Brechdurchfälle: Über 10.000 Menschen krank

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Ein Schild am Eingang zum André-Gymnasium in Chemnitz wies am 30.09.2012 darauf hin, dass Eltern und Schüler sich über den Fortgang des Schulbetriebes auf der Homepage der Schule informieren können. Das Gymnasium blieb am Freitag (28.09.2012) aufgrund zahlreicher Magen-Darm Erkrankungen von Schülern geschlossen.

Berlin - In Ostdeutschland sind inzwischen fast 10 300 Brechdurchfall-Patienten bekannt. Derweil hat sich der Verdacht gegen den Zulieferer Sodexo erhärtet.

Das geht aus dem am Dienstag veröffentlichten Lagebericht des Robert Koch-Instituts (RKI) sowie Daten des sächsischen Gesundheitsministeriums und des Berliner Senats hervor. Die RKI-Experten gehen davon aus, dass die große Erkrankungswelle nun aber vorüber ist. „Das Geschehen hat sich in den letzten vier Tagen weiter beruhigt“, heißt es in dem Bericht. Die genaue Ursache ist auch fast eine Woche nach Ausbruch der Krankheitswelle noch nicht gefunden. Neben Noroviren stehen noch immer Gift bildende Bakterien im Visier der Ermittler.

Das Institut bestätigt einen Zusammenhang mit dem Essen in Schulen und Kitas. Im Verdacht steht das Essen aus Küchen des Groß-Caterers Sodexo aus Rüsselsheim (Hessen). Die verdächtigen Lebensmittel sollen von einem Zulieferer des Caterers kommen, wie Verbraucherschutzstaatssekretärin Sabine Toepfer-Kataw (CDU) am Dienstag in Berlin sagte. Um welche Lebensmittel es sich dabei handelte, sagte sie nicht.

Laut RKI spielen auch Noroviren eine zunehmende Rolle. Die Ergebnisse der vergangenen Tage würden verstärkt auf den Erreger deuten, hieß es. Allerdings sei dieser Verdacht noch nicht abschließend gesichert. Mögliche Auslöser seien auch Gift bildende Bakterien. Laut RKI ist es möglich, dass sich in einigen Regionen zwei Krankheitswellen überlagern. Noroviren treten verstärkt im Herbst auf. Allein in Sachsen sind diese Viren in 95 Fällen nachgewiesen worden. Das Bundesland ist nach aktuellen Zahlen mit rund 3400 Fällen am stärksten von der Massenerkrankung betroffen.

In Brandenburg sind bislang 3132 Erkrankungen bekannt, in Berlin 2732, in Thüringen 964 und in Sachsen-Anhalt 57. Betroffen sind vor allem Kinder und Jugendliche sowie Betreuer aus den Schulen und Kitas. In den fünf Bundesländern haben 416 Einrichtungen Kranke gemeldet.

Mitte vergangener Woche erreichte die Erkrankungswelle ihren Höhepunkt. Seit Freitag hat es laut RKI es vor allem Nachmeldungen von Krankheitsfällen gegeben. Die Krankheitsverläufe waren in den meisten Fällen kurz und unkompliziert. Mindestens 21 Patienten wurden in Krankenhäusern behandelt.

„Die beteiligten Behörden suchen weiter intensiv nach dem Erreger“, sagte die Sprecherin des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, Nina Banspach. Doch die Aufklärung der genauen Ursache können die Behörden nicht garantieren. In der Vergangenheit habe es auch schon Fälle von Erkrankungen durch Lebensmittel gegeben, die nicht aufgeklärt werden konnten, sagte Banspach.

Starker Verdacht gegen Caterer

Der Verdacht, dass die Ursache der massenhaften Brechdurchfälle bei einem Zulieferer der Catering-Firma Sodexo liegt, hat sich in der Zwischenzeit erhärtet. Unklar ist, welche Lebensmittel der Auslöser waren.

Ein Vergleich der Speisepläne habe in Berlin gezeigt, dass Lebensmittel von Zulieferern Auslöser gewesen sein müssen, sagte Verbraucherschutzstaatssekretärin Sabine Toepfer-Kataw (CDU) am Dienstag in Berlin. Um welche Lebensmittel es sich dabei handelte, sagte sie nicht.

Ob es auch in anderen Bundesländern ähnliche Untersuchungsergebnisse gab, konnte die Sprecherin des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) am frühen Dienstagnachmittag noch nicht sagen. Die Behörde leitet die Task Force, die die Ursachenermittlung koordinieren soll.

Ein Sprecher der Catering-Firma Sodexo hatte schon am Sonntag erklärt, dass es im Produktionsprozess keine Ungereimtheiten gebe und nun die Zulieferer überprüft würden. Schul- und Kita-Essen der Firma steht im Verdacht, tausende Magen-Darm-Erkrankungen ausgelöst zu haben. In Ostdeutschland sind mehr als 9400 Kinder und Jugendliche betroffen.

dpa

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