Experten warnen

Autobahnen im Norden werden zu Staufallen

Hannover - Zum ersten Ferienwochenende in Niedersachsen rechnet der ADAC mit massiven Staus. Er warnt ausdrücklich vor gefährlichen Situationen für Autofahrer, aber auch für Rettungskräfte. Es werde das Wochenende mit dem stärksten Verkehrsaufkommen in diesem Sommer, heißt es.

Die Lage wird dadurch verschärft, dass in dieser Woche fünf Bundesländer in die Sommerferien gestartet sind. „Auf fast allen Nord-Ost- und Süd-West-Strecken gibt es Baustellen“, sagt die Sprecherin des ADAC in Niedersachsen, Christine Rettig. Vor allem die Nordseeregion ist als Urlaubsziel in Niedersachsen beliebt und auch schon gut gebucht. Nadine Bungenstock von Tourismus-Marketing Niedersachsen rechnet für das erste Ferienwochenende mit einem zusätzlichen Ansturm von Spontan-Urlaubern: „Es wird auf jeden Fall voll.“

Wie brisant die Lage auf der Autobahn werden kann, hatte sich einmal mehr in der Nacht zu Freitag gezeigt. Hunderte Autofahrer behinderten nach einem schweren Unfall auf der A 7 im Kreis Hildesheim den Einsatz von Bergungskräften. Bei Holle war um Mitternacht ein Kleintransporter verunglückt, vier Personen wurden dabei schwer verletzt, die Autobahn musste gesperrt werden. Die Verkehrsteilnehmer hätten der Polizei und dem Notarzt im Stau hinter der Unfallstelle zunächst zwar eine Rettungsgasse frei gemacht, sagte der Leiter der Hildesheimer Autobahnpolizei, Jürgen Kanngießer. Anschließend hätten sie die Gasse aber wieder geschlossen und weitere Einsatz- und Bergungsfahrzeuge nicht passieren lassen. Diese waren im Stau eingeschlossen, die Bergungsarbeiten haben sich dadurch um Stunden verzögert.

Tobias Sieg, Fachleiter Rettungsdienst der Johanniter, nennt den Zwischenfall bei Holle eine „typische Situation“. Er betont, es sei vorgeschrieben, dass bei einem Stau die Autos auf der schnellsten Spur an den linken Rand, die auf der Spur daneben an den rechten Rand ihrer Spur fahren und dort stehen bleiben müssen. Außerdem muss der Standstreifen auf den Autobahnen frei gehalten werden.

Der ADAC, die Johanniter und die Polizei versuchen derzeit mit einer Kampagne, Fahrer auf das Problem aufmerksam zu machen. Wer ein Rettungsfahrzeug behindert, muss mit einem Verwarngeld von 20 Euro rechnen. Viel zu wenig, findet Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD). „Es müssen ja nicht gleich knapp 2200 Euro sein wie in Österreich, aber wir müssen den Autofahrern sehr deutlich machen, dass sie Polizei und Rettungskräfte keinesfalls behindern dürfen, sonst verlieren sie im Notfall wertvolle Zeit.“

Von Heiko Randermann und Vera Jansen

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