Zukunft der Gertrudenberger Höhlen ist umstritten

Beton oder Besucher?

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Foto: „Die Höhlen sind ein Kulturdenkmal“: Aufnahme aus dem Gertrudenberger Loch.

Osnabrück - Die Gertrudenberger Höhlen zur Sicherheit zuschütten – das schlägt eine Behörde des Bundes vor und handelt sich in Osnabrück mächtig Ärger ein.

Wilfried Kley ist schockiert. „Schockiert, dass so etwas vernichtet wird“, sagt der Mann, der sich mit Gleichgesinnten seit Jahren für die Gertrudenberger Höhlen in Osnabrück einsetzt. Das weitläufige Stollensystem soll teilweise oder vielleicht sogar ganz mit Beton verfüllt werden - aus Sicherheitsgründen. Das hat ein Gutachter im Auftrag der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) vorgeschlagen. Die Behörde ist zu der Auffassung gelangt, dass die Anlage nicht mehr sicher ist.

Bei der letzten Kontrolle habe ein externer Sachverständiger Gefahren für Leben und Gesundheit festgestellt, erklärt BImA-Sprecher Thorsten Grützner. Schon in den siebziger Jahren wurden Teile der Höhlen mit Beton verfüllt - es sollen noch mehr werden, falls die Grundstückseigentümer, die über der Anlage ihre Häuser gebaut haben, dem zustimmen. Bis dahin bleibt der Zugang zur Höhle mit einem großen Vorhängeschloss versperrt.

Verfüllen - bei diesem Wort wird Kley unruhig. Ein „unmögliches Unterfangen“ nennt der Vorsitzende des Vereins Gertrudenberger Höhlen den Plan. Dem Verein gehören über 70 Mitglieder an, viele von ihnen seien Experten, wie Kley betont. Sie alle haben sich eingehend mit den Höhlen beschäftigt, Fotodokumentationen angefertigt, ein Buch darüber geschrieben. „Die Höhlen sind ein Naturdenkmal und damit erhaltenswert“, sagt der 69-jährige Kley, der schon als 12-Jähriger in den dunklen Gängen unterwegs war. Er und seine Mitstreiter wollen die unterirdische Welt - nach angemessener Sanierung - irgendwann für die Öffentlichkeit zugänglich machen. „So etwas muss man doch auch den Heranwachsenden zeigen.“

Der Verein befindet sich nun im Clinch mit der BImA. Die Mitglieder fühlen sich übergangen, sie zweifeln auch das Gutachten an. Zwei von drei Grundstückseigentümern seien von der Bundesanstalt schon überredet worden, ihre Zustimmung zur Verfüllung der Höhlen zu geben. Vor Kurzem hat der Verein gegen zwei Behördenmitarbeiter Dienstaufsichtsbeschwerde gestellt, zu der die Bundesanstalt erst in nächster Zeit förmlich Stellung nehmen wird.

Interessant sind die Gertrudenberger Höhlen tatsächlich: Im frühen Mittelalter wurde hier Baumaterial für Häuser abgebaut. Der Verein vermutet, dass die unterirdische Anlage aber noch viel, viel älter ist, und mutmaßlich bis zurück in die Römerzeit reicht. „Das ist noch gar nicht ausreichend erforscht“, sagt Kley. Klar ist, dass die Höhlen während des Dritten Reiches teilweise als Luftschutzanlage ausgebaut wurden. Und nur deshalb unterliegen sie überhaupt der Kontrolle der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, die ehemalige Militärflächen verwaltet. BImA-Sprecher Grützner will den Wert der Höhlen gar nicht kleinreden, wie er sagt. „Doch wenn etwas passiert, können wir dafür haftbar gemacht werden.“ Es sei denn, der Verein kaufe die Anlage von den Eigentümern und übernehme somit die Haftung.

Der Streit um die Höhlen kann sich noch hinziehen. Solange noch nicht die Zustimmung aller Eigentümer und die Genehmigungen bei den zuständigen Denkmal- und Naturschutzbehörden vorliegen, wird so schnell kein Beton ins Höhleninnere fließen. Und das Vorhängeschloss bleibt.

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