Initiative von Niedersachsen

Ist bald Schluss mit der Kükentötung?

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Hannover - In der Debatte um das Töten von männlichen Eintagsküken drückt Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer aufs Tempo. Die am Montag von Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) angekündigte Initiative gegen das massenhafte Töten der Tiere sei zwar ein Schritt in die richtige Richtung.

Meyer forderte Schmidt aber auf, „beim Thema Eintagsküken nicht länger auf Zeit zu spielen und Versprechen wahr zu machen“. Es müsse Schluss sein „mit Hinhaltetaktik und unverbindlichen Ankündigungen ohne Rechtsänderung“.Schmidt informierte sich gestern an der Universität Leipzig über ein Forschungsprojekt, das eine automatisierte Geschlechtsbestimmung im Ei ermöglichen soll. Mit dem Verfahren kann bereits vor dem Schlüpfen per Laser erkannt werden, ob ein männliches oder weibliches Küken unter der Schale heranwächst. Da männliche Tiere keine Eier legen und somit für Eierproduzenten wertlos sind, würden nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums rund 50 Millionen männliche Küken pro Jahr nach dem Schlüpfen getötet – 27 Millionen davon in Niedersachsen. Schmidt kündigte an, das Töten männlicher Küken bis 2017 beenden zu wollen.

Ein konkretes Verbot soll nach dem Willen des Bundesministers aber erst nach einem zweijährigen Forschungsauftrag geprüft werden. Seinem niedersächsischen Ressortkollegen Meyer dauert das zu lange. „Die Früherkennung im Ei ist praxisreif, wie die vom Land Niedersachsen geförderten Untersuchungen zeigen“, sagte Meyer. Ein verbindliches Datum sei wichtig, damit sich die Wirtschaft darauf einstellen könne.

Der Vorsitzende der Niedersächsischen Geflügelwirtschaft (NGW), Friedrich-Otto Ripke, äußerte hingegen Zweifel, dass das Verfahren bereits praxistauglich ist. Nach jetzigem Stand der Forschung werde ein rund 1,5 Zentimeter dickes Loch in die Schale gebohrt. Dotter und Eigelb flössen zwar nicht aus dem Ei, trotzdem gebe es hohe Verlustraten, sagte Ripke. Er spricht von rund 30 Prozent. „Das Loch muss kleiner werden“, fordert er. Ripke rechnet nicht damit, dass das Verfahren vor 2018 abgeschlossen sei.

Dann müssten auch noch die entsprechenden Geräte eingeführt werden. Dies sei teuer. „Das können sich nur die großen Brütereien leisten“, sagte Ripke. Kleinere seien dann auf Landesmittel angewiesen. „Bundesagrarminister Schmidt macht es richtig, wenn er abwartet“, sagte der Verbandsvorsitzende. Wenn Minister Meyer nun das Ende der Kükentötungen beschleunigen wolle, sei dies „politischer Aktionismus“, sagte Ripke. Grundsätzlich arbeiteten der Minister und er aber am gleichen Ziel.

Anders als in anderen Bundesländern dürfen in Niedersachsen männliche Küken nicht geschreddert werden, um sie zu entsorgen. Bis zur Anwendung einer Früherkennung ist laut Landwirtschaftsministerium als „vernünftiger Grund zum Töten von Tieren“ lediglich die Verwendung als Futtertiere etwa in Zoos, Falknereien und Reptilienfarmen anerkannt.

Bruderhahn-Initiative

Eine Alternative zum Töten männlicher Eintagsküken ist die sogenannte Bruderhahn-Initiative. Dabei werden die männlichen Küken nicht getötet, sondern aufgezogen und dann als Delikatesse verkauft. Nach Angaben des Landvolks gibt es derzeit drei Betriebe in Niedersachsen, die die „Bruderhähne“ anbieten. Bundesweit sind es 23 landwirtschaftliche Betriebe. „Wir befürworten diese Alternative“, sagt Landvolk-Sprecherin Wiebke Molsen. Die Verbraucher hätten die Möglichkeit, dieses Verfahren zu fördern. Die Nachfrage sei im vergangenen Jahr bereits gestiegen. Deutschlandweit seien 2013 rund 10 000 Bruderhähne verkauft worden, 2014 bereits 28 000 Tiere. Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer sprach sich ebenfalls für die Bruderhahn-Initiative aus. „Sie müsste stärker gefördert werden.“ Auch der Vorsitzende des Verbands Niedersächsische Geflügelwirtschaft, Friedrich-Otto Ripke, befürwortet die Idee, glaubt aber, dies werde ein Nischenprodukt bleiben. tz

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