Demografie-Beirat

Die Botschaft lautet: Frauen nach vorn!

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Die vier Themenfelder, auf die die Expertenrunde den Fokus legt: Schule, Frauenerwerbstätigkeit, Gesundheit und Bürokratie.

Hannover - Bis 2030 schrumpft Niedersachsen um fünf Prozent, das sind 400.000 Menschen. Der Anteil der Älteren wächst rapide, die Zahl der Schüler geht stark zurück. Ein Experten-Beirat sucht nun nach Antworten auf die Überalterung im Land.

Eine Wunschvorstellung hegt Armgard von Reden, Lehrbeauftragte an der Uni Hannover: Am 18. Februar 2030, heute in 16 Jahren, möge die HAZ titeln: „Die neue niedersächsische Ministerpräsidentin ist eine promovierte Informatikerin.“ Wenn das so käme, meint von Reden, sei man zwei wichtigen Zielen näher gekommen - mehr Frauen in Führungspositionen und mehr Frauen, die in den klassischen Männerberufen gut ausgebildet sind.

Die Wissenschaftlerin trägt ihre Vision vor 450 Zuhörern beim „ersten Demografiekongress“ der Landesregierung vor. Einmal jährlich will Ministerpräsident Stephan Weil künftig Wissenschaftler, Verbandsvertreter und Kommunalpolitiker zusammenholen, um neue Erkenntnisse zum „Schwerpunkt der Regierungsarbeit“ zusammenzutragen - den Reaktionen auf Bevölkerungsrückgang und Alterung in Niedersachsen. Bis 2030 schrumpft das Land um fünf Prozent, das sind 400.000 Menschen. Im Osten und Süden liegt der Rückgang teilweise bei 25 Prozent und mehr. Der Anteil der Älteren wächst rapide, die Zahl der Schüler geht stark zurück, und es wird immer schwieriger, für die Wirtschaft geeignete Fachkräfte zu finden.

Was also tun? Mehrere Probleme und mögliche Lösungen sind beim Kongress erörtert worden:

Bildung : Müssen nicht kleine Grundschulen geschlossen werden, weil sie auf Dauer nicht genug Schüler haben? Wie kann gleichzeitig ein flexibler Schulbusverkehr organisiert werden? Ein 35-köpfiger „Demografiebeirat“ aus Verbandsvertretern und Wissenschaftlern, der die Regierung beraten soll, soll sich im ersten Jahr zuerst mit Bildung und Mobilität befassen - also auch zu dieser Frage eine kluge Antwort entwickeln.

Frauenerwerbsarbeit : Schon 57 Prozent der Abiturienten sind weiblich, berichtet der Zukunftsforscher Matthias Horx. Die Elektrotechnik-Dozentin Armgard von Reden schildert aber, warum die so wichtigen Technikberufe bei Jugendlichen, vor allem jungen Frauen, derart unbeliebt sind: Spitzensportler, Manager und auch Polizist seien die bevorzugten Berufsziele. Das liege auch daran, dass in den Medien Vorbilder geprägt werden, etwa erfolgreiche „Tatort“-Kommissarinnen. „Auf TV-Serien mit intelligenten Informatikerinnen warte ich noch“, sagt von Reden. Sie sieht noch ein Problem: Laptops hätten bislang ein speziell für Männer entworfenes Design. Geräte für Frauen seien oft abschreckend rosa gestaltet. „Diese Farbe ist nicht gut, denn sie erschwert das Lesen“, meint die Dozentin.

Gesunderhaltung : „Jedes zweite Kind hat heute die Chance, 100 Jahre alt zu werden“, sagt der Oldenburger Altersforscher Jürgen M. Bauer. 13 000 Menschen, die 100 und älter sind, gibt es in Deutschland derzeit schon. Was aber ist zu tun? Ob in einer schrumpfenden Gesellschaft noch so viele kleine Krankenhäuser wie heute bestehen, ist fraglich. Mobile Arztpraxen seien eher die Zukunft. Bauer rät zu Strategien, wie man möglichst lange gesund bleiben kann. Vor allem gehe es um mehr Bewegung. Weil aber die Computerarbeitsplätze von heute zum Stillsitzen verleiten, seien die 60-Jährigen von heute in einem schlechteren Trainingszustand als die 60-Jährigen von vor zehn Jahren.

Bürokratie : Der Hauptgeschäftsführer des Städtetags, Heiger Scholz, glaubt nicht daran, dass in 15 Jahren noch mehr als 400 Gemeinden und 38 Landkreise mit hauptamtlichen Verwaltungen bestehen können. Es werde weniger und größere kommunale Einheiten geben, die mehr Aufgaben vom Land übernehmen können - und die dank moderner Technik flexibler reagieren können. Die Verwaltung müsse auch „mobiler“ sein und etwa den Antrag auf einen neuen Ausweis beim Bürger direkt abholen.

Der neue 35-köpfige Demografie-Beirat, der die Landesregierung beraten soll, wird von einem Kommunalexperten geleitet: Axel Priebs, oberster Regionalplaner der Region Hannover.

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