Nach umstrittener Predigt

Bremer Gemeinde verteidigt ihren Pastor

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Foto: Der Bremer Pastor Olaf Latzel hatte mit seiner umstrittenen Predigt einen Sturm der Entrüstung ausgelöst.

Bremen - Darf man Buddha als "fetten, alten Herrn" bezeichnen und das islamische Zuckerfest als "Blödsinn"?Vor drei Wochen trat ein Bremer Pastor einen Sturm der Entrüstung los. Am Sonntag nun gab er sich versöhnlich. Viele in seiner Gemeinde verstehen die Aufregung nicht.

Die Bremer St. Martini-Gemeinde hat sich hinter ihren umstrittenen Pastor Olaf Latzel gestellt. Gleichzeitig entschuldigte sich der Gemeindevorstand in Teilen für dessen in die Kritik geratene Predigt. „Es war nicht seine Absicht, Menschen anderen Glaubens zu verunglimpfen“, erklärte Vorstandsmitglied Jürgen Fischer am Sonntag in einer Stellungnahme nach dem Gottesdienst. „Sollten einige seiner Formulierungen die religiösen Gefühle anderer verletzt haben, so tut uns dieses leid, und wir bitten auch im Namen von Pastor Latzel hierfür um Entschuldigung.“

Latzel hatte in einer Predigt vor drei Wochen das islamische Zuckerfest als „Blödsinn“, die Reliquien der katholischen Kirche als „Dreck“ und Buddha als „fetten, alten Herrn“ bezeichnet – und damit einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Im Gottesdienst am gestrigen Sonntag ging der Pfarrer auf die Vorwürfe gegen ihn nicht weiter ein, wiederholte seine umstrittenen Thesen aber auch nicht. Stattdessen dankte er seinen Unterstützern. „Die letzte Woche war für mich nicht vergnügungssteuerpflichtig“, sagte der Pfarrer.

Gemeindevorstandsmitglied Fischer betonte, es sei nicht darum gegangen, andere Religionen zu verhöhnen. Latzel habe vielmehr die sich ausbreitende Religionsvermischung kritisieren wollen. Auch der Gemeindevorstand sei der Ansicht, dass Christen und Muslime keine gemeinsamen Gottesdienste feiern könnten. „Dies bedeutet jedoch nicht, dass wir Menschen anderer Religionen nicht respektvoll begegnen.“Rund 500 Menschen – das sind deutlich mehr als normalerweise – folgten am Sonntag dem Gottesdienst in der St.Martini-Kirche.Auch Gläubige von außerhalb waren gekommen, um ihre Unterstützung für den Pfarrer zu zeigen. „Wir hoffen, dass er weiter predigen darf“, sagte ein Ehepaar aus dem Kreis Rotenburg. Ein junge Frau, die gemeinsam mit ihren zwei kleinen Kindern den Gottesdienst regelmäßig besucht, meinte: „Ich verstehe die Aufregung überhaupt nicht. Er hat nur die Wahrheit gesagt.“ Gemeindemitglied Manfred Paudke sagte, Latzels Formulierungen seien zwar etwas scharf, er sei aber ein guter Pastor. „Er macht einen wunderbaren Gottesdienst.“

Die evangelische Landeskirche hatte Latzels Predigt heftig kritisiert, kann aber wenig dagegen unternehmen. In Bremen genießen die 61 Gemeinden Glaubensfreiheit. Da Latzel als Pastor Beamter ist, erwägt die Kirche jedoch disziplinarrechtliche Schritte gegen ihn. Auch bei der Staatsanwaltschaft liegt der Text des Pfarrers auf dem Tisch.

Von Irena Güttel

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