Wahlkreises Sarstedt/Bad Salzdetfurth

CDU-Kandidat Heinemann: Wählt mich bitte nicht!

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Foto: „Ich werde das Mandat nicht annehmen“: Jens Heinemann tritt schon vorher zurück.

Hildesheim - Das kommt ganz selten vor und ist für die CDU höchst ärgerlich: Der Direktkandidat des Wahlkreises Sarstedt/Bad Salzdetfurth, Jens Heinemann, will nach der Wahl gar nicht mehr in den Landtag.

„Heute habe ich Herrn Landrat Reiner Wegner und Herrn Olaf Levonen als Kreiswahlleiter schriftlich mitgeteilt, dass ich im Falle meiner Wahl in den Niedersächsischen Landtag am 20. Januar 2013 das Mandat nicht annehmen werde“, erklärte er am Donnerstag. Weil aber alle Fristen für die Nominierung abgelaufen sind, bleibt sein Name auf den Wahlzetteln. Die CDU wirbt also mit einem Bewerber, der vorher schon aufgegeben hat und auch gar nicht mehr den Wahlkampf starten wird.

Der 33-jährige Jens Heinemann, der sich bei der CDU-internen Urwahl gegen zwei Mitbewerber durchsetzte, hatte zunächst mit den Worten „Jens.ehrlich.gut“ für sich Stimmung gemacht. Dann aber wurde bekannt, dass er offenbar CDU-intern eine falsche Angabe über das Ende seines Arbeitsverhältnisses in einem Hildesheimer Reisebüro gemacht hatte. Nicht er hatte in einem Reisebüro gekündigt, wie Heinemann erklärte, sondern ihm war gekündigt worden. Parteiintern räumte der Politiker seinen Fehler ein und bat um Entschuldigung.

In der CDU war man auch geneigt, ihm zu verzeihen. Doch nun kam heraus, dass Heinemann offenbar auf seiner Internetseite eine falsche Angabe zu seinem beruflichen Werdegang vermerkt hatte. Er habe an der Buhmann-Schule in Hildesheim die Fachhochschulreife erworben, hieß es dort – jetzt stellte sich aber heraus, dass das gar nicht der Fall war. Die CDU-Gremien haben darüber seit Mittwoch intensiv beraten. Zentrale Figur war dabei der Hildesheimer CDU-Kreis- und Bezirksvorsitzende Eckart von Klaeden, im Hauptberuf Bundestagsabgeordnter und Staatsminister im Kanzleramt. Der Rückzug Heinemanns war dann die Folge dieser Krisengespräche der Union.

Freuen kann sich vor allem der direkte SPD-Gegenkandidat Markus Brinkmann. Seine Chancen, den bisher von Ursula Ernst (CDU) verteidigten Wahlkreis zu gewinnen, steigen enorm.

Pech für die CDU: Wäre der Fall Heinemann einige Wochen vorher geschehen, dann hätte die Partei die Nominierung noch einmal ändern und einen der zunächst unterlegenen Mitbewerber aufstellen können. Doch jetzt muss die Partei wohl oder übel mit Heinemann auf der Liste antreten.

Die Chronologie eines Schwindels 14. November 2012: Der neue CDU-Landtagskandidat Jens Heinemann stellt sich anlässlich der Jahresversammlung vor.

21. November 2012: Heinemann spricht in einer Rede vor der CDU-Versammlung von einer freiwilligen Kündigung bei seinem früheren Arbeitgeber, einem Reisebüro. Er wolle sich auf seine politische Karriere konzentrieren. Dabei wurde er aber fristlos entlassen - das hat seine Ex-Chefin verlauten lassen und fährt damit schwere Geschütze gegen den Politiker auf. Er habe nebenbei ein eigenes mobiles Reisebüro betrieben und daraufhin die fristlose Kündigung erhalten.

24. November 2012: Jens Heinemann taucht in der HAZ-Redaktion auf und entschuldigt sich: „Ich bedaure zutiefst, dass ich über das Ende meines Arbeitsverhältnisses unrichtige Angaben gemacht habe“, erklärt er sichtlich mitgenommen, „und ich entschuldige mich aufrichtig bei allen, die ich enttäuscht habe.“

26. November 2012: Heinemann bleibt weiterhin CDU-Landtagskandidat für den Wahlkreis 22. Dafür spricht sich die Mehrheit bei der gut zweistündigen CDU-Kreisvorstandssitzung in den Konferenzräumen der Halle 39 aus. Nach heißer Debatte stimmen 29 von 49 Teilnehmern bei vier Enthaltungen in geheimer Wahl für den Giesener. Sie gaben dem Mann, der ihnen nicht die Wahrheit gesagt hatte, eine zweite Chance.

3. Dezember 2012: Wie Heinemanns frühere Arbeitgeberin behauptet, liege bei der Staatsanwaltschaft Hildesheim eine Strafanzeige wegen Betruges gegen Heinemann vor. Sie hat ihre Ankündigung gegenüber dieser Zeitung also offenbar wahr gemacht hat.

8. Dezember 2012: Die öffentliche Diskussion um den Fall des Jens Heinemann erreicht eine neue Dimension. „Wer lügt, der muss auch die Konsequenzen tragen. Er hat keine zweite Chance verdient.“ Diese Meinung vertritt der Pfarrer Stefan Bringer öffentlich in einem Leserbrief an diese Zeitung, was in seiner Seelsorgeeinheit Algermissen/Harsum/Asel für viel Aufruhr sorgt. Die Landtagsabgeordnete Ursula Ernst (CDU) zeigt sich entsetzt: „Pfarrer Bringer verstößt gegen die Lehre der katholischen Kirche, die verzeihen und versöhnen in den Vordergrund stellt.“

13. Dezember 2012: Jens Heinemann stolpert erneut über Unwahrheiten: Auf seiner bereits gelöschten Webseite macht er falsche Angaben über seinen Schulabschluss. Er zieht die Konsequenz und wird die mögliche Wahl nicht annehmen.

Thomas Wedig/Klaus Wallbaum

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