Paralympics

Ein Betreuer für die Seelen der Athleten

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Foto: Voller Vorfreude: Pastor Christian Bode am Montag vor der Abreise nach London, wo er Athleten bei den Paralympics betreut.

Holzminden - Am Mittwoch starten die Paralympics in London - mit dabei ist Pfarrer Christian Bode aus Holzminden. Er ist für das Seelenheil der deutschen Athleten zuständig.

Anfangs dachte er: „Das gewinne ich locker.“ Pustekuchen. Fünf von sieben Spielen hat Christian Bode im Tischtennis gegen behinderte Spieler verloren. Das ist schon lange her, damals war er 15 Jahre alt, schon erfahren im Tischtennis, noch unerfahren im Behindertensport. Heute ist Bode 34 Jahre alt, Vater zweier Kleinkinder und lebt als Pastor in Holzminden. Morgen beginnen die Paralympics, und der Niedersachse reist als einziger Seelsorger der evangelischen Kirche nach London.

Gemeinsam mit einem katholischen Kollegen wird Bode das deutsche Team mit seinen 150 Sportlern und 97 Betreuern bei den Wettkämpfen und im olympischen Dorf begleiten. Mittlerweile kennt sich Christian Bode mit Behindertensport gut aus. Jahrelang hat er als Trainer gearbeitet, 2008 holten die von ihm betreuten Sportlerinnen bei den Paralympics in Peking mehrere Medaillen im Tischtennis.

Nun reist er nicht als sportlicher, sondern eher als Betreuer für die Seele mit. „Ich kenne den Druck, der auf den Athleten lastet“, sagt der 34-Jährige. Anders als bei Olympia seien die nationalen Auswahlkriterien bei den Paralympics sogar noch viel härter. Nur wer unter den zehn Weltbesten liegt, dürfe nach London reisen. „Die Sportler arbeiten lange auf diesen Traum hin, und wenn der durch ein frühes Ausscheiden zerplatzt wie eine Seifenblase, ist das bitter“, weiß Bode. In solchen Momenten will er als Seelsorger - wenn gewünscht - zur Stelle sein.

Doch nicht nur das. Es ist ihm wichtig zu sagen, dass das Leben mehr ist als sportliche Begeisterung, Anstrengung und Freude, Gold, Silber oder Bronze. „Ich will für dieses Mehr außerhalb der Wettkämpfe da sein, Andachten und Gottesdienste feiern, vor Gott bringen, was bewegt“, sagt Bode. Gott und Bewegung, Kirche und Sport - das sind wichtige Säulen in Christian Bodes Leben. Auch wenn er privat nur noch selten Tischtennis spielt, läuft der 34-Jährige regelmäßig Langstrecke. Beruflich ist Bode in der evangelischen Kirche für den Behindertensport zuständig. Seit der damalige Theologiestudent 1997 seine Trainerausbildung begann, hat sich der Behindertensport enorm weiterentwickelt. Früher seien die Sportler in den schon getragenen Trainingsanzügen der deutschen Fußballnationalmannschaft zu den Turnieren angereist.

„Heute ist Behindertensport eben auch Spitzensport mit entsprechender Förderung, aber auch Erwartungshaltung“, sagt Bode. Sendete das öffentlich-rechtliche Fernsehen in Peking noch 30 Stunden live von den Paralympics, sind es in London doppelt so viele. Daran zeige sich, meint Bode, dass sich die Einstellung zum Behindertensport gewandelt habe - „raus aus der Mitleidsschiene“.

„Ich erlebe eine Veränderung von Menschen, die mit Behinderten zu tun haben“, sagt er, denkt kurz nach und fragt: „Was ist behindert und was ist überhaupt normal?“

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