Sie sind nicht stärker belastet

Bauern gewinnen Keim-Wette

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Foto: Bauern haben mit Anwohnern gewettet, dass sie nicht stärker mit Keimen belastet sind - und gewonnen.

Lorup - Landwirte sind nicht stärker mit dem Krankenhauskeim H-MRSA belastet als der Durchschnitt der Bevölkerung. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung an 353 Bauern einer landwirtschaftlichen Genossenschaft aus Lorup im Emsland. Die Bauern haben damit eine Wette gegen Anwohner gewonnen.

Der Sprecher der Anwohnerinitiative Nordhümmling hatte den Landwirten vorgeworfen, die Nachbarn durch überbordenden Antibiotikaeinsatz in den Ställen krank zu machen. "300 Meter um jeden Hähnchenstall findet man die Keime", hatte Hermann Josef Schomakers während einer Autorenlesung im vergangenen Dezember in Papenburg gesagt. Daraufhin hatte Bernd Terhalle, der Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft Nordhümmling, eine Wette angeboten: Landwirte sind nicht stärker mit dem gegen Antibiotika resistenten Krankenhauskeim belastet als der Durchschnitt der Bevölkerung. 353 Mitglieder der Genossenschaft hatten sich daraufhin vor gut zwei Wochen testen lassen.

Anwohner zahlen 500 Euro an guten Zweck

Nun liegen die Ergebnisse vor: Zwei der Landwirte wurden positiv auf H-MRSA getestet. Das sind 0,57 Prozent. "Das ist deutlich unter dem Landesdurchschnitt", sagte Terhalle der HAZ. "Damit steht fest: Das ist kein landwirtschaftliches Problem. Das ist ein gesellschaftliches Problem." Untersuchungen zufolge sind ein bis zwei Prozent der Bevölkerung in Deutschland mit dem MRSA-Keim besiedelt. "Die Bauern sind nicht Verursacher des Krankenhauskeims", sagte Terhalle am Donnerstag. "Darüber freue ich mich." Der Wette zufolge muss die Anwohnerinitiative Nordhümmling nun 500 Euro an eine gemeinnützige Organisation zahlen.Allerdings hat die Untersuchung ein zweites Ergebnis zutage gefördert: Die Proben der Landwirte sind im Labor auch auf multiresistente Keime aus der Landwirtschaft untersucht worden - beim LA-MRSA liegt der Wert der Landwirte deutlich höher. Diesen Keim tragen 135 der getesteten Landwirte aus dem Hümmling in sich, das sind 38 Prozent der Getesteten.

Den Leiter des Landesgesundheitsamts, Matthias Pulz, wundert das Ergenis nicht. Es unterstreiche bekannte Studien, nach denen der LA-MRSA-Keim in Regionen mit großer Tierdichte weit verbreitet sei. LA-MRSA gilt als weniger gefährlich als H-MRSA. Dennoch rät das Landesgesundheitsamt, dass Landwirte im Krankenhaus auf diesen Keim untersucht werden und im Zweifel ein Einzelzimmer bekommen, damit es nicht zu Mutationen kommt.

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