Filmreifer Einbruch

Berliner Tunnelräuber ließen Beute zurück

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Foto: Einen filmreifer Einbruch ist Bankräuber in Berlin gelungen. Die Polizei vermutet, dass die Täter bei ihrer Arbeit gestört worden sind.

Berlin - 45 Meter grub sich die Bande der Bank-Einbrecher in Berlin durch die Erde. 200 von 1600 Schließfächern brachen die Gangster auf. Dann kam ihnen wohl etwas in die Quere.

Die Planung und Ausführung des Coups dauerten mindestens ein Jahr. Die Berliner Tunnel-Gangster gingen dabei noch umsichtiger und gründlicher vor als zunächst vermutet. Das zeigen erste Erkenntnisse der Kriminalpolizei, die einen Tag nach der Entdeckung des spektakulären Einbruchs in eine Bank im Südwesten Berlins eine Sonderkommission "Tunnel" einsetzte. Eins ist den Fahndern dabei klar: "Es waren auf jeden Fall Profis", wie Polizeisprecher Thomas Neuendorf sagte. Bereits im Februar 2012 mieteten die Täter mit gefälschten Ausweisen einen Stellplatz in einer Tiefgarage unter einem Ärztehaus. Die einfache Garage ohne Kameras liegt nahe der Volksbank in der Wrangelstraße im gutbürgerlichenBerlin-Steglitz. Der Platz konnte mit einem Rolltor verschlossen werden.

Roboter auf Rädern misst Tunnelstrecke

Die Einbrecher konnten seit einem knappen Jahr weitgehend ungestört arbeiten. In drei Metern Tiefe grub sich die Bande Richtung Bank. 45 Meter lang war die Strecke, wie sich am Dienstag herausstellte, nachdem ein kleiner Roboter auf Rädern mit einer Kamera losgeschickt wurde. Polizeisprecher Neuendorf berichtete: "Man erkennt aber am Eingang: Das ist sehr professionell gebaut. Das waren keine Anfänger, die mal eine Sandburg buddeln." Die Decke und die Wände des Tunnels seien gesichert und abgestützt.

Ein Mensch könne gebückt durch den Gang gehen. "Das hat sicher viele Monate gedauert", sagte Neuendorf. Vermutlich setzten die Täter Maschinen zum Graben ein. Günstig für sie war dabei, dass das Bankgebäude ein alleinstehendes Haus ist und Lärm oder Vibrationen im Boden nachts oder am Wochenende unbemerkt blieben. Die Erde schaffte die Bande nach und nach mit Autos weg. "Zeugen, die sich jetzt gemeldet haben, sahen, dass immer wieder Bauarbeiter an der Garage und dem Haus unterwegs waren", berichtete der Sprecher. Erst jetzt hätten die Nachbarn auf einen Zusammenhang mit dem Einbruch geschlossen. Mehr als 20 Hinweise gingen bis Dienstag bei der Polizei ein. Nach monatelangem Graben stemmten die Täter am vergangenen Wochenende die Kellerwand der Bank auf. Sie drangen in den großen Raum mit den Schließfächern ein und brachen eins nach dem anderen auf. Dabei verlief offenbar aber nicht alles wie geplant. Nach Polizeiangaben wurde bei einem Wachschutz der Bank Alarm ausgelöst. Die Wachleute konnten aber nichts entdecken.

Die Polizei fragt sich nun, ob die Täter bei ihrem Diebstahl unterbrochen wurden. Nur etwa 200 der 1600 Schließfächer wurden nach einer ersten Einschätzung der Volksbank geknackt. Etwa 800 Schließfächer sind überhaupt vermietet, so dass auch nicht klar ist, wie viele "Nieten" die Täter erwischten. "Warum haben sie abgebrochen?", sagte Neuendorf. "Vielleicht ist doch etwas schief gelaufen? Man gräbt nicht monatelang, um dann zwei Drittel der Beute liegen zu lassen." Antworten erhofft man sich von den Experten der Spurensicherung, die nun penibel den Tunnel untersuchen.

Akribische Kleinstarbeit

Winzige Spuren und Details könnten zu einem Erfolg führen, sagte Neuendorf. "Spurensuche, Spurensuche und nochmal Spurensuche. Es geht um akribische Kleinstarbeit." Das könne noch viele Tage dauern. Neuendorf erinnerte an den Berliner Banküberfall von 1995, bei dem eine Bande Geiseln nahm und durch einen aufwendig gebauten Tunnel entkam. Hier habe unter anderem ein Mini-Fingerabdruck zu den Tätern geführt. Wie viel Geld, Gold oder Schmuck die Einbrecher erbeuteten, wissen bisher nur sie selbst. Die Bank durfte bisher nur einen kurzen Blick in den eigenen Keller werfen. Nur sehr oberflächlich lasse sich einschätzen, welche Fächer unbeschädigt seien, sagte eine Sprecherin. Erst wenn die Spurensicherung beendet ist, kann die Bank alle Nummern der aufgebrochenen Fächer notieren. Dann atmen manche Kunden auf - oder trauern um das geerbte Collier und die großen Scheine.

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