Mitarbeiter des Veterinäramtes getötet

Bauer erschießt Beamten mit Schrotflinte

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Foto: Ein Landwirt hat in Brandenburg einen Veterinäramtsbeamten erschossen, der einige seiner Tiere abholen wollte.

Nauen - Ein Bauer in Brandenburg bekommt Besuch vom Amt. Ihm sollen Rinder weggenommen werden, weil er mit der Viehhaltung offenbar überfordert war. Da greift er zur Schrotflinte. Ein Mitarbeiter des Veterinäramts stirbt.

Ein 72-jähriger Landwirt, der mit der Haltung seiner 30 Rinder offenbar überfordert war, hat am Dienstag auf seinem Hof in Klein Behnitz bei Nauen (Havelland) einen Mitarbeiter des Veterinäramtes erschossen. Der 61-Jährige erlag noch am Tatort seinen schweren Verletzungen. Der Landwirt sollte nur noch fünf Rinder behalten dürfen.

Der Mitarbeiter des Amtes und seine beiden Kolleginnen hätten den Bauern am Vormittag wie angekündigt aufgesucht, berichtete ein Sprecher des Polizeipräsidiums Brandenburg. Daraufhin habe der Rentner mit einer Schrotflinte mehrmals geschossen. Streifenpolizisten konnten später den mittlerweile unbewaffneten Landwirt überwältigen und festnehmen. Der Vorfall ereignete sich gegen 09.44 Uhr.

Augenzeuge hörte zwei Schüsse

Als zwei Viehtransporter anrollten und die Behördenmitarbeiter auf den Hof kamen, habe der Bauer vor Wut laut gebrüllt, schilderte der Nachbar Friedhelm Sackwitz, der schräg gegenüber im Dorf wohnt. „Dann fuchtelte er mit der Waffe herum“, sagte der Augenzeuge. Erst habe er einen Schuss und dann noch einen gehört.

Nach Polizeiangaben wurde ein Mitarbeiter tödlich getroffen. Seine Kolleginnen blieben unverletzt. Sie stünden unter Schock, sagte der Polizeisprecher.

Der Landwirt sei weiter mit der Waffe in der Hand über seinen Hof gelaufen, berichtete der 55-jährige Augenzeuge. An der Haltestelle vor dem Hof habe gerade ein Bus gehalten.

Ein anderer Nachbar habe Polizei und Feuerwehr alarmiert, sagte Sackewitz. Als nach einer Stunde niemand gekommen sei, habe er in einer Zeitungsredaktion angerufen und um Hilfe gebeten.

Bauer war mit Viehhaltung überfordert

„Die Tiere waren sein Ein und Alles“, sagte Sackewitz über den 72-Jährigen. In der Vergangenheit sei der Hof in der Mitte des kleinen Dorfes immer vorzeigbar gewesen. Doch in letzten Zeit sei dem Landwirt, der nur im Nebenerwerb tätig war, wohl alles über den Kopf gewachsen, meinte Sackewitz. Rinder seien unbeaufsichtigt geblieben und sogar auf der Straße umhergelaufen.

„Unsere Ratschläge, die Tierhaltung aufzugeben, wollte er nicht hören“, sagte der 55-Jährige. Nach Beschwerden sei schließlich das Veterinäramt eingeschaltet worden.

„Diese irrsinnige Tat ist nicht mit Worten zu beschreiben“, betonte der Landrat von Havelland, Burkhard Schröder (SPD). Im vergangenen Sommer habe der Landwirt die Auflage erhalten, den Rinderbestand auf fünf Tiere zu reduzieren. Vorübergehend sei die Herde bei einem anderen Bauern untergekommen. Als sich die Situation nach der Rückkehr der Tiere nicht besserte, hätten dem 72-Jährigen die Rinder entzogen werden sollen.

Nach dpa-Informationen gehörte der Landwirt nicht dem Bauernverband an. Im Laufe des Tages wurden alle seine Rinder abtransportiert. Die weitere Ermittlungen führen die Kriminalpolizei der Polizeidirektion West und die Staatsanwaltschaft Potsdam.

dpa

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