Partei sucht neue Führung

Bremer CDU-Chefin tritt zurück

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Foto: Bremens CDU-Chefin Rita Mohr-Lüllmann ist am Sonntag zurückgetreten. Nun sucht die Partei eine neue Führung.

Bremen - Paukenschlag in der Bremer CDU: Erst war von einem geplanten Misstrauensvotum gegen Parteichefin Mohr-Lüllmann die Rede, am Sonntag trat diese dann zurück. Jetzt brauchen die Christdemokraten an der Weser eine neue Parteiführung.

Zwei Führungskräfte und ihre Anhänger bekämpften sich bis aufs Messer - nicht wegen politischer Differenzen, sondern wegen persönlicher Abneigung, Karriere- und Machtgelüsten. Eine der beiden streckt jetzt die Waffen: Parteichefin Rita Mohr-Lüllmann (55), kurz RML genannt, hat ihr Amt verbittert niedergelegt.

Ein später Triumph für ihren Widersacher Thomas Röwekamp (46), den Vorsitzenden der Bürgerschaftsfraktion. Denn RML hatte ihn Ende 2011 von seinem Zusatzamt als Parteichef verdrängt. Mohr-Lüllmann und ihr aus Solidarität ebenfalls zurückgetretener Vize Hartmut Perschau fordern jetzt allerdings auch Röwekamps Abgang als Fraktionschef - für einen kompletten Neuanfang. Doch der gut bezahlte Fraktionschef denkt bisher nicht daran. Er will nur die nächste Vorstandswahl vorverlegen, lässt aber offen, ob er dann erneut kandidiert oder den Weg für einen Neustart in der Bürgerschaft freimacht.

Einst galten Röwekamp und Mohr-Lüllmann als Dream-Team. Jahrelang wirkte sie loyal als seine Stellvertreterin an der Partei- und der Fraktionsspitze. Er überließ ihr sogar die Spitzenkandidatur zur Bürgerschaftswahl 2011. Dabei stürzte die CDU allerdings ins Bodenlose: auf 20,4 Prozent - die Christdemokraten schnitten sogar schlechter als die Grünen ab.

Eigentlich hätte dafür die Spitzenkandidatin die Verantwortung tragen müssen. Aber viele Mitglieder sahen die Hauptschuld beim damaligen Partei- und Fraktionschef und dessen ruppigen Führungsstil. Röwekamp trotzte jedoch allen Rücktrittsforderungen - bis schließlich Mohr-Lüllmann gegen ihn antrat und eine Mitgliederbefragung um den Landesvorsitz knapp gewann.

Aber die Chefin eines Pharmazielabors fand nicht das richtige Rezept, um die unchristlich zerstrittene Partei nun endlich zu befrieden. Im Gegenteil: Sie verärgerte das Röwekamp-Lager, indem sie kürzlich im Alleingang verkündete, sie wolle 2013 für den Bundestag kandidieren. Dabei gab es doch schon einen Aspiranten aus dem Umfeld von Röwekamp: den mit harter Hand amtierenden Bremerhavener CDU-Kreisvorsitzenden Michael Teiser.

Das Fass zum Überlaufen brachte dann ein Plausch mit einer SPD-Politikerin. Dabei soll Mohr-Lüllmann über „kriminelle Machenschaften“ der Bremerhavener CDU geklagt haben. Sie selbst bestreitet das zwar, aber ihre Widersacher glaubten ihr nicht und forderten ihren Rücktritt. Als sich dann auch noch abzeichnete, dass der Landesvorstand mehrheitlich einen Sonderparteitag zu ihrer Abwahl einberufen würde, gab sie auf.

Als Nachfolger im Gespräch sind jetzt Vizechef Jörg Kastendiek und Ex-Bausenator Jens Eckhoff. Besser geeignet wäre wohl ein Familientherapeut.

Eckehard Stengel

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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