferner an den Leuchttürmen Kap Arkona auf Rügen und am Dornbusch auf Hiddensee sowie am Darßer Ort zu sehen. Ausstellung statt Abriss heißt es auch für das betagte Oberfeuer Eversand: „Zu schade zum Verschrotten“, befanden die Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer und Freunde des maritimen Denkmals. Es wurde 2003 bei seiner ungewöhnlichen und letzten Reise von der Außenweser zurück ans Festland versetzt. In Dorum-Neufeld (Kreis Cuxhaven) ist es eine Touristenattraktion.

Besonders abgefahren sind Besucher auf den Leuchtturm „Roter Sand“: Ein paar Mal im Jahr bringt ein Schiff von Bremerhaven aus ein Dutzend Leute zu dem weit draußen in der Außenweser gelegenen Leuchtturm. Eine Übernachtung in einem der vermutlich einsamsten deutschen Hotels kostet rund 556 Euro pro Person - ohne großen Komfort in Etagen-Kojenbetten. Verpflegung zur Selbstversorgung wird aber gestellt.

dpa

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