Hohe Zahl tödlicher Unfälle

Bald Tempo 80 auf schmalen Landstraßen?

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Foto: 2013 starben bundesweit 1934 Menschen bei Unfällen auf Landstraßen - damit machten sie rund 60 Prozent aller Verkehrstoten aus.

Goslar - Um die hohe Zahl von tödlichen Unfällen auf Landstraßen zu senken, sollten laut Verkehrssicherheitsrat vermehrt Tempobeschränkungen eingeführt werden. Hauptgeschäftsführer Christian Kellner plädiert für Tempo 80 auf schmaleren Straßen. Das Thema beschäftigt auch den 53. Verkehrsgerichtstag, der in dieser Woche in Goslar stattfindet.

Fast zwei Drittel der Verkehrstoten in Deutschland verunglückten auf Landstraßen. 2013 waren es 1934 Opfer. Nach jüngsten Hochrechnungen könnten es 2014 sogar noch etwas mehr gewesen sein. Beim Verkehrsgerichtstag in Goslar (28. bis 30.1.) wollen Experten in dieser Woche deshalb darüber beraten, wie die insgesamt rund 200.000 Kilometer Landstraße in Deutschland sicherer gemacht werden könnten.

Viele Landstraßen sind schmal, kurvig, sie haben unbefestigte Seitenstreifen und bieten schlechte Sicht zum Überholen. Für die allgemein zulässige Höchstgeschwindigkeit von 100 Stundenkilometern seien sie nicht gebaut, sagt Christian Kellner, Hauptgeschäftsführer des deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR).

Tempolimit für schmale Straßen

„Für Straßen, die weniger als sechs Meter breit sind, sollte es deshalb ein Tempolimit von 80 Stundenkilometern geben“, fordert Kellner. Zustimmung erhält er von Kay Nehm, dem Präsidenten des Verkehrsgerichtstages. „Um die Unfallzahlen auf Landstraßen zu senken, muss man mehr Geschwindigkeitsbeschränkungen einführen.“

Das sei sinnvoll, findet Hannelore Herlan von der Deutschen Verkehrswacht. Auch für Unfallforscher Brockmann steht fest: „Auf schmalen Landstraßen sollte grundsätzlich höchstens Tempo 80 erlaubt sein.“ Das gelte auch für Alleen. Brockmann warnt: Die von Bäumen ausgehende Gefahr werde von Autofahrern in der Regel unterschätzt.

Und das hat Folgen: „Etwa 20 Prozent aller Verkehrstoten sterben an Bäumen“, sagt Kellner. „Das ist irrsinnig. Wir müssen da etwas tun.“ Ein Mittel: Leitplanken an Alleen. „Dadurch könnte die Wucht des Aufpralls gemindert werden.“

Überholverbote für mehr Sicherheit

Auch mehr Überholverbote könnten zur Sicherheit beitragen, meint Kellner. Dabei wäre für ihn die ideale Landstraße dreispurig. „Wenn mal die eine und dann die andere Seite überholen kann, ist der Überholdruck nicht da.“ Für die dritte Spur - wo es geht - plädiert auch der ACE Autoclub Europa: „Diese Spuren verhindern tödliche Überholmanöver mit Frontalcrashs“, sagt Sprecher Rainer Hillgärtner.

Allerdings seien die deutschen Landstraßen vom Idealzustand ziemlich weit entfernt. Der ACE fordert deshalb eine „Investitionsoffensive für mehr Sicherheit“. Wirksame Unfallverhütung setze nämlich nicht nur regelkonformes Fahrverhalten und angepasstes Tempo voraus, sagt Hillgärtner. Auch auf die Qualität der Straßen komme es an. „Nachhaltig sanieren, das ist das Gebot der Stunde.“

Ein Beispiel seien die Bankette, die besser befestigt sein müssten, sagt der ACE-Sprecher. „Wer nur für wenige Zentimeter von der Fahrbahn abkommt, fährt häufig in Furchen und wird dann mit einem Überschlag auf den Acker bestraft.“ Die Lösung: unfallträchtige und kritische Abschnitte der Landstraßen regelmäßig inspizieren - und entschärfen.

Unfalltote auf Landstraßen

Die Zahl der Unfälle mit sogenannten Personenschäden auf deutschen Landstraßen ist in den vergangenen Jahrzehnten entsprechend der allgemeinen Unfallentwicklung im Straßenverkehr stark gesunken. Im Jahr 1980 gab es nach Angaben des Auto Clubs Europa (ACE), die auf Daten des Statistischen Bundesamtes basieren, knapp 111 000 Unfälle mit Personenschäden und 7976 Tote auf den Landstraßen.

Bis 2000 sank die Zahl der Todesopfer auf 4767. Die Zahl der Unfälle mit Personenschäden blieb nahezu konstant. Im Jahr 2005 gab es noch knapp 90 000 Unfälle mit Personenschäden und 3228 Verkehrstote auf den Landstraßen.

2013 wurden die bisherigen Tiefststände erreicht: Rund 73.000 Unfälle mit Personenschäden und 1934 Tote. Dies waren etwa 60 Prozent aller Verkehrstoten in Deutschland. Für das Jahr 2014 liegen endgültige Zahlen noch nicht vor. Experten gehen von einem geringfügigen Anstieg aus.

dpa

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