Ersatzfahrplan trotz Streik-Ende

Brandanschläge stören Zugverkehr im Norden

+
Bahnreisende müssen sich bis Montag auf Behinderungen einstellen.

Bremen - Kein guter Tag für Bahnreisende: Der Streik ist zwar seit 18 Uhr vorbei, doch mehrere Brandanschläge führen zu Behinderungen im Zugverkehr. Im Norden gilt deshalb auch am Sonntag der Ersatzfahrplan. Mittlerweile bekannte sich eine linke Gruppe zu dem Anschlag.

Verschmorte Kabel, ausgefallene Stellwerke und kein Funkverkehr: Neben demBahnstreik – der seit 18 Uhr beendet ist – haben auch mehrere Brandanschläge den Zugverkehr am Samstag in Norddeutschland behindert. In Bremen, Niedersachsen und Brandenburg legten Unbekannte in Kabelschächten entlang der Gleise Feuer. Die Polizei prüft inzwischen ein Bekennerschreiben, das auf einer Internetseite der linken Szene veröffentlicht wurde. Reisende im Norden müssen bis Sonntagabend mit Zugausfällen und Verspätungen rechnen.

In Bremen entfernten die Täter am Samstagmorgen an zehn Stellen die etwa 15 Kilo schweren Betonplatten von den Kabelschächten. Danach legten sie Feuer. Im niedersächsischen Bad Bevensen setzten die Unbekannten fast zur gleichen Zeit zwei Kabelschächte in Brand. Auch in Karstädt bei Wittenberge in Brandenburg gab es einen Anschlag.

Service

Reiseauskunft der Bahn

Ersatzfahrplan für den Fernverkehr

Diese Rechte haben Bahnkunden

Im Internet erklärten „Autonome Gruppen“, dass sie mit der Sabotage an den Tod eines Franzosen bei einem Castortransport aus dem französischen La Hague ins Atommüll-Zwischenlager Gorleben vor zehn Jahren erinnern wollten. In der Vergangenheit hatte es immer wieder Anschläge auf die Bahn gegeben, zuletzt im August in Berlin. Der Staatsschutz ermittelt jetzt in Bremen, Niedersachsen und Brandenburg. Beamte sicherten Spuren an den Tatorten.

Wegen der Feuer fielen die Stellwerke in Hamburg, Kiel und Lübeck, die Signalanlagen sowie der Funkverkehr zu den Zügen für mehrere Stunden aus. Die Lokführer mussten langsamer fahren und sich über Handy verständigen. „Die Auswirkungen sind erheblich“, sagte eine Bahnsprecherin. Deshalb werden auch nach dem Ende des Streiks der Lokführergewerkschaft GDL am Samstagabend weiterhin Züge in Hamburg, Bremen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein ausfallen. „Wir gehen davon aus, dass am Montag alles wieder weitgehend normal läuft“, sagte die Sprecherin. Techniker arbeiteten bereits daran, die defekten Kabel zu reparieren.

Wie die Täter die Anschläge verübt haben, konnten die Ermittler in Bremen und Niedersachsen noch nicht sagen. In Brandenburg verwendeten sie Brandbeschleuniger, um die Kabel anzuzünden. Als ein Techniker der Bahn gegen 6.00 Uhr an der Brandstelle eingetroffen sei, seien die Flammen schon aus gewesen, sagte ein Sprecher der Bundespolizei in Berlin. Die Folgen für die Reisenden rund um Wittenberge hielten sich in Grenzen: Die Züge mussten an der Stelle langsamer fahren, weil die elektronische Geschwindigkeitskontrolle nicht mehr funktionierte.

Verkehr rollt erst Montag wieder nach Plan

Fahrgäste der Bahn müssen sich auch bundesweit nach dem Streik weiter auf Zugausfälle und Verspätungen einstellen. Im Fernverkehr will das Unternehmen am Sonntag zumindest auf den Hauptstrecken wieder 60 Prozent des üblichen Angebots erreichen,wie die Bahn mitteilte. Vor allem am Sonntagnachmittag ist deshalb wegen der Wochenendpendler mit sehr vollen Zügen zu rechnen. Im Nahverkehr sollen am Sonntag bundesweit wieder zwei Drittel der Züge fahren. Am Montagmorgen will die Bahn dann wieder komplett nach dem Normalfahrplan fahren. Der Streik der Lokführer hatte im Personenverkehr am Donnerstag begonnen und sollte am Samstagabend zu Ende gehen.

Ursprünglich wollten die Lokführer bis Montagfrüh streiken. Doch am Freitag kündigte GDL-Chef Claus Weselsky überraschend eine "Versöhnungsgeste" in Form eines früheren Streikendes an. Zuvor hatte das Landesarbeitsgericht Hessen den Ausstand der Lokführer in letzter Instanz für rechtmäßig erklärt.

Infos für Bahnkunden

Reiseauskunft der Bahn

Ersatzfahrplan für den Fernverkehr

Diese Rechte haben Bahnkunden

dpa/frs

4924469

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare