Unfall mit Intercity

Chaos im Südwesten nach Zugentgleisung

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Foto: Am Sonnabend ist schon wieder ein Intercity nach der Abfahrt im Stuttgarter Hauptbahnhof entgleist.

Stuttgart - Ist der Stuttgarter Hauptbahnhof wegen des Umbaus nicht mehr sicher? Zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen springt ein Intercity aus dem Gleis. Passagiere waren über eine Stunde lang eingeschlossen. Das Bauprojekt „Stuttgart 21“ lässt grüßen, meinen Kritiker der Bahn.

Schock für 200 Passagiere: Schon wieder ist ein Intercity der Deutschen Bahn kurz nach der Abfahrt im Stuttgarter Hauptbahnhof entgleist. Dabei wurden am Sonnabend acht Fahrgäste leicht verletzt, teilte die Feuerwehr mit. Die rund 200 Reisenden waren etwa eineinhalb Stunden in dem Zug mit Ziel Hamburg-Altona eingeschlossen, bis sie gerettet werden konnten. Es drohte ein Stromschlag, weil der Zug die Masten für die Oberleitung umgerissen hatte. Fast an derselben Stelle nahe dem Bahnhof war bereits Ende Juli ein Intercity - ebenfalls in Richtung Hamburg - aus den Gleisen gesprungen.

Der Bahnverkehr rund um Stuttgart kam über Stunden zum Erliegen, noch am Sonntag gab es zahlreiche Ausfälle und Verspätungen. Fernzüge werden zum Teil noch bis Ende der Woche einen Bogen um Stuttgart machen.

Die Gegner des Milliardenprojekts Stuttgart 21 kritisierten, die Unfälle hingen mit den Bauarbeiten für den geplanten Tiefbahnhof zusammen. Ein Bahnsprecher sagte, dies sei reine Spekulation. Warum erneut ein IC nahe dem Bahnhof entgleiste, müsse untersucht werden. Der Bericht für den anderen Unfall Ende Juli liege noch nicht vor. Auch den Sachschaden vom Wochenende konnte die Bahn noch nicht beziffern.

Die letzten zwei Waggons waren etwa 200 Meter hinter dem Bahnhof entgleist - aber nicht umgekippt. Beschädigt wurde auch von hinten schiebende Lok. Zuerst hatte die Bahn erklärt, die Lok und drei Wagen seien aus den Gleisen gesprungen. Der Schnellzug riss trotz geringer Geschwindigkeit bei der Entgleisung die Oberleitung herunter und warf mehrere Masten um. Die Leitung lag auf der Lok. Da der ganze Intercity unter Strom hätte stehen können, mussten die Fahrgäste zunächst im Zug bleiben, erklärte die Bundespolizei.

Erst als die Leitung abgeschaltet war, konnte die Evakuierung des Zuges beginnen. Die Passagiere mussten schließlich über die Gleise an den Rand des Vorfelds laufen. Für verletzte und ältere Fahrgäste setzte die Feuerwehr zwei Drehleitern ein, um sie zu einer nahe gelegenen Baustelle zu bringen, wo die Rettungswagen warteten.

Der Unfall sei glimpflich ausgegangen, sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Ein Passagier trug eine Kopfplatzwunde davon, ein anderer habe sich den Fuß umgeknickt. Einige Fahrgäste hätten einen Schock gehabt. Es waren 50 Feuerwehrleute und 20 Sanitäter im Einsatz.

Zwei Regionalzüge und eine S-Bahn waren auf dem Weg aus dem Hauptbahnhof, als der IC entgleiste. Auch diese drei Züge konnten nicht mehr weiterfahren und mussten geräumt werden. Einige Fahrgäste wollten nicht warten und verließen selbstständig die Bahnen. Vier Passagiere verletzten sich dabei leicht.

Ein Bahnsprecher sagte am Sonntag, die Fernzüge aus Richtung München und Ulm müssten den Hauptbahnhof Stuttgart weiter umfahren. Reisende könnten in Esslingen oder Vaihingen/Enz zusteigen. Die Schnellzüge aus Norden könnten den Stuttgarter Hauptbahnhof aber wieder anfahren. Es werde bis Ende dieser Woche dauern, bis alle 16 Gleise wieder freigegeben seien, sagte der Bahnsprecher. Derzeit könnten neun Gleise befahren werden. Erst Ende Juli war ein anderer IC auf dem Weg von Stuttgart nach Hamburg fast an derselben Stelle entgleist. Die etwa 100 Reisenden blieben damals unverletzt.

Ein Sprecher der „Parkschützer“ sagte: „Die Bahn kann während des Baus ihren Fahrbetrieb nicht aufrechterhalten und gefährdet die Sicherheit der Reisenden.“ Für die Schienenstränge bleibe wegen des Baus eines Querbahnsteigs für Stuttgart 21 weniger Platz. Die Gleiskurven seien daher „gestaucht“ und hätten daher einen engeren Radius. Dies könne bei überhöhter Geschwindigkeit oder mangelnder Wartung der Fahrzeugpufferung zu Entgleisungen führen.

dpa

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