Rettungsschwimmer vor Saisonstart

Badeunfälle passieren meistens am Strand

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Foto: Für den ehrenamtlichen Rettungsschwimmer Hans-Günter Spanke und seine Kollege beginnt die nächste Saison.

Borkum - Die meisten Badeunfälle passieren am Strand – und keineswegs im Wasser: An der Küste stehen für den Fall des Falles Tausende Freiwillige als Ersthelfer bereit. Denn: Für die Rettungsschwimmer beginnt jetzt die neue Saison.

Wassertemperatur: 10 Grad Celsius - und dazu ein kalter Wind aus Nordwest. Das sind noch keine verlockenden Aussichten für ein Bad in der Nordsee. Schon zu Neujahr gibt es dort zwar vereinzelt das erste Anschwimmen, aber erst jetzt mit den ersten Frühlingstagen nimmt die Zahl der Schwimmer langsam zu. Für die Sicherheit der Badegäste sorgen ehrenamtliche Rettungsschwimmer wie Hans-Günter Spanke: Der Oldenburger segelt, fährt Kajak, schnorchelt, taucht - und springt auch ins kalte Wasser, wenn Schwimmer in Not geraten. „Ich melde mich jedes Jahr wieder - mit wachsender Begeisterung“, sagt der 61-Jährige.

Erstmals wacht der gelernte Sportlehrer in diesem Jahr über die Strände auf der Nordseeinsel Borkum. An diesem nordwestlichsten Abschnitt Deutschlands sind jedes Jahr mehr als 100 Rettungsschwimmer unentgeltlich in ihrer Freizeit im Einsatz. Borkum ist eine der ersten von insgesamt 87 Stationen, die die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in der neuen Saison öffnet.

Mit heroischen, romantischen oder erotischen Szenen aus der US-Fernsehserie „Baywatch“ hat Spankes Auftrag wenig gemeinsam: „Wir sind keine Superhelden, sondern ganz normale Alltagsmenschen.“ Aber bei früheren Einsätzen auf Langeoog, Helgoland, Burhave oder Norddeich wurde es auch mal richtig ernst. „Die meisten Badeunfälle passieren am Strand und nicht im Wasser. Hier ein Splitter im Fuß, dort eine Kopfverletzung oder auch mal eine Wiederbelebung nach einem Herzinfarkt“, sagt Spanke. Als Ersthelfer am Strand alarmiert er die Rettungskräfte, die notfalls mit dem Hubschrauber am Strand landen.

Weniger schlimm als es aussieht verläuft etwa ein Unfall mit einem Bumerang: „Den hat ein Urlauber losgeworfen, aber das Ding kam zurück und traf seine Freundin am Kopf“, erinnert sich Spanke. „Das gab eine übel aussehende Platzwunde, aber ohne ernsthafte Folgen.“ Andere beeindruckende Erlebnisse hat der Rettungsschwimmer von seiner Zeit auf der Düne Helgoland. Dort tummeln sich Seehunde und Kegelrobben in der Nähe der Schwimmer, und manchmal kommt es zu Begegnungen: „Aus Neugier knabbern die Tiere auch schon mal an den Schwimmflossen“, sagt Spanke - und rät Schwimmer zu Abstand von den Meeressäugern.

Organisiert werden die Einsätze von Borkum an der Nordsee bis Usedom an der polnischen Grenze vom Zentralen Wasserrettungsdienst Küste im niedersächsischen Bad Nenndorf. Peter Sieman tüftelt dort an den Dienstplänen für 4500 Helfer während der ganzen Saison, an einem Tag zur Haupturlaubszeit sind es 800 Rettungsschwimmer. „Das ist ein Puzzle mit 4500 Teilen.“ Die meisten Schichten hat Sieman bereits abgedeckt, doch es gibt noch Lücken: „Uns fehlen einige Freiwillige außerhalb der Ferienzeiten.“

Die Bewerber brauchen vor allem einen Nachweis über einen Erste-Hilfe-Lehrgang und das aktuelle Rettungsschwimmabzeichen in Silber, rät Siemann: „Das schaffen auch ältere Semester, wir haben viele Freiwillige zwischen 50 und 60 Jahren.“

dpa

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