Ernährung und Krebs

Ein Biss-chen Gesundheit

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Hannover - Mit der Auswahl unseres Essens können wir unser Krebsrisiko steigern oder senken. Das zeigen neue wissenschaftliche Erkenntnisse.

Falsches Essen könnte zur Krebsursache Nummer eins werden – noch vor dem Tabakrauch. Anlässlich des Weltkrebstages am 4. Februar warnt das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg vor der Zeitbombe Fehlernährung. „Wir haben immer mehr Hinweise dafür, dass unser westlicher Lebensstil mit Überernährung, Übergewicht und Stoffwechselstörungen zu einer erheblichen Zunahme von Krebserkrankungen führt“, sagt der DKFZ-Vorstandsvorsitzende Otmar Wiestler.

Jedes Jahr erkranken zwölf Millionen Menschen an Krebs, acht Millionen sterben daran. Laut Prof. Claus Leitzmann vom Institut für Ernährungswissenschaften der Universität Gießen ließen sich zwei bis drei Millionen dieser Todesfälle vermeiden – durch einen gesünderen Lebensstil mit ausgewogener Ernährung, aber auch ausreichend Bewegung. Das betonte Leitzmann Ende 2013 auf einer Fachtagung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) in Hannover.

Bisher gilt Rauchen noch als Krebsursache Nummer eins. Doch die Zahl der Raucher nimmt seit Jahren ab, gleichzeitig gibt es immer mehr Übergewichtige. So zählt die Weltgesundheitsorganisation WHO aktuell 1,4  Milliarden übergewichtige Erwachsene, von denen ein Drittel als fettleibig gilt. Krebsforscher fürchten, dass Fehlernährung das Rauchen als Krebsursache künftig überholt. Vor allem für Krebserkrankungen im Magen-Darm-Bereich sei der Zusammenhang mit der Ernährung klar belegt, betont Wiestler. „Aber auch für Brustkrebs, Prostata- und Bauchspeicheldrüsenkrebs scheint das so zu sein.“

Bereits im Jahr 1981 kamen die US-Forscher Richard Doll und Richard Peto in ihrer Studie zu den Ursachen von Krebs zu dem Schluss, dass der Tabakkonsum mit rund 30 Prozent Anteil zwar als größter Risikofaktor für Krebs gelten kann, es aber wahrscheinlich ist, dass einige Ernährungsfaktoren einen ähnlich großen Einfluss auf das Erkrankungsrisiko haben. Inzwischen konnten Ernährungswissenschaftler diese Annahme durch weitere Untersuchungen bestätigen.

Das belegt insbesondere der Bericht des internationalen World Cancer Research Fund (WCRF), dem auch Leitzmann als deutscher Berater angehört. Das Expertengremium wertet seit 2007 fortlaufend die wissenschaftlichen Publikationen zu den Ursachen von Krebs aus. Das Ergebnis: Tabakrauch ist weiterhin für 30 Prozent der Krebsfälle verantwortlich. Die Ernährung inklusive des Alkoholkonsums hat jedoch mit ebenfalls 30 Prozent gleichgezogen. Bewegungsarmut und Fettleibigkeit sind für weitere zehn Prozent der Krebsfälle verantwortlich, mit ebenfalls je zehn Prozent sind Infektionen, Umweltfaktoren und genetische Veranlagung vertreten.

„Krebs ist eine Geißel der Menschheit und eine Riesenbelastung für die Betroffenen“, sagt Leitzmann. „Aber Krebs ist weitgehend vermeidbar.“ Dabei hat das WCRF-Gremium acht Kernpunkte identifiziert, die über das Krebsrisiko entscheiden: Der Körperfettanteil, die körperliche Aktivität, der Konsum energiedichter Lebensmittel wie Fast Food, der Anteil pflanzlicher Lebensmittel und der Anteil tierischer und mit Salz konservierter Lebensmittel an der Ernährung, der Alkoholkonsum und die Einnahme von Vitaminpillen und ähnlichen Nährstoffersatzpräparaten.

„Ein normales Körpergewicht trägt zur Verminderung des Krebsrisikos bei“, sagt Leitzmann etwa. Das gelte vor allem für Darm-, Pankreas- und Nierenkrebs. Bei Fettleibigen fänden sich mehr unterschwellige Entzündungen, eine herabgesetzte Insulinsensitivität sowie eine höhere Östrogenkonzentration – alles Faktoren, die möglicherweise das Wachstum von Tumoren fördern. Körperliche Aktivität dagegen senkt das Krebsrisiko. Das sei für Darm-, Brust- und Gebärmutterschleimhautkrebs bewiesen, sagt Leitzmann. Mindestens 30 Minuten, besser noch 60 Minuten moderate körperliche Aktivität pro Tag könnten das Körpergewicht verringern, das Immunsystem stärken und die Verdauung anregen.

Lebensmittel mit einem hohen Fett- und Zuckeranteil können laut dem WCRF-Bericht das Risiko etwa für Darmkrebs ebenso erhöhen wie ein hoher Anteil tierischer Lebensmittel. Vor allem rotes, gepökeltes und geräuchertes Fleisch sind wegen dem hohen Eisengehalt, aber auch Substanzen wie Polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen, die beim Braten und Grillen entstehen, in Verruf geraten.

Einem weiteren Verdacht geht derzeit der Virologe und Nobelpreisträger Harald zur Hausen nach. Er erforscht, wie rotes Fleisch, Infektionen und Darmkrebs zusammenhängen. Laut zur Hausen erhöht der langfristige Verzehr von rotem Fleisch das Risiko für Dickdarmkrebs um 20 bis 30 Prozent. Der Forscher geht der Vermutung nach, dass bei der Krebsentstehung Rinderviren eine Rolle spielen könnten, die der Mensch mit rohem oder schlecht durchgebratenem Fleisch zu sich nimmt. „Ob sie allerdings beim Menschen zu Infektionen führen, könne wir noch nicht klar sagen“, sagt er.

(mit: dpa)

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