Bundesweites Pilotprojekt

Celle besetzt Spitzenposten nach anonymisierter Bewerbung

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Name, Alter oder Herkunft spielen beim anonymisierten Bewerbungsverfahren keine Rolle.

Celle - Die Stadt Celle besetzt als erste Kommune bundesweit einen Geschäftsführerposten im anonymisierten Bewerbungsverfahren. Der neue Stadtwerke-Chef heißt nun Thomas Edathy.

Kein Name, kein Alter, keine Herkunft, keine Angabe zum Geschlecht: In einem anonymisierten Bewerbungsverfahren hat die Stadt Celle als bundesweit erste Kommune den Spitzenposten eines Stadtbetriebes besetzt. Der 48-jährige Thomas Edathy aus Langenhagen ist der neue Geschäftsführer der Stadtwerke. Der Bruder des SPD-Bundestagsabgeordneten Sebastian Edathy wurde am Mittwoch im Neuen Rathaus in Celle vorgestellt.

Die Stadt hat an dem Pilotprojekt „Anonymisierte Bewerbungsverfahren“ der Antidiskriminierungsstelle (ADS) des Bundes teilgenommen. „Der Begriff qualitätszentriertes Bewerbungsverfahren trifft es aber eigentlich besser“, sagte Celles Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende (SPD) und sprach damit das Hauptziel des Projektes an: Im Fokus soll ausschließlich die Qualifikation des Bewerbers stehen. Auf persönliche Informationen wie Foto, Alter oder Anschrift wird beim ersten Bewerbungsschreiben bewusst verzichtet. „Um von vornherein auszuschließen, dass es zu einer Benachteiligung kommt“, erklärte Christine Lüders, Leiterin der ADS. So soll verhindert werden, dass Personalverantwortliche etwa ältere Bewerber oder solche mit einem ausländisch klingenden Namen bereits in der ersten Runde aussortieren. Es geht also um eine objektive statt um eine emotionale Wahl.

Das Ergebnis des bundesweiten Pilotprojekts: 8550 eingesendete anonymisierte Bewerbungen, 1290 Einladungen zu Vorstellungsgesprächen und Tests, 246 besetzte Stellen sowie Ausbildungs- und Studienplätze. „Alle Bewerbergruppen hatten dabei die gleichen Chancen, zu einem Gespräch eingeladen zu werden“, schilderte Lüders den Effekt des Verfahrens. Davon profitieren vor allem Menschen mit Migrationshintergrund und junge Frauen, die wegen eines möglichen Kinderwunsches schlechtere Chancen hätten. „Auf diese wertvollen Arbeitskräfte zu verzichten, können wir uns gar nicht leisten“, hob sie hervor. Statt persönlicher Angaben frage man gezielt und passgenau nach Ideen und Motivation des Bewerbers.

Als „sehr angenehm“ hat Edathy dieses Verfahren empfunden. Neben einem Studium der Geologie blickt er auf weitere Abschlüsse und 20 Jahre Berufserfahrung zurück. Er selbst habe in der Vergangenheit erlebt, dass nicht nur sein indischer Name, sondern auch die Funktion und Parteizugehörigkeit seines Bruders einen negativen oder auch positiven Einfluss auf seine Bewerbung gehabt haben könnten, erzählte er.

Das Projekt ist ein Erfolg. Mittlerweile interessieren sich acht Bundesländer für das Verfahren, aber noch nicht alle haben es schon umgesetzt. Auch Niedersachsen hat Anfang des Jahres eigene Pilotprojekte angekündigt. Das Projekt der ADS habe „den Ball ins Rollen gebracht“, sagte Lüders. Auch immer mehr Kommunen, unter anderem Hannover, beschäftigten sich derzeit mit dem Verfahren.

Kirsten Elschner

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