Erfinder der Benjes-Hecke

Buchautor: „Kinder brauchen die wilde Ecke“

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„Zwischen Totholz quietscht das Leben“: Hein Benjes mit Benjes-Hecke in seinem Garten.

Hellwege - Er hat die verwilderte „Benjes-Hecke“ erfunden, schreibt Märchen und berät Schulen bei der Hofgestaltung. Ein Besuch bei Hein Benjes im Kreis Rotenburg.

Märchen und Hecken, meint Hein Benjes, haben manches gemeinsam: „Sie regen die Phantasie an und vermitteln Geborgenheit.“ Der 76-Jährige steht in seinem riesigen Garten in Hellwege (Kreis Rotenburg). Mit Märchen und Hecken hat sich der frühere Dorfschulrektor einen Namen gemacht: als preisgekrönter Erzähler, vor allem aber als Erfinder und Verbreiter der nach ihm benannten „Benjeshecke“ und dem, was an Spiel- und Lebensraum rundum dazugehört. Benjes und seine Beraterkollegen von der dafür gegründeten „Holunderschule“ haben schon mehr als tausend Schulhöfe im In- und Ausland naturnah gestaltet - die allermeisten in Niedersachsen. Und immer gehörte die „Benjeshecke“ dazu. Zusammen mit einem seiner sieben Brüder hat Hein die Hecke vor drei Jahrzehnten für den Hof eines Freundes erfunden. Das Prinzip: Gestrüpp wird so aufgeschichtet, dass sich aus dazwischen gesetzten Samen und Wurzeln Büsche entwickeln, vor Wind und Wild geschützt. Von Biohöfen ist die Naturhecke kaum noch wegzudenken, auch bei Jägern ist sie beliebt; Hasen und Rebhühner finden dort Unterschlupf. „Zwischen Totholz quietscht das Leben“, sagt Hein Benjes.

Schon als kleiner Junge ist Hein, wie der Pensionär mit den wachen kleinen Augen sich gestenreich erinnert, am liebsten „in Hecken herumgestromert“. Das Gefühl von Schutz und gleichzeitig Freiheit sei ihm für immer „unter die Haut gegangen“. Nach der Schule wurde er für einige Jahre Gärtner, bevor er die Lehrerlaufbahn einschlug. Als junger Pädagoge in Hellwege und Sottrum entdeckte Benjes den Spaß am Erzählen und ermutigte auch die Kinder, selbst erdachte Geschichten frei heraus aufzuschreiben. Der Schulleiter, ehrenamtlich im Naturschutzbund Nabu aktiv, brachte ihnen Vogelstimmen bei und sah stets zu, das die Kleinen viel „Spielraum“ hatten. Auf Wiesen voller Grünzeug durften sie herumtoben und Buden bauen. Vorgefertigte Klettergerüste und Rutschen waren dem Naturfreund immer ein Graus.

So entstand vor nunmehr fast 20 Jahren aus anfänglicher Nachbarschaftshilfe das Projekt „Holunderschule“ mit zehn Mitarbeitern. Ziel ist es, graue Pausenhöfe in grüne Oasen zu verwandeln. Auf solchen mit Hilfe von Eltern und Sponsoren phantasiereich gestalteten Außengeländen, neuerdings auch an immer mehr Kindertagesstätten, geht es durchaus nicht chaotisch zu. Gepflegte Wiesen und Wege gehören dazu, und Ängsten von Lehrern, Eltern und Hausmeistern vor allzu viel Schmutz in den Gebäuden wird mit großen Abtretern und Schuhbürsten begegnet. Eins aber lassen sich die Berater von der „Holunderschule“ bei ihren Begehungen und Workshops nicht ausreden: die „wilde Ecke“. Immer wieder habe sich gezeigt, dass Kinder, die zwischen Büschen und herumliegenden Steinen ungestört werkeln dürfen, ruhiger spielen und insgesamt gelassener werden.

Hein Benjes hat sich nebenbei als Autor unter anderem von „Geschichten aus dem alten Dorf“ und anderen Kinderbüchern betätigt. Er erzählt öffentlich Märchen und Geschichten, führt Gruppen durch die Natur, gibt Plattdeutschkurse und hält Diavorträge über Kinder und ihre „Königsseite“. Wo „wilde Ecken“ entstehen, meint er, können vom jungen Dichter über Baumeister und Biologen bis zum Träumer alle ihre Begabung entfalten. Landauf, landab bestätigen Schulleiter, dass der Umbau der Pausenhöfe den Schulalltag ändert: Begeisterung wächst, Vandalismus und Unfälle nehmen ab.

Den Chefsessel der „Holunderschule“ hat er mittlerweile geräumt. Sie wird jetzt von Thomas Benjes geführt - einem von sieben Kindern.

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