Axel Hartmann

Von Bratislava nach Bad Sachsa

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Der erste Arbeitstag beginnt für Axel Hartmann mit einem Rundgang durchs Rathaus.

Bad Sachsa - Der ehemalige Diplomat Axel Hartmann ist neuer Bürgermeister im Südharz. Der neue Bürgermeister kann auf eine bewegte politische und diplomatische Karriere zurückblicken.

„Ich bin wohl ein Unikat“, sagt Axel Hartmann. Er sei der erste Diplomat, der nach der Pensionierung Bürgermeister geworden ist. Seit dem 1. November ist der 66-Jährige Stadtoberhaupt von Bad Sachsa (Kreis Osterode) - es ist eine weitere Station im bewegten politischen Leben des Juristen. „Ich habe mich einfach gelangweilt“, sagt er und lacht. Nun packt er im Harz mit an.

Der neue Bürgermeister kann auf eine bewegte politische und diplomatische Karriere zurückblicken. Als Konsul an der deutschen Botschaft in Budapest verhalf er Anfang der achtziger Jahre zahlreichen DDR-Bürgern zur Ausreise, er war bei der Nato in Brüssel und hatte leitende Funktionen im Bundeskanzleramt und im Freistaat Thüringen.

Zuletzt war er Botschafter in der Slowakei. Eigentlich hatte der 66-Jährige nach seiner Pensionierung im vergangenen Jahr in Bratislava bleiben wollen. Dann erreichte ihn eine Anfrage aus der Heimat: Die CDU suchte einen Kandidaten für die Bürgermeisterwahl in Bad Sachsa. Der Ex-Diplomat ließ sich nicht lange bitten, machte Wahlkampf in der Provinz und gewann haushoch. Seit dem 1. November ist er nun Bürgermeister einer 7500-Einwohner-Stadt im Südharz.

Dass er auf Anhieb fast 72 Prozent der Stimmen holte und seine Vorgängerin Helene Hofmann (SPD) nach 18 Jahren aus dem Amt fegte, sei für viele eine Überraschung gewesen. „Das hat uns alle fast umgehauen.“ Er habe einen intensiven Wahlkampf gemacht, mit vielen Bürgern und Geschäftsleuten gesprochen und eine große Party veranstaltet, bei der slowakisches Gulasch aufgetischt wurde.

Hartmann ist der Slowakei nicht nur kulinarisch eng verbunden - seine Lebensgefährtin stammt von dort. Was hat ihn daran gereizt, aus Bratislava nach Bad Sachsa zu ziehen und sich als Ruheständler in die Kommunalpolitik zu begeben? „Ich bin fit, habe viele Erfahrungen gesammelt und denke, dass ich diese in meiner Heimatstadt anwenden kann.“ Er wolle dabei vor allem seine Kontakte zur Wirtschaft nutzen. Als Botschafter habe er viel mit den mehr als 400 deutschen Firmen zu tun gehabt, die in der Slowakei ansässig seien.

Hartmann war 1967 aus Bad Sachsa weggezogen. Ganz abgebrochen sei der Kontakt aber nie. Er habe regelmäßig seine Eltern besucht, sagt Hartmann, und sei Mitglied im Schützenverein geblieben. Jetzt kehrt er in eine Stadt zurück, deren wirtschaftliche Lage nicht rosig ist. „Es gibt einen eklatanten Mangel an Kaufkraft“, sagt Hartmann. Inzwischen stehe fast jeder zweite Laden in der Innenstadt leer. In den sechziger Jahren habe man in Bad Sachsa einen Grundsatzbeschluss gefasst, dass keine Industrie angesiedelt werden sollte, um den Kurbetrieb nicht zu beeinträchtigen. Als Mitte der Neunziger die Fördermittel für Kuren gestrichen wurden, habe dies auch Bad Sachsa hart getroffen. Von diesem Schlag habe sich die Stadt nicht erholt. Der neue Bürgermeister hat sich vor allem zwei Dinge vorgenommen: Er will die Ansiedlung von Firmen vorantreiben und den Tourismus ankurbeln. „Wir haben ein Heilklima und eine wunderbare Natur.“

An seinem ersten Arbeitstag am heutigen Montag will er sich bei einem Rundgang durch das Rathaus allen Mitarbeitern vorstellen. Am Dienstag empfängt er Ministerpräsident Stephan Weil, der das Grenzlandmuseum Tettenborn besucht. Für Hartmann ist dies deshalb ein besonderer Termin, weil er ein Zeitzeuge der deutschen Einheit ist. Anfang der achtziger Jahre hatte er DDR-Bürger, die sich in die deutsche Botschaft in Budapest geflüchtet hatten, mit Informationen über die Grenzanlagen zwischen Ungarn und Österreich versorgt und über Freikäufe von Ausreisewilligen verhandelt. Von 1989 bis 1991 erlebte er als stellvertretender Büroleiter von Kanzleramtschef Rudolf Seiters die Verhandlungen zur Wiedervereinigung aus nächster Nähe mit.

Von Heidi Niemann

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