Heftige Reaktionen

Auch neues Tierschutzgesetz erlaubt Brandzeichen

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Kurz nach ihrer Geburt werden Ferkel kastriert – meist ohne Betäubung.

Hannover - Die Reform des neuen Tierschutzgesetzes ist noch nicht im Detail ausformuliert, da gibt es schon teils heftige Reaktionen dagegen. Vielen gehen die Neuregelungen nicht weit genug.

Am späten Donnerstagabend beschloss der Bundestag mit den Stimmen von CDU/CSU und FDP eine Reform, die den ursprünglichen Entwurf deutlich entschärft hatte. So bleibt der sogenannte Schenkelbrand, das Brandzeichen bei Pferden, weiterhin erlaubt. Was viele Züchter im Pferdeland Niedersachsen freut, bringt Tierschützer auf die Barrikaden. Der niedersächsische Tierschutzbund nennt die Novelle ein „Fortbestehen von Tierqual“.

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CDU) hatte versucht, den Schenkelbrand zu verbieten, konnte sich damit aber nicht durchsetzen. „Es ist richtig, dass der Schenkelbrand erhalten bleibt“, sagte Niedersachsens Landwirtschaftsminister Gert Lindemann (CDU) am Freitag. Allerdings sei es für ihn unverständlich, warum eine örtliche Betäubung zur Schmerzvermeidung erst 2019 verbindlich sein werde. Eine sofortige Umsetzung wäre möglich gewesen, sagte der Minister. Nach seinen Worten geht ihm die Gesetzesnovelle auch an anderer Stelle nicht weit genug. So sollte bei der Kastration von Ferkeln ursprünglich ab 2017 eine Betäubung gelten, diese Vorschrift wurde ebenfalls auf 2019 vertagt. Deutschlandweit werden jährlich rund 20 Millionen Ferkel kurz nach der Geburt kastriert, damit ihr Fleisch später nicht streng riecht oder unangenehm schmeckt.

Das Landvolk Niedersachsen warnte in diesem Zusammenhang vor einem Vorpreschen Niedersachsens: Zunächst müssten die Vorraussetzungen geschaffen werden, dass Landwirte selbst - ohne einen Tierarzt kommen zu lassen - die Betäubung auf ihren Höfen vornehmen könnten. Dabei seien auch europäische Standards nötig, um Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden, sagte eine Sprecherin.

Für die Opposition im Landtag ist die Sache klar: „In keinem Bereich hat es einen Fortschritt im Tierschutz gegeben“, sagte Christian Meyer, agrarpolitischer Sprecher der Grünen. Lindemann habe zwar mit seinem Tierschutzplan die Probleme gut beschrieben, doch nichts sei passiert. So gebe es beispielsweise bei der Haltung von Puten immer noch keine Mindeststandards. Auch die SPD sieht keine Verbesserung. „Schwarz-Gelb in Niedersachsen ist aufgefordert, die Belange des Tierschutzes endlich angemessen zu berücksichtigen“, sagte Birgit Honé, im Schattenkabinett von SPD-Spitzenkandidat Stephan Weil zuständig für Landwirtschaft.

Auf Initiative aus Niedersachsen werden im neuen Tierschutzgesetz außerdem sogenannte Tierwohlindikatoren eingeführt. Dabei sollen Richtlinien geschaffen werden, nach denen Tierhalter beurteilen können, ob es ihren Tieren gut geht.

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