Zeichentrick-Klassiker

Biene Maja bekommt eine Wespentaille

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„Lebendig, quirlig, ein kleines Mädchen“: Biene Maja hat abgenommen.

Hannover - Die Biene Maja ist zurück. Den Kopf steckt sie noch genauso in die Blüten, der Nieser schießt noch ähnlich überrumpelt aus der pollenüberfüllten Nase.

Ansonsten aber ist doch einiges anders bei der Neuauflage des Zeichentrick-Klassikers „Biene Maja“, mit dem das ZDF ab Ende März punkten will.

Die Musik kommt jetzt von Helene Fischer und nicht mehr von Karel Gott, die Bilder haben sich verjüngt. Die Tricks kommen nicht mehr aus dem Zeichenstift, sondern aus dem Computer. Maja ist jetzt 3D. Dass es aber schon vor der Ausstrahlung der ersten Folge eine Debatte über die neue Biene gibt, hat einen anderen Grund: Maja hat für das ZDF abgespeckt, sie ist der Wespentaille deutlich näher gekommen. Auch ihr Freund Willie musste abnehmen. Ein fatales Signal in Zeiten von Magermodels? Beherrscht der Schlankheitswahn nun auch das Kinderprogramm?

Das ZDF hat sich für die Kritik von Jugendschützern gerüstet - und geht jetzt in die Offensive: „Es gab keine Direktive, dass die andere Biene zu dick war“, sagt Barbara Biermann, Leiterin der ZDF-Hauptredaktion „Kinder und Jugend“. Die neue Maja sei zwar dünner als die alte, sie sei jedoch dem Charakter entsprechend entworfen worden: „lebendig, quirlig, ein kleines Mädchen, da ist es okay, dass sie schlank ist“.

Außerdem, so die offizielle Erklärung, sei die Diät ein Tribut an die Technik. Serienredakteurin Irene Wellershoff erläutert, dass eine direkte Übernahme der klassischen Maja in 3D dafür gesorgt hätte, „dass sie mindestens eine Hummel wäre“. Dialogregisseur Mario von Jascheroff: „Und wir haben andere Hummeln, die müssen sich irgendwie absetzen“.

Ganz abwegig ist die Annahme aber nicht, dass sich Zeichentrickfiguren bisweilen weit von realistischen Maßen entfernen. Schon 2009 untersuchte das Internationale Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen die Darstellung von Mädchen- und Frauenbildern in Zeichentrickserien. Das Ergebnis: Viele Figuren sind viel zu schlank. Egal ob Disneys „Kim Possible“ oder die Puppenserie „Bratz“ - anatomisch möglich ist das alles nicht. Der Taillenwert liege, so ergab die Studie, bei 58 Prozent der untersuchten weiblichen Zeichentrickfiguren unterhalb eines natürlich erreichbaren Wertes. Die Studie würde heute sicher zu ähnlichen Ergebnissen kommen. Die Disney-Prinzessinnen sähen in Wirklichkeit mindestens magersüchtig, die Feen aus dem „Winx Club“ eher chronisch unterernährt aus.

Dass nun auch die deutsche Lieblingsbiene - laut ZDF kennen sie 97 Prozent der Einwohner - eine Schlankheitskur gemacht hat, ist wohl auch eine Anpassung an Sehgewohnheiten. Aber ist es auch ein Problem? Insekten müssen für Zuschauerinnen ja nicht unbedingt als körperliches Vorbild herangezogen werden.

Sebastian Scherer

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