Kult-Auto

Der Borgward regiert im Käfer-Land

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Der Borgward genießt Kult-Status: Volker Wischnewski betreibt in Bruchhausen-Vilsen eine Werkstatt für den längst ausgestorbenen Oldtimer aus Bremen.

Bruchhausen-Vilsen - Rot-weiß leuchtende Zapfsäulen funkeln in der Mittagssonne. Historische Werbetafeln zieren die Außenfassade der 1938 errichteten Tankstelle. Aus der Werkstatt hört man aus einem Radio Elvis Presley singen, vor einer der Zapfsäulen parkt eine Borgward-Isabella. In Bruchhausen-Vilsen (Kreis Diepholz) scheint die Zeit Ende der fünfziger Jahre stehen geblieben zu sein.

Volker Wischnewski betreibt die einzige noch existierende Borgward-Markenwerkstatt, obwohl der Bremer Automobilhersteller 1961 Konkurs ging. Nur 2000 Fahrzeuge des Autobauers Carl F. W. Borgward gibt es weltweit noch, Wischnewski hat sich auf die Reparatur der Oldtimer spezialisiert und so sein Hobby zum Beruf gemacht. Gemeinsam mit Vater Wolfgang Wischnewski schraubt er täglich an den Autos.

Sie haben gut zu tun. Kaum ist der lange Winter vorbei, melden sich die Borgward-Liebhaber bei den Wischnewskis. Inspektion, Hauptuntersuchung und kleinere Wartungsarbeiten sowie langwierige Tüfteleien stehen an. „Wir leben von Mund zu Mund Referenzen“, erzählt Volker Wischnewski. Eine Homepage braucht er nicht. Die Borgward-Fangemeinde kennt ihn und er kennt die Borgward-Fangemeinde. Sein fester Kundenstamm ist zwar überwiegend in Norddeutschland ansässig, er hat aber sogar Kunden aus Belgien, den USA und Australien.

Seine Liebe zu den Fahrzeugen aus dem Hause Borgward bekam Volker Wischnewski quasi in die Wiege gelegt. „In meiner Jugend waren es Autos für arme Leute“, erzählt der 41-Jährige. Als er in Kindestagen von seiner Mutter in einem Borgward zur Grundschule gebracht wurde, fuhren die meisten anderen Eltern ihre Sprösslinge längst mit einem Polo, Golf der Mercedes vor. „Kinder können grausam sein“, erinnert er sich. Des öfteren wurde er von seinen Mitschülern wegen des alten Autos aufgezogen. Seiner Liebe zu den heutigen Kult-Fahrzeugen tat dies aber keinen Abbruch. Sein Vater betrieb damals eine Werkstatt in Achim (Kreis Verden). „Die Region zwischen Bruchhausen-Vilsen und Bremen war kein Käfer-Land“, erzählt Wolfgang Wischnewski.

Und auch Sohn Volker begann früh mit dem Schrauben. Mit 17 machte er einen Lloyd Alexander TS fahrtüchtig und fuhr später damit täglich zur Karosseriebauer-Ausbildung nach Bremen. Im Anschluss absolvierte er in Achim eine zweite Ausbildung zum KFZ-Mechaniker und setzte danach noch den KFZ-Meister drauf. 1999 machte sich Volker Wischnewski in Bruchhausen-Vilsen selbstständig und eröffnete die Werkstatt in der alten Tankstelle, die sich seit 1970 in Familienbesitz befindet. Die Borgward-Fans kamen aus alter Verbundenheit zu seinem Vater weiterhin.

Mittlerweile hat selbst ihr Werkstatt Kult-Status. „Der äußere Anstrich lädt ein zur Fotosafari“, sagt Volker Wischnewski. An den beiden knallrot-weißen Gasolin-Tanksäulen konnten Autofahrer früher Diesel tanken, heute dienen sie einzig der Dekoration. Immer wieder kommen Oldtimer-Fans zu Wischnewski und erkundigen sich, ob einer der alten Wagen zu kaufen sei. Doch ist dies nicht möglich. „Wenn die Leute zufrieden sind, verkaufen sie nicht“, sagt Volker Wischnewski. Er selbst hat mehrere Borgward-Fahrzeuge in seinem Besitz. Nur im täglichen Gebrauch geht er fremd: Wischnewski fährt einen alten, klapprigen Ford.

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