Havariertes Containerschiff

Bergungsspezialisten an Bord der „Flaminia“

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Flaminia auf hoher See.

Bremerhaven - Erstmals seit dem Ausbruch des Feuers auf dem Containerschiff „Flaminia“ gibt es nach Angaben der Reederei gute Nachrichten. Die Temperaturen in den Laderäumen seien deutlich gesunken, Bergungsspezialisten könnten ihre Arbeit fortsetzen.

Bei der Bergung des teilweise ausgebrannten Containerfrachters „Flaminia“ hat das Havariekommando jede Gefährdung des Wattenmeers ausgeschlossen. Es würden keine übereilten Schritte unternommen, versicherte der Leiter der Behörde, Hans-Werner Monsees, am Sonntag. „Es geht darum, Menschenleben zu schützen und Umweltgefahren auszuschließen.“ Der Zeitplan bis zur Ankunft des Schiffes im JadeWeserPort werde deshalb ausschließlich von den Fortschritten auf dem fast 300 Meter langen Containerschiff bestimmt, versicherte Monsees. Aus Politik und Tourismus hatte es in den vergangenen Tagen Widerstand gegen den Plan gegeben, das Schiff nach Wilhelmshaven zu schleppen.

Am Sonntag konnten erstmals seit längerer Zeit wieder Bergungsspezialisten an Bord des Schiffes gehen, das von Schleppern gesichert in der Nähe der englischen Südwestspitze liegt. Die Experten stellten sinkende Temperaturen in dem vom Feuer zerstörten Bereich des Frachters fest. Im Laderaum 3, in dem am Donnerstag noch ein Glutnest war, seien jetzt noch 50 Grad gemessen worden, sagte der Nautische Direktor der Reederei NSB, Eckart Möller. In dem Laderaum lagern zwei Gefahrgutcontainer mit Nitromethan, für die jetzt keine Gefährdung mehr bestehe. Die Chemikalie kann unter anderem als Lösungsmittel oder Treibstoff eingesetzt werden. „Es gibt keine Entwarnung, aber es gibt auch gar keinen Grund für irgendeine Hysterie“, sagte Monsees zur Gesamtsituation. Es sei kein offenes Feuer mehr an Bord.

Der Germanische Lloyd habe bestätigt, dass die Aufbauten, das Heck, die Ruderanlage und die Außenhaut der „Flaminia“ intakt seien. Das Schiff habe 2,5 Grad Schlagseite, es seien keine Betriebsstoffe ins Meer ausgelaufen. An Bord befinden sich 2876 Container, davon 151 mit Gefahrgut. „Wir haben alle Unterlagen, die wir brauchen für diesen Schadensfall, da gibt es gar keine Unklarheiten“, sagte Monsees. An Bord befänden sich keinerlei radioaktive Stoffe. Von den Gefahrgutcontainern seien 72 durch das Feuer zerstört worden, 24 seien beschädigt und 55 intakt.

In den Tanks der „Flaminia“ befanden sich am 20. August 1247 Tonnen Schweröl, 651 Tonnen leichtes Schweröl, 86 Tonnen Diesel und 174 Tonnen Schmierstoffe. Möller schätzte die Menge des Löschwassers nach der Brandbekämpfung an Bord auf rund 20 000 Tonnen.

Der Plan des Havariekommandos sieht vor, das Schiff auf eine Tiefwasserreede in der Deutschen Bucht zu schleppen, sobald klar ist, dass keine Gefahr für Ladung und Schiff mehr besteht. Entweder werde man die Laderäume, in den es noch Wärmeentwicklung gebe, unter Wasser setzen oder einzelne Glutnester gezielt suchen und löschen, sagte Monsees. Auf der Reede sollen je nach Erfordernis Betriebsstoffe und Löschwasser in Tankschiffe umgepumpt werden. Bei Bedarf sollen auch einige Container umgeladen und die übrige Ladung gesichert werden. Erst danach dürfe das Schiff in den JadeWeserPort kommen, wo die gesamte Ladung an Land gebracht werden soll. Anschließend könne das Schiff repariert werden, sagte Möller.

Die unter deutscher Flagge fahrende „Flaminia“ mit Heimathafen Hamburg war am 14. Juli auf der Fahrt von den USA nach Europa in Brand geraten. Es hatte Explosionen gegeben, ein Seemann wurde getötet, ein weiterer wird vermisst. Die Reederei NSB hat nach Möllers Angaben eine Fachfirma damit beauftragt, die Ursache des Feuers zu suchen.

Nach Abschluss der Bergungsarbeiten wird nach Monsees Einschätzung auf europäischer Ebene über den Fall gesprochen werden müssen. England und Frankreich hatten der Reederei nicht erlaubt, den Havaristen in einen ihrer Hafen zu bringen. So musste das Schiff bei zum Teil schlechtem Wetter auf offener See bleiben, bis das Bundesverkehrsministerium die Anweisung gab, die „Flaminia“ in einen deutschen Hafen zu holen.

dpa

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