Neues Zuhause

Ausreißer Jeremie lebt jetzt in einem Wohnprojekt

Foto: Ausreißer Jeremie ist nach seiner wochenlangen Flucht im November und Dezember vergangenen Jahres nun in einer Hamburger Einrichtung untergebracht worden.

Hamburg - Der elfjährige Ausreißer Jeremie wird jetzt in einer Hamburger Einrichtung betreut. "Er wurde am Mittwochnachmittag in ein intensives, betreutes Kinder- und Jugendlichen-Wohnprojekt eines Hamburger Trägers gebracht", sagte ein Sprecher des zuständigen Bezirksamts Hamburg-Mitte am Donnerstag.

Dort solle Jeremie langfristig betreut werden. Letztlich hätten seine Eltern und Großeltern zugestimmt, dass der Junge nicht wie von ihnen gewünscht in der Familie bleibt.

Das Jugendamt Hamburg-Mitte hatte den Jungen vor knapp zwei Jahren in einem Wanderzirkus unterbringen lassen. Dort war er am 20. November 2012 ausgerissen – und nach wochenlanger Flucht wieder in Hamburg aufgetaucht. Wo er in der Zwischenzeit war, ist nach wie vor unklar.

Jeremie war als Sohn heroinabhängiger Eltern in Hamburg-Billstedt aufgewachsen, einem sozialen Brennpunkt im Südosten der Stadt. Er lebte bis zu seinem neunten Lebensjahr bei seinen Großeltern, doch die Verhältnisse innerhalb der leiblichen Familie waren von Beginn an schwierig.

Seine Mutter war während der Schwangerschaft heroinsüchtig. Diese Abhängigkeit übertrug sich auf den Jungen, der gleich nach der Geburt einen ebenso qualvollen wie gefährlichen Entzug hinter sich bringen musste. Schwere Verhaltens- sowie Entwicklungsstörungen sind für ein solches Kind unvermeidbar.

Später fiel Jeremie mit kleineren und größeren Straftaten auf: Er nahm das Auto des Großvaters und fuhr es gegen eine Mauer, er wurde auf dem Hamburger Dom mit einer Gaswaffe erwischt, schlug Fensterscheiben ein. All dies geschah, als der Junge noch nicht einmal neun Jahre alt war.

Betreuer des Jugendamtes Hamburg-Mitte entschieden, den Jungen aus der Familie zu nehmen. Dies, so heißt es aus Behördenkreisen, sei auch geschehen, weil ein Hilferuf aus der Familie eingegangen sei. Sechs Hamburger Einrichtungen lehnten die Aufnahme des Jungen ab. Das Jugendamt Mitte hatte zu diesem Zeitpunkt bereits die Vormundschaft für Jeremie übernommen.

dpa

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