Kindstötung

Babyleichen auf Dachboden entdeckt

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Foto: Die Polizei hat Babyleichen auf dem Dachboden eines Hauses im Kreis Rotenburg/Wümme gefunden.

Rotenburg - Es war eine grausige Entdeckung: Auf dem Dachboden eines Hause im Kreis Rotenburg/Wümme sind die stark verwesten Leichen von zwei Neugeborenen gefunden worden. Die Mutter sitzt in Untersuchungshaft.

Wie die Staatsanwaltschaft Stade am Montag mitteilte, war es zunächst nur ein toter Säugling, den ein 47 Jahre alter Mann aus Ostertimke am vergangenen Mittwoch der Polizei meldete. Ihm war beim Aufräumen des Speichers der Verwesungsgeruch aufgefallen. Das Baby befand sich in einer Tüte. Zwei Tage später, am Freitag, entdeckte die Polizei bei einer Hausdurchsuchung die Leiche eines zweiten toten Kindes – es dürfte nach Angaben der Staatsanwaltschaft Stade ebenfalls „seit Jahren“ auf dem Dachboden des Einfamilienhauses gelegen haben. Die Obduktion der Leichen hat ergeben, dass beide Kinder lebendig zur Welt kamen: ein nach acht oder neun Monaten geborenes Mädchen und ein im neunten Monat entbundener Säugling, dessen Geschlecht noch nicht ermittelt wurde.

Die mutmaßliche Mutter, eine 43 Jahre alte Frau aus Südniedersachsen, sitzt seit Sonntag wegen des Verdachts des dreifachen Totschlags in Untersuchungshaft – sie hat bis vor etwa drei Jahren mit dem 47-Jährigen in dem Haus gewohnt und hat gestanden, ein drittes Kind nach der Geburt unversorgt gelassen zu haben. Nach der Leiche des Babys wird noch gesucht. Die Frau will das Kind in der Natur abgelegt haben, konnte aber keine konkreten Angaben über die Stelle machen.

Die Polizei kam der Frau in einem Krankenhaus in Hessen auf die Spur. Sie war „vor zwei bis drei Jahren“ aus dem Haus in Ostertimke ausgezogen und nach Südniedersachsen gezogen. Genauere Angaben wollte Oberstaatsanwalt Burkhard Vonnahme über den Wohnort nicht machen. „Der Grund für den Umzug war eine neue Beziehung.“ Sie hat offenbar weitere Kinder. Warum sich die Frau in der Klinik befand, war am Montag unklar. „Sie war mit einem Problem da, das kein Beinbruch war“, sagte Vonnahme lediglich. Die Schuldfähigkeit der Frau werde geprüft. „Die Taten sprechen aber dafür, dass sie nicht schuldfähig ist.“ Als Motiv habe die Frau angegeben, dass sie mit der jeweiligen Situation überfordert war.

Dass die Frau in den neunziger Jahren dreimal schwanger war, ist offenbar niemandem aus ihrer Umgebung in Ostertimke aufgefallen - auch nicht dem mutmaßlichen Vater. „Bislang haben wir niemanden ermitteln können, dem etwas aufgefallen ist“, sagte Vonnahme. Die Staatsanwaltschaft geht derzeit davon aus, dass der 47 Jahre alte Hausbesitzer der Vater der drei toten Kinder ist. „Er hat die Leichen auf dem Dachboden gefunden“. Noch sei die Identität der Eltern aber nicht mit absoluter Sicherheit geklärt. Die Ergebnisse einer DNA-Analyse stehen noch aus. „Die Frau hat aber eingeräumt, dass sie die Kinder geboren hat“, sagte Vonnahme. Die Taten liegen „etwa zehn Jahre“ zurück.

Nach einer ersten Vernehmung in dem Krankenhaus in Hessen wurde die Frau nach Rotenburg gebracht. Am Sonntag wurde die 43-Jährige dem Haftrichter in Stade vergeführt. Der erließ Haftbefehl. Die Frau sitzt in einem Gefängnis in Niedersachsen.

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