Kabinett tagt in Max-Planck-Institut

Ein Blick in die Nobelpreis-Schmiede

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Göttingen - Am Dienstag tagte des niedersächsische Kabinett in den Räumen des Max-Planck-Instituts für biophysikalische Chemie in Göttingen. Stefan Hell, Nobelpreisträger für Chemie, gab den Gästen einen Einblick in sein Gebiet der ultrahochauflösenden Mikroskopie.

Stefan Hell ist nicht nur ein herausragender Physiker. Der Nobelpreisträger kann auch fesselnd erzählen und gut erklären, woran er forscht. Am Dienstag hatte er ein spezielles Publikum: Das niedersächsische Kabinett tagte in den Räumen des Max-Planck-Instituts für biophysikalische Chemie in Göttingen. Anschließend informierten sich die Regierungsmitglieder über die Forschungen des Physikers, der im vergangenen Jahr den Nobelpreis für Chemie für seine Arbeiten auf dem Gebiet der ultrahochauflösenden Mikroskopie erhalten hatte.

Zuvor hatte Hell in seinem 20-minütigen Vortrag über seinen Werdegang und die vielen Hürden berichtet, an denen seine wissenschaftliche Karriere fast gescheitert wäre. Dass er seine Idee realisieren konnte, die Auflösungsgrenze der herkömmlichen Lichtmikroskopie mit einem neuen Konzept zu unterlaufen, hat er vor allem dem Göttinger Max-Planck-Institut zu verdanken. „Dort geht es immer um Köpfe“, sagte er.

Dass es sich lohnt, „Neugier getriebene Forschung zu betreiben“, machte Hell unter anderem anhand eines Fotos deutlich, das einiges Raunen hervorrief: Beim Dinner nach der Nobelpreis-Verleihung war er Tischnachbar der schwedischen Prinzessin Madeleine. Auch wenn er damit für einige Lacher sorgte, stellte Hell klar, dass es ihm um ein ernsthaftes Anliegen geht. Forschung, so sein Credo, sei wichtig und habe auch wirtschaftliche Bedeutung: „Wenn jemand etwas entdeckt, was wichtig ist, führt es auch über kurz oder lang zu wirtschaftlich relevanten Anwendungen.“

Seine Erfindung ist dafür das beste Beispiel. Mehrere Postdoktoranden haben eine Firma gegründet, die ultrahochauflösende Lichtmikroskope herstellt und vermarktet. Das in unmittelbarer Nähe des Göttinger Instituts angesiedelte Unternehmen schreibt nicht nur schwarze Zahlen, sondern wächst auch kräftig. Innerhalb der ersten beiden Monate dieses Jahres habe man bereits den Umsatz des Vorjahres erzielt, sagte Hell. Der Nobelpreisträger legte ein Bekenntnis zum Standort Göttingen ab: „Mir geht es darum, hier in der Region Arbeitsplätze zu schaffen und den Menschen eine Zukunft zu geben.“ Auch das beeindruckte die Kabinettsmitglieder.

Heidi Niemann

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