Bombenanschläge in den USA

Auch fünf Hannoveraner unter den Teilnehmern des Boston-Marathons

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Foto: Eine der beiden Bomben explodierte beim Zieleinlauf der Marathon-Teilnehmer in Boston.

Washington - Unter den Teilnehmern des Boston-Marathons sind nach HAZ-Informationen auch fünf Sportler aus Hannover sowie ein Läufer aus Neustadt am Rübenberge. Nach Angaben des Auswärtigen Amts sind nach aktuellem Erkenntnissstand allerdings keine deutschen Staatsbürger unter den Toten und Verletzen der Bombenanschläge. HAZ-Korrespondent Stefan Koch berichtet aus Washington von den Ereignissen.

Bei dem Attentat auf den Marathonlauf in Boston sind mindestens drei Menschen ums Leben gekommen, mehr als 140 wurden zum Teil schwer verletzt. Nahe der Ziellinie detonierten am späten Montagabend deutscher Zeit fast zeitgleich zwei Sprengsätze. US-Präsident Barack Obama kündigte an, die Täter zur Verantwortung zu ziehen. Der Chef des Weißen Hauses warnte allerdings vor voreiligen Schlüssen: "Wir wissen bisher nicht, wer das getan hat. Aber wir werden es herausfinden."

Weißes Haus geht von Terroranschlag aus

Während Obama bei der Beschreibung des Attentats in seiner eindringlichen Rede am Montagabend (Ortszeit) sehr vage blieb, bestätigten Mitarbeiter seiner Administration in Washington, dass die Explosionen wie ein Terrorangriff einstuft werden. Das FBI übernehme die Untersuchungen, und die Sicherheitsvorkehrungen in Boston, New York City und in Washington DC seien drastisch erhöht worden. Unzählige Polizisten kontrollierten in der Nacht zum Dienstag das Geschehen an öffentlichen Einrichtungen, Hotels und U-Bahnen. New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg schickte am Montagabend die mehr als 1000 Mann seiner Antiterroreinheiten auf Patrouille.

Bei den Bombenanschlägen starben am Montag drei Menschen, darunter ein achtjähriger Junge, der seinem Vater an der Ziellinie zujubeln wollte. 144 Sportler und Zuschauer wurden nach Angaben des US-Senders CNN verletzt, 17 sollen sich in einem kritischen Zustand befinden. Zehn Verletzten mussten Gliedmaßen amputiert werden. An dem Lauf nahmen rund 25.000 Sportler teil, mehr als eine halbe MIllion Zuschauer verfolgten die Verantstalung entlang der Strecke durch die Metropole an der US-Ostküste.

Weitere Sprengsätze gefunden

Eine Stunde nach den Detonationen entlang der Laufstrecke kam es an der John F. Kennedy Bibliothek zu einer weiteren Explosion. Ob auch dieser Vorfall im Zusammenhang mit dem Anschlag auf den Marathon steht, wird zurzeit noch untersucht. Nach Medienberichten entdeckte die Bostoner Polizei weitere Sprengsätze, die entschärft wurden. Wie viele weitere Explosionen so verhindert werden konnten, ist unklar. Erst teilten die Behörden mit, bis zu fünf weitere Sprengsätze entdeckt zu haben. Später nahmen sie diese Angabe zurück.

Augenzeugen: "Bombe zündete in den Zuschauerreihen"

Wie die Sportlerin Kathryn Speakman am Abend (Ortszeit) dieser Zeitung sagte, habe sich die erste Detonation unmittelbar vor der Ziellinie ereignet: "Die erste Bombe zündete direkt hinter den Zuschauerreihen. Ich sah mehrere Verletzte. Überall war Blut. Dann knallte es ein zweites Mal." Die 35-jährige Langstreckenläuferin aus Washington blieb unverletzt, bekam aber die Druckwelle der Bombe deutlich zu spüren. Viele Sportler und Zuschauer hätten sich in den angrenzenden Häusern in Sicherheit gebracht. "Es war ein schreckliches Gefühl. Meine Freunde und ich fühlten uns an die Anschläge vom 11. September 2001 erinnert", sagt Speakman.

Polizei schaltet Mobilfunknetz ab

Bostons Polizeichef Ed Davis ist überzeugt, dass die Anschläge von langer Hand geplant wurden: "Die Explosionen ereigneten sich in einem Abstand von knapp 100 Metern. Es wurden viele Menschen getroffen." Genauere Angaben lassen sich bisher zu den Attacken allerdings nicht machen. Um Fernzündungen zu verhindern, schaltete die Polizei das gesamte Mobilfunknetz der Großstadt Boston zeitweise ab.

Der Kongressabgeordnete William Keating aus Massachusetts sprach in der Nacht zu Dienstag von einer "genau geplanten und hoch entwickelten Angriff". Nach den zwei Explosionen seien zwei weitere Sprengsätze entdeckt worden. Bei CNN äußerten mehrere Fachleute den Verdacht, dass es sich um einheimische Terroristen handeln könnte, da Sprengsätze anderer Bauart ein noch größeren Schaden hätten anrichten können.

Dieser Artikel wurde aktualisiert

mit dpa/mic/Kevin Nobs/rtr

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