Gerichtsurteil

Bewährung wegen K.o.-Tropfen in Capri-Sonne

+

Bremen - Vergiftete Capri-Sonne in Bremen ließ im Juli 2012 zuerst an einen Produkterpresser denken. Doch es war ein liebeshungriger Ehemann, der die K.o.-Tropfen in das Getränk mixte. Er habe neuen Schwung ins Liebesleben bringen wollen, sagte er vor Gericht aus. Jetzt wurde er verurteilt.

Im Prozess um vergiftete Capri-Sonne ist ein 57-Jähriger mit einer Bewährungsstrafe davongekommen. Das Amtsgericht Bremen verurteilte den Mann am Montag wegen versuchter gefährlicher und wegen fahrlässiger Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen a 20 Euro. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. "Man kann davon ausgehen, er wird nicht wieder straffällig", sagte der Vorsitzende Richter Hans Ahlers. Letztlich habe das Ganze mit einem tragischen Geschehen in einer langjährigen Beziehung zu tun.

Die Frau des Mannes war nach dem Genuss der Capri-Sonne im Juli 2012 ins Krankenhaus gekommen und lag mehr als zwei Wochen im Koma. Über seinen Anwalt ließ der Angeklagte, der wegen einer Erkrankung nicht selbst sprechen konnte, den Ablauf der Geschehnisse schildern. Er habe die K.o.-Tropfen in Fruchtsaftgetränke gemischt. Der Grund: "Ich wollte neuen Schwung ins eheliche Liebesleben bringen." Im Internet habe er recherchiert, dass das Mittel euphorisiert und sexuell enthemmt. "Was ich getan habe, tut mir unendlich leid."

Beim ersten Versuch habe nur er davon getrunken. Nach kurzer Zeit sei er bewusstlos geworden und erst im Krankenhaus wieder zu sich gekommen. Er sei fest davon ausgegangen, dass keiner mehr von der Capri-Sonne trinken würde. Doch es kam anders: Seine zu der Zeit 54 Jahre alte Frau trank laut Anklage am 12. Juli den vergifteten Saft, wurde bewusstlos, hatte hohes Fieber und Krämpfe und wurde ins künstliche Koma versetzt. Es gebe keine Anhaltspunkte dafür, dass der Angeklagte da noch wollte, dass seine Frau davon trank, sagte der Staatsanwalt.

Vor dem Verhandlungstag hatte es nach Angaben von Richter Ahlers Gespräche zwischen Kammer, Staatsanwaltschaft und Verteidigung "mit dem Ziel einer Verständigung gegeben". Der Angeklagte habe erhebliche gesundheitliche Probleme. Mit seiner Frau habe er sich wieder ausgesöhnt. Deshalb käme bei dem nicht vorbestraften Angeklagten auch die Verhängung einer Verwarnung in Betracht.

Nach gut einer Stunde wurde das Urteil dann gesprochen. "Wer so etwas macht, muss sich darüber im Klaren sein, dass die Dosierung schwierig ist. Das ist ein potenziell gesundheitsgefährdender Stoff", betonte Richter Ahlers noch.

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare