Abzeichenverbot auch bei Tätowierungen

Baden wird für Hells Angels zum Problem

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Derart ausstaffiert können sie nicht mehr starten: Die Hells Angels müssen ihre Embleme künftig verbergen.

Hannover - Auch tätowierte Symbole der Mitglieder des Rockerklubs Hells Angels müssen nach dem neuen Verbot in der Öffentlichkeit verdeckt werden. Die Rocker wollen das Verbot aber nicht so einfach hinnehmen.

Das seit Mittwoch auch in Niedersachsen geltende Verbot, die Symbole der Hells Angels öffentlich zur Schau zu stellen, wollen die Rocker nicht einfach akzeptieren. „Wir bleiben friedlich, werden aber passiven Widerstand gegen den Erlass leisten“, sagt Wolfgang Heer, der bundesweit einflussreiche Hells Angel aus Walsrode. Die Lederkutten mit den aufgenähten Emblemen werden die Klubmitglieder zwar auf unbestimmte Zeit in ihren Schränken lassen. „Wir werden aber weiter unsere T-Shirts mit den Abzeichen tragen“, sagt Heer. Auch ihre Tattoos mit den inzwischen verbotenen Symbolen der Rocker wollen die Höllenengel nicht überdecken. „Ich zum Beispiel habe mir unser Zeichen einmal quer in die Brust stechen lassen. Soll ich wegen des Verbots künftig nicht mehr ins Schwimmbad gehen?“, fragt der 69-Jährige.

Am Freitagvormittag hatte die Polizei dem Höllenengel, der in Walsrode mehrere Bordelle betreibt, einen Besuch abgestattet und ihn über die jetzt geltenden Regeln in Kenntnis gesetzt. „Von mir aus können die so viele Strafverfahren einleiten, wie sie wollen, wenn sie nichts Besseres zu tun haben“, sagt Heer lapidar.

Nach Ansicht von Landespolizeipräsident Uwe Binias wird das Verbot der Embleme der Hells Angels die Rockergruppen deutlich schwächen. „So eine Gruppe lebt davon, einheitlich aufzutreten. Und wenn diese Einheitlichkeit nicht mehr gegeben ist, hat dies schon eine nachhaltige Wirkung“, sagte Binias am Freitag. Die inzwischen verbotenen Symbole seien für die Hells Angels enorm wichtig. „Sie mussten gar nicht mehr akut bedrohlich auftreten, allein ihr Erscheinen zeigte bei anderen Wirkung.“Seit Mitte dieser Woche dürfen die Männer der Rockerklubs sich nicht mehr öffentlich mit ihrem geflügelten Totenkopf zeigen. Dabei ist es egal, ob der Totenkopf oder andere Symbole der „Hells Angels“ eingraviert, eintätowiert oder auf T-Shirts gedruckt sind. Wenn die Rocker weiter ihre Zeichen öffentlich zur Schau tragen, können ihnen sogar eine einjährige Haftstrafe oder eine hohe Geldstrafe drohen. Die Polizei bringt das Vereinsgesetz gegen die Rocker in Stellung. „Wenn sich jemand einen Totenkopf auf der Brust eintätowiert hat, darf er nicht halb nackt herumlaufen, sondern muss ihn bedecken“, erläutert Binias.

Per Erlass hat das niedersächsische Innenministerium diese Woche das öffentliche Tragen der Identifikationsmerkmale verboten und sich damit den Bundesländern Schleswig-Holstein, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern angeschlossen. Ein Urteil des Hanseatischen Oberlandesgerichtes in Hamburg bot den Anlass dazu. Dennoch wird die Polizei nach Binias’ Worten noch nicht sofort einschreiten und die verbotenen Symbole einkassieren. „Wir dokumentieren erst einmal nur“, sagt er – mit Videos oder Filmen. Über die rechtlichen Konsequenzen des neuen Verbots sei man noch in Diskussionen mit dem niedersächsischen Justizministerium.

Die Polizei wird die neue Lage mit den Charters, den örtlichen Vereinigungen der Hells Angels, besprechen. Binias glaubt nicht, dass sich die Mitglieder der Hells Angels über die neuen Verbote einfach so hinwegsetzen werden. Möglicherweise werden sie auch über andere Rockergruppen verhängt. Nach Binias’ Worten prüft das Innenministerium gerade, ob auch gegen die Bandidos, die Mongols, die Gremium MC, die Chicagos oder die Red Lions ähnliche Verbote erlassen werden müssen. Verdeckte Insignien der Rockergruppe Hells Angels seien nicht betroffen. „Das Tragen einer bloßen Kutte ohne entsprechende Symbole reicht auch nicht“, sagt der Polizeipräsident.

Michael B. Berger und Tobias Morchner

Hells Angels

Nach der Auflösung des einflussreichen hannoverschen Ortsvereins der Hells Angels durch den damaligen Präsidenten Frank Hanebuth im Jahr 2012 haben die Rocker zahlreiche neue Klubs in Niedersachsen gegründet. Dazu zählen unter anderem die Charter in Pattensen, Delmenhorst, Walsrode und Celle. Landesweit schätzt die Polizei die Zahl der Mitglieder auf etwa 120. Dazu kommen zahlreiche Unterstützerklubs wie etwa die Red Devils. Die Anzahl derer Mitglieder wird von den Behörden auf rund 230 in Niedersachsen geschätzt.

tm

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