Treffen der Modebranche

Berliner Fashion Week beginnt

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Foto: Ein Model zeigt die Kreationen von Lena Hoschek.

Berlin - Fast könnte man meinen, Marilyn Monroe posiere auf dem roten Teppich. Oder Brigitte Bardot. Dabei sind es nur Fernsehmoderatorin Enie van de Meiklokjes und ihre Freundinnen. Vier Tage lang trifft sich die Modebranche zur Fashion Week in Berlin. Designer, Modeblogger, Einkäufer – und natürlich jede Menge Stars und Sternchen.

Noch bis Sonnabend zeigen Designer wie Rena Lange, Schumacher, Michalsky, Hugo und Kaviar Gauche ihre neusten Kollektionen. Mehr als 50 Präsentationen gibt es zu sehen. Die meisten davon im großen, weißen Modezelt, das direkt an der Siegessäule aufgebaut ist. Die „Gold-else“ wacht in diesem Jahr über die Modeverrückten.

Und doch gilt Berlin als das ewige Stiefkind der Branche. Vor der Eröffnung der Schauen am Mittwoch allerdings wurde viel gelästert: In der ersten Reihe am Catwalk säßen wieder nur deutsche Casting-Stars wie Nacktmodell und Dschungelcampkandidatin Micaela Schäfer. Die große Prominenz reise ohnehin nur nach Paris, wo in dieser Woche fast zeitgleich die großen Couturiers wie Dior und Chanel gefeiert werden. Während an der Seine Anna Wintour, Chefredakteurin der US-„Vogue“ und vermutlich mächtigste Frau in der Branche – in der ersten Reihe saß, machte sich ihre deutsche Kollegin in Interviews für die Berliner Modewoche stark. Christiane Arp, Chefin von „Vogue“ Deutschland, bezeichnete Berlin als interessanten Standort der jungen Avantgarde und als „zartes Pflänzchen“, das man pflegen müsse.

Manche Abläufe sind aber in jeder der mehr als 100 Modewochen, die jährlich rund um den Globus veranstaltet werden, gleich. So beginnt die eigentliche Show schon vor dem Modezelt. Groß ist das Blitzlichtgewitter, als Rockstar Bryan Adams durch das Zelt in Richtung Runway eilt, wo Escada Sport die jüngste Kollektion zeigt. Dort, wo die Limousinen vorfahren, wo Prominente wie Wolfgang Joop und Boris Beckers Sprössling Noah Gabriel im Blitzlichtgewitter stehen, da fotografieren sich auch die Massen von Modebloggern gegenseitig. Das Internet hat längst einen festen Platz im Modezirkus. Meinungsführende Blogs wie „Les Mads“ oder „Modepilot“ verfolgen nicht mehr nur, sondern setzen Trends.

Eine dieser jungen Bloggerinnen ist Bonnie Strange. Das Berliner It-Girl ist nicht nur die Verlobte von Wilson Gonzales Ochsenknecht, sondern auch bekannt für ihre Extravaganz. Wechselnde Haarfarben sind ihr Markenzeichen. Das Internet machte sie bekannt, auf der Fashion Week wird sie ihre erste eigene Kollektion präsentieren.

Nur ein paar Kilometer weiter, auf dem Tempelhofer Flughafen-Gelände geht es in dieser Woche vor allem ums Geschäft. Die Messe Bread & Butter ist für diejenigen Pflicht, die originelle Streetwear und Jeans für den Handel einkaufen oder sich inspirieren lassen wollen. Mit 40 Millionen Euro Umsatz im Jahr ist die Schau auch ein Jahrzehnt nach ihrer Gründung noch sehr erfolgreich. Doch Gründer Karl-Heinz Müller sorgt sich um den Modestandort Berlin: „Hinter den Kulissen wird es wirklich schmutzig.“

Immer mehr Messen, Agenturen und Marken buhlen um die internationalen Einkäufer, die zur Fashion Week in die Hauptstadt kommen. „Die laufen immer gehetzter hier rum“, sagt Müller. Kein Wunder, neben der Bread & Butter gibt es in vier Tagen zehn weitere Messen und mehr als 40 Shows, auf denen Mode präsentiert wird, und das zweimal im Jahr.

Der Berliner Senat schaut nur zu, greift aber anders als die Stadtverwaltungen großer Modemetropolen nicht ordnend oder gar fördernd ein. Immerhin lässt Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) keine Gelegenheit aus, auf den Standortfaktor Mode hinzuweisen. Dabei lockt jede Ausgabe der Fashion Week nach Angaben der Investitionsbank Berlin 240.000 Besucher an und bringt 120 Millionen Euro Umsatz. Davon profitieren Hotels und Taxifahrer, Messebauer und Gastronomen. Bei Escada posiert Wowereit am Eröffnungstag Arm in Arm mit Model Franziska Knuppe in der ersten Reihe.

Doch glaubt man Bread & Butter-Macher Müller, fängt die Branche an, sich zu kannibalisieren. Hinzu kommt die Wirtschaftskrise, die vielen Herstellern zusetzt. Zum ersten Mal findet die Jeansmesse Bread & Butter ohne Levis statt, auch Calvin Klein, Bench und Miss Sixty haben abgesagt. Müller gibt sich gelassen: „Unsere Messe ist jetzt besser als mit den alten Dinosauriern. Wir sind die Front, nicht das Lazarett.“

Die Lücken der „Dinos“ füllt auch in Tempelhof der Nachwuchs. Junge Designer wie Patrick Mohr nutzen das Sprungbrett, um international Aufmerksamkeit zu erregen. Der gebürtige Bayer ist regelmäßiger Gast im Zelt der Fashion Week, seit gestern hat er auch ein Zuhause im „Temple of Denim“ gefunden, dem blauen Herz der Bread & Butter. „Im Modezelt geht es um Image und PR, hier um den wirtschaftlichen Faktor. Irgendwie muss man ja auch überleben.“

Nora Lysk/Maja Heinrich/dpa

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