Robogol 2014

Bremer Roboter triumphieren in der Türkei

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Foto: Die Roboter aus Bremen (rechts) beweisen in Istanbul deutlich mehr Spielintelligenz als ihre Gegner aus der Türkei.

Istanbul - Bei der WMin Brasilien demontierte die deutsche National-Elf die Gastgeber mit sieben zu eins. Nun übertrifft ein Team aus Bremen diese Bilanz bei einem Match in Istanbul sogar – mit Robotern.

Die Beziehungen sind eng zwischen der Türkei und Deutschland, bei Fußballspielen zwischen beiden Länder kochen die Emotionen aber schon mal hoch. Vor dem Match Bremen gegen Istanbul am Samstag in der türkischen Millionenstadt sagt ein deutscher Diplomat, er hoffe, den Gastgebern bleibe ein Gesichtsverlust wie bei der WM in Brasilien erspart. Im Sommer erledigte die deutsche National-Elf die Brasilianer sieben zu eins. Der Diplomat kann nicht ahnen, dass es diesmal noch dramatischer kommen wird.

Allerdings spielen am Samstag nicht Menschen, sondern Roboter: Beim „Robogol 2014“ treten das Team „B-Human“ der Hansestadt gegen „Cerberus“ der Bogazici-Universität aus der Bosporus-Metropole an. Organisiert hat das die deutsche Botschaft zusammen mit dem Koc-Museum, wo das Spiel stattfindet, als Teil des deutsch-türkischen Wissenschaftsjahres. Die Bremer gehen als haushohe Favoriten ins Rennen.

Alle sechs deutschen Meisterschaften habe das Team gewonnen, sagt Informatik-Student Jonas Beenenga. Aus vier von sechs Weltmeisterschaften sei die Mannschaft siegreich hervorgegangen. Den Erfolg führt der 22-Jährige zum einen auf das Engagement des (menschlichen) Teams zurück, zum anderen auf die Programmierung der Roboter: „Wir haben ein ziemlich gutes Laufen entwickelt.“

Jeweils drei Roboter stehen einander gegenüber. Sie sind baugleich, der Schlüssel zum Erfolg ist also die Software. Einen Torwart und zwei Feldspieler gibt es. „Wer am nächsten am Ball ist, wird Stürmer“, sagt Beenenga. „Die Roboter erzählen sich über Wlan, ich denke, dass ich da und da bin.“

Die Roboter sind Hightech-Produkte. Die Universität bekommt sie laut Beenenga für 4000 Euro, normalerweise kosten sie 12.000 Euro - pro Stück. Die vier Kilogramm schweren Roboter, die etwa so groß wie ein Kleinkind sind, sehen knuffig aus. Ob Beenenga eine emotionale Beziehung zu den Maschinen fühlt? „Ein bisschen schon“, sagt er. „Irgendwie ist da schon etwas.“

Ihren Robotern haben die Bremer Namen gegeben, sie haben sich dabei an den Charakteren der Serie „The Big Bang Theory“ (Urknalltheorie) orientiert. Der Torwart mit der Eins auf dem Trikot heißt Alex, die Nummer Zwei Mrs. Wolowitz. Die Drei heißt Leonard, die Vier - ein Ersatzroboter ist als Auswechselspieler immer dabei - Sheldon. Die Roboter sind programmiert, aber nicht ferngesteuert. Was sie auf dem Spielfeld machen, darauf haben ihre menschlichen Programmierer keinen Einfluss mehr.

Das ist im Fall der Bremer kein Problem. Nach dem Anpfiff haben die Deutschen die erste Torchance, Leonard greift an, die türkischen Feldspieler stellen sich in den Weg und treten sich gegenseitig. Leonard fällt um, er richtet sich aber schnell wieder auf und schießt in der vierten Minute das erste Tor für Bremen. Danach fällt ein Tor nach dem nächsten für die Deutschen.

Der türkische Torwart wirkt orientierungslos. Sein deutsches Pendant hechtet sich dagegen in den Weg eines anrollenden Balles, wobei man sich hechten in Zeitlupe vorstellen muss. Die Roboter sind gemächlich unterwegs. Nach dem Hinspiel von zwei mal zehn Minuten steht es sieben zu null für die Bremer. Auch das Rückspiel gewinnen die Gäste - wieder mit sieben zu null. Champagnerkorken knallen dennoch nicht - die Bremer sind schließlich Wissenschaftler und keine Fußballtrainer.

dpa

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