Foodwatch kritisiert Legehennenhaltung

Bio-Eier keine Garantie für gesunde Hühner

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Hannover - Bei Eiern aus dem Supermarkt spielt es aus Tierschutzsicht kaum eine Rolle, ob sie aus Käfig-, Boden-, Freiland- oder Biohaltung stammen. Nach einer Donnerstag veröffentlichten Studie der Verbraucherorganisation Foodwatch garantiert keine der Haltungsformen ein tiergerechtes Leben.

„Verbraucher können anhand der Kennzeichnung zwar zwischen verschiedenen Haltungsformen wählen, aber nicht gezielt Eier von gesunden Hennen kaufen“, bemängelt Luise Molling von Foodwatch. Es gebe in allen Bereichen Defizite. Selbst Biohöfe bieten laut Foodwatch nicht automatisch eine Gewähr für gesunde und ordentlich gehaltene Legehennen. Die Organisation fordert daher strengere Tierschutzvorgaben vom Gesetzgeber.

Der Niedersächsische Geflügelwirtschaftsverband wies die Kritik umgehend zurück: „Die gesetzlichen Standards in Deutschland suchen ihresgleichen, und die werden auch kontrolliert“, sagte der Verbandsvorsitzende Friedrich-Otto Ripke. „Foodwatch fordert mehr, als derzeit nach wissenschaftlichen Erkenntnissen machbar ist und betreibt unsachliche Interessenpolitik.“ Allein in Niedersachsen gibt es nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums in Hannover 15,5 Millionen Legehennen, davon 8,4 Millionen in Boden- und 3,3 Millionen in Freilandhaltung. 2,3 Millionen Tiere werden in Käfigen gehalten und 1,5 Millionen in Betrieben mit Ökostandards. Biohennen haben etwa doppelt so viel Platz im Stall wie Käfighennen.

Foodwatch betont, auch Ökobetriebe arbeiteten mit Hennen, die auf maximale Legeleistung gezüchtet und daher besonders anfällig für Krankheiten und Verhaltensstörungen wie Federpicken und Kannibalismus seien. Das Ökofutter mache die Hennen sogar noch anfälliger für Kannibalismus. Der Verzicht auf das Schnabelkürzen in der Ökohaltung mache die Folgen des Federpickens noch dramatischer. Niedersachsens Agrarminister Meyer (Grüne) schloss sich dem an: „Wir brauchen Haltungssysteme, in denen Tiere unversehrt und unverstümmelt gehalten werden können.“ Das Abschneiden von Schnäbeln müsse beendet werden, sagte er.

Seit rund zehn Jahren könnten Verbraucher anhand eines aufgedruckten Codes erkennen, unter welchen Mindeststandards das Ei erzeugt wurde. Foodwatch bemängelt, dass der Code wenig über die genaue Herkunft und die Produktionsbedingungen verrät. Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass nach wie vor zu viele Käfigeier auf dem Markt sind. Die Studie zeigt zwar, dass Verbraucher trotz höherer Preise vermehrt zu Eiern aus Bodenhaltung (Code 2), Freilandhaltung (Code 1) oder Biohaltung (Code 0) greifen und Käfigeier (Code 3) im Handel kaum noch eine Rolle spielen. Dennoch stammte die Hälfte der in Deutschland im Jahr 2013 verzehrten Eier aus der Käfighaltung. Sie werden vor allem in Fertigprodukten verarbeitet.

n Schlimmer Verdacht: Ein bayerischer Eierproduzent steht im Verdacht, einen europaweiten Salmonellen-Ausbruch mit zwei Toten und Hunderten Erkrankten verursacht zu haben. Die Staatsanwaltschaft Regensburg prüft nach eigenen Angaben, ob die Firma Bayern-Ei im vergangenen Jahr „gefährliche Lebensmittel in den Verkehr gebracht hat“.

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