Nach Theatersanierung

Für Celler Schlosstheater beginnt neue Ära

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Neue Sachlichkeit in herrschaftlicher Umgebung: Intendantin Bettina Wilts muss bei aller Vorfreude auf die Eröffnung am Freitag um die Fortsetzung ihres Vertrags bangen.

Celle - Nach zwei Jahren Umbau zieht das Celler Schlosstheater zurück ins Schloss. Statt barockem Plüsch erwartet die Besucher jetzt neue Sachlichkeit, aber auch mehr Beinfreiheit.

Der rote Plüsch ist raus. Die neuen königsblau gepolsterten Klappsitze erinnern in ihrer Schlichtheit an die Stuhlreihen eines Kinos. Wer auf ihnen Platz nimmt, darf sich aber trotzdem wie ein kleiner König fühlen. Immerhin sitzt man hier in einem richtigen Schloss, und auch nach gut zweijährigem Umbau sieht es im Schlosstheater Celle immer noch herrschaftlich aus. Dafür sorgt schon die goldgerahmte Bühne mit dem herzöglichen Wappen oben drüber.

Am Freitag wird das älteste bespielte Barocktheater Deutschlands nach der 12,7 Millionen Euro teuren Totalrenovierung wiedereröffnet. Auch Ministerpräsident David McAllister hat sich für den feierlichen Festakt angesagt. „Wir schlagen ein neues Kapitel in der Celler Theatergeschichte auf“, sagt Intendantin Bettina Wilts. „Der alte Muff ist raus. Das Theater ist größer, heller und luftiger geworden.“ Mit all dem habe sich das Schlosstheater nicht etwa von der Barockzeit entfernt, sondern sich ihr sogar noch mehr angenähert, betont die 43 Jahre alte Theaterleiterin. Die roten Plüschsitze und die Logen mit den roten Vorhängen nämlich sind erst bei der letzten großen Renovierung im Jahre 1935 eingebaut worden - ebenso wie manch anderer Barockkitsch.

Diesmal haben die Denkmalschützer darauf geachtet, dass sich der Umbau am früheren Originalzustand orientierte. Auf diese Weise sind alle Logenvorhänge verschwunden, so dass die dahinter liegenden Fenster wieder Licht einlassen, wenn die Klappen geöffnet sind. Der - nicht mehr durch einen Mittgelgang geteilte - Zuschauerraum ist jetzt in einen taubenblauen Grundton getaucht, plastisch anmutende, aufgemalte Blütenornamente zieren die Brüstungen. Repräsentativer denn je erstrahlt die Fürstenloge. Der große Kronleuchter dagegen ist durch ein rundes Deckenlicht ersetzt worden.

Mindestens so bedeutsam wie die sichtbaren Veränderungen sind die unsichtbaren. Das gilt vor allem für die Bühnentechnik. Eine Drehbühne bringt die Darsteller ohne eigenes Zutun zum Rotieren, und niemand muss mehr von Hand den Vorhang ziehen.

Die Vorfreude ist indessen nicht ungetrübt. „Es gibt auch Abonnenten, die seit Jahrzehnten die gleiche Loge hatten, und jetzt empört anfragen, wo sie künftig sitzen sollen“, sagt Bettina Wilts. Doch die Intendantin zeigt sich gelassen. Sehr viel größer nämlich waren die Klagen, als das Schlosstheater-Ensemble 2010 wegen des Umbaus in eine frühere Panzerhalle umgezogen ist. Mittlerweile hat sich gezeigt, dass das fabrikartige Gebäude dem Theater einen ganz neuen Freiraum eröffnet hat.

Auch die Intendantin hat nicht nur Grund zum Jubeln. Ihr Vertrag ist nicht noch einmal verlängert worden und läuft somit in der Spielzeit 2013/2014 aus. Die Stelle ist bereits vom Vorstand des Theatervereins neu ausgeschrieben worden. Die Bewerbungsfrist endet am Montag nach dem Eröffnungswochenende. „Das ist nicht sehr schön, dass das jetzt parallel läuft“, sagt die einzige Intendantin Norddeutschlands. Voraussichtlich werde sie sich nun um ihre eigene Stelle bewerben. Dabei könnte ihr helfen, dass sie das Theater bravourös durch zwei Umbau-Spielzeiten geführt und die Zahl der Abonnenten mit der Heimkehr ins Schloss einen Höchststand erreicht hat.

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