Anklage erhoben

Boston-Bomber sollen weitere Anschläge vorbereitet haben

+
Foto: Der Anschlag während des Bostoner Marathons sollte nicht der letzte bleiben, so die amerikanischen Behörden.

Boston/Washington - Das Bundesgericht hat Anklage gegen Dschochar Zarnajew erhoben. Der 19-Jährige soll zusammen mit seinem Bruder Tamerlan Zarnajew noch weitere Anschläge geplant haben, da sind sich die amerikanischen Behörden sicher. Früher als erwartet war der Bombenleger am Montag auf der Intensivstation verhört worden.

Die mutmaßlichen Attentäter von Boston planten offenbar weitere Anschläge in den USA. Zu dieser Einschätzung kommt Bostons Polizeichef Edward Davis am Montag in einer ersten Einschätzung. Unmittelbar nach dem Angriff auf den traditionsreichen Marathon vor einer Woche hätten die Brüder Tamerlan und Dschochar Zarnajew weitere Sprengsätze gebaut. Sie hätten mehrere dieser Mini-Bomben bei der Verfolgungsjagd in der Nacht zum Freitag geworfen, sagte Davis gegenüber dem Sender CBS.

Nach der Festnahme des Flüchtigen seien insgesamt vier Sprengsätze entdeckt worden. Zumindest eine selbstgebastelte Bombe ähnele dem Sprengsatz, der direkt an der Marathon-Strecke explodierte. Deval Patrick, Gouverneur von Massachusetts, rief die Bevölkerung des Bundesstaates zu einer Gedenkminute am Montag um 14.50 Uhr (Ortszeit) auf - genau eine Woche nach dem Anschlag in Boston. Unter dem Glockengeläut der Kirchen sollte das gesamte öffentliche Leben in diesem Moment ruhen.

Kein „feindlicher Kämpfer“

Früher als erwartet beginnt offenbar die Vernehmung des schwerverletzten Dschochar Zarnajew auf der Intensivstation des "Beth Israel Deaconess"-Krankenhauses. Wegen einer schweren Schusswunde am Rachen könne er zwar nicht sprechen, heißt es in Ermittlerkreisen, allerdings zeige er Bereitschaft, schriftlich auf Fragen zu antworten. An den Vernehmungen am Krankenbett sind zurzeit Mitarbeiter der Bundespolizei FBI, des Geheimdienstes CIA und des Justizministeriums beteiligt.

Jay Carney, Sprecher des Weißen Hauses, sagte am Montag, dass Zarnajew nicht als sogenannter feindlicher Kämpfer angeklagt werde, wie es einige Senatoren in Washington am Wochenende gefordert hatten, sondern vor einem Bundesgericht: "Wir werden diesen Terroristen durch unser ziviles Justizsystem bestrafen." Mehrere Bürgerrechtsgruppen hatten in den vergangenen zwei Tagen davor gewarnt, den jungen Mann vor ein Militärtribunal zu stellen, da er US-Staatsbürger ist und damit die gleichen Rechte wie seine Landsleute besitze - auch wenn er erst im vergangenen Jahr eingebürgert worden sei.

Bruder aus muslimischer Gemeinde verwiesen

Unterdessen wurde bekannt, dass Tamerlan Zarnajew, der am Freitag auf der Flucht erschossen wurde, in den Kreisen der muslimischen Gemeinde in Boston kein Unbekannter war. Jusufi Wali, Sprecher der islamischen Gemeinde, erklärte vor örtlichen Medien am Montag, dass der ältere Bruder seit etwa einem Jahr hin und wieder die Moschee von Cambridge besucht habe und durch radikale Äußerungen aufgefallen sei.

So sei Zarnajew des Gotteshauses verwiesen worden, als er im Januar einen Prediger lautstark beschimpfte, der den Propheten Mohammed mit dem Friedensaktivisten Martin Luther King jr. verglichen hatte. Bereits im November soll er unangenehm aufgefallen sein, als er die Gemeindemitglieder beschimpfte, die traditionelle Feiertage wie "Thanksgiving" und den 4. Juli ebenso begehen wollten wie den Geburtstag des Propheten Mohammed.

von Stefan Koch

1635919

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare