Hurricane-Festival gestartet

In Bikini und Gummistiefeln

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Auch in diesem Jahr wird wieder ordentlich gerockt auf dem Hurricane.

Scheeßel - Das siebzehnte Hurricane-Festival ist bis zum Samstag weitgehend harmonisch verlaufen. Trotz durchweichter Böden feierten mehr als 70.000 Rockfans bereits den zweiten Tag des Musikevents in Scheeßel in friedlicher Stimmung.

Bis zum Mittag registrierte die Polizei acht Körperverletzungsdelikte. „Das ist weniger als bei einem zünftigen Schützenfest“, sagte ein Polizeisprecher. Daneben sei außer einigen Taschendiebstählen und Drogendelikten kaum etwas vorgefallen.

Die verschlammten Böden trocknen indes nur langsam. Heftige Regenschauer hatten das Festival-Gelände zu Beginn am Freitag in eine regelrechte Matschlandschaft verwandelt. Doch echte Rockfans trotzen jedem Wetter - zehntausende waren am Freitag beim Auftakt dabei, 73 000 werden insgesamt erwartet.

Höhepunkt am Samstag sollen die Auftritte der Elektro-Hip-Hopper Deichkind und der Artic Monkey wrden. Bis Sonntagabend werden mehr als 90 Bands aus den Bereichen Rock, Pop und Electro auf vier Bühnen auftreten.

Das Festival in der 13 000-Einwohner-Gemeinde zwischen Bremen und Hamburg gehört zu den größten Musikevents Deutschlands. "Matsch und Sturm gehören doch dazu", sagt Sabine Falldorf und lacht. Die 29-Jährige steht in braunen Gummistiefeln und einem blauen Pulli an einem Geländer vor dem Festival-Gelände und leert noch schnell ihr Dosenbier, bevor sie sich in das Getümmel stürzt. Seit sieben Jahren fährt sie jedes Jahr aus dem schweizerischen Basel zum norddeutschen Hurricane-Festival. "Von total staubig bis orkanartig war alles dabei", erzählt die Lebensmittelingenieurin. Wichtig sei nur die angemessene Ausrüstung: "Von Bikini bis Gummistiefel muss man eben alles mitnehmen." Die Veranstalter streuen Holzschnitzel auf matschige Flächen, um die Feuchtigkeit aus dem Schlamm aufzusaugen. Vereinzelt werden im Schlamm steckende Autos mit Traktoren vom Gelände gezogen. "Ein bisschen Matsch hier und da, aber nichts was wir noch nicht hatten", beschreibt Festival-Sprecher Carsten Christians die Lage. Tausende Besucher müssen bei der Anfahrt stundenlang in ihren Autos verharren, bevor sie die verschlammten Parkplätze befahren und ihre Zelte aufbauen durften. "Das ist Standardprozedere bei Unwetterwarnungen", erklärt Christians.

Das erste Hurricane-Festval gab es vor 40 Jahren. Der Konzertmarathon in der 13 000-Einwohner-Gemeinde zwischen Bremen und Hamburg gehört mittlerweile zu den größten Musikevents Deutschlands - auch wenn das Wetter nur selten mitspielt: "Es gab fast immer durchwachsenes Wetter", sagte Polizeisprecher Heiner van der Werp. Gummistiefel gehören für die treuen Fans des dreitägigen Spektakels ohnehin zum Outfit. Manche haben auch gleich zwei Paare dabei. "Manchmal sinkt man so tief ein, dass einer im Matsch stecken bleibt, dann hat man ein Problem", berichtet van der Werp. Bei den Damen sind in diesem Jahr möglichst bunte Gummistiefel angesagt. "Es wird bei Frauen zu einer Art Festival-Fashion", meint Festival-Sprecher Christians.

Torsten Knepper war vor 15 Jahren zum ersten Mal hier, seitdem viele Male. "Es gab auch schon Festivals, die waren heftig heiß", erzählt er. Dieses Jahr hat er mit seiner Tauziehmannschaft aus Oelde (Kreis Warendorf) im Münsterland sogar Tickets gewonnen. Jetzt steht er vor einem verbogenen Alu-Gestänge. "Für den Pavillon habe ich 150 Euro gezahlt, ihn in der Nacht noch befestigt und aufgespannt", sagt der 34-Jährige. "Heute morgen hat der Wind das Ding einfach umgeweht." Sein Kumpel kniet neben ihm im feuchten Gras und pustet in eine rote Grillschüssel, auch die Grillbeine hat der Sturm abgerissen. Nur die Zelte der Freunde blieben bisher standhaft. Knepper lacht: "Die Stimmung lässt man sich hier nicht versauen, das ist trotzdem wie ein kurzer Urlaub - mit Musik, Kumpels und Bier."

dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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