5000 Taten seit 2000

Betrüger erbeuten Millionen mit Enkeltrick

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Betrüger haben mit dem berüchtigten Enkeltrick in den vergangenen 15 Jahren in Niedersachsen rund 4,5 Millionen Euro erbeutet.

Northeim - Betrüger haben mit dem berüchtigten Enkeltrick in den vergangenen 15 Jahren in Niedersachsen rund 4,5 Millionen Euro erbeutet. Beim Enkeltrick geben sich Betrüger am Telefon als Verwandte aus, die angeblich in Not geraten sind. Hunderte zumeist ältere Menschen sind von den Gaunern um ihr Geld gebracht worden.

Eine berüchtigte Betrugsmasche hat immer noch Konjunktur: Vor 15 Jahren warnte das niedersächsische Landeskriminalamt (LKA) erstmals vor dem sogenannten Enkeltrick. Dabei geben sich Gauner am Telefon als angeblich in Not geratene Angehörige älterer Menschen aus, um sie zu Geldzahlungen zu bewegen.

Mehr als 5000 versuchte oder vollendete Enkeltrick-Betrügereien hat das LKA seither registriert. Der Gesamtschaden liegt bei mindestens 4,5 Millionen Euro. Die Ermittler gehen allerdings von einer hohen Dunkelziffer aus. Sie vermuten, dass viele Taten aus Schamgefühl nicht angezeigt wurden.

„Hinter dem Enkeltrick stecken vor allem gut organisierte osteuropäische Banden, die vom Ausland aus operieren“, sagt LKA-Sprecher Armin Zieseniß. Dass die deutsche Polizei seit Jahren regelmäßig vor der Betrugsmasche warnt, kann diese Täter nicht abschrecken. Im Gegenteil: Seit Jahresbeginn haben die Ermittler eine deutliche Steigerung der Aktivität registriert. Im Januar und Februar wurden in Niedersachsen 167 versuchte oder vollendete Taten gemeldet, gut 60 Prozent mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum. Die Unbekannten ergaunerten mehr als 150 000 Euro.

„Als Opfer wählen die Betrüger gezielt ältere Menschen aus, weil sie diese für arglos und hilfsbereit halten“, sagt Claus Kubik von der Polizei Hildesheim. „Dazu suchen sie einfach in Telefonregistern nach älteren Vornamen wie Wilhelm oder Margarete.“ Die Täter spielten den Opfern dann finanzielle Notlagen vor und versuchten, diese so zur Zahlung größerer Bargeldsummen zu bewegen.

Auch im Landkreis Northeim sind seit Jahresbeginn Senioren in mehreren Orten angerufen worden. „Die Täter setzen die älteren Menschen dabei ganz geschickt unter Druck“, berichtet Uwe Falkenhain von der Polizei Northeim. Mit Fragen wie „Kennst Du mich denn nicht mehr?“ brächten sie ihre möglicherweise schon etwas gedächtnisschwachen Opfer in die Defensive.

Aus Angst, als senil oder dement zu gelten, gäben die Angerufenen dann vielfach zur Antwort, dass sie den Anrufer natürlich kennen würden. „Und schon ist der Bann gebrochen“, sagt Falkenhain. Das erbetene Geld holen die angeblichen Enkel dann unter einem Vorwand nicht selbst ab. Stattdessen schicken sie einen angeblichen Bekannten.

Mehrere Hundert ältere Menschen in Niedersachsen sind auf diese Weise schon um ihr Geld gebracht worden. Der größte Einzelbetrag - 100 000 Euro - floss dabei im Jahr 2006 in Hannover. In der Samtgemeinde Oberharz büßte eine Rentnerin 70 000 Euro ein.

Bisweilen gelingt es der Polizei, Mitglieder der Enkelbanden zu fassen. Zumeist sind es aber keine Hintermänner, sondern nur Geldabholer, so wie vor einigen Wochen im Kreis Osnabrück. Dort war ein Bankmitarbeiter misstrauisch geworden, als eine 86-jährige Kundin 10 000 Euro für einen angeblichen Verwandten vom Konto abheben wollte. Er alarmierte die Polizei, die einen 20-Jährigen bei der Geldübergabe fasste.

dpa

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