Papst Franziskus auf Besuch in Brasilien

Chaos am Zuckerhut

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Foto: Chaos in Brasilien: Alle wollen den Papst sehen.

Rio de Janeiro - Der Argentinier ist als Papst und „erster Pilger“ auf seinen Heimatkontinent zurückgekehrt. Franziskus will in Rio der Jugend der Welt Mut machen. Zunächst gibt es Trubel und Chaos bei der Ankunft.

Schreckminuten und Chaos am Zuckerhut: Der italienische Kleinwagen des Papstes verfährt sich, bleibt mitten in der Stadt stecken, sofort bedrängt von einer frenetischen Menge. Den Sicherheitsbeamten steht der Stress ins Gesicht geschrieben, als die Brasilianer in Scharen das heruntergelassene Fiat-Fenster umringen, Franziskus anfassen, ihm Briefchen zustecken.

Was für ein Start der ersten Auslandsreise des argentinischen Kirchenführers! Der zeigt sich immer lächelnd, scheint die stürmische Begeisterung der Menge zu genießen, denkt nicht an Gefahren - Ausdruck von Gottvertrauen.

Von der Randale, die es nachts in der brasilianischen Metropole auch gab, und vom entschärften Sprengsatz am Marienwallfahrtsort Aparecida wird ihm berichtet worden sein. Der erste lateinamerikanische Papst geht sein großes Heimspiel in Rio de Janeiro dennoch gelassen an. Das häufige Bad in der Menge liebt er sowieso, schon auf dem Petersplatz in Rom ist er ein Alptraum für seine Sicherheitscrew.

In Rio kann sich Franziskus am Tag nach der Ankunft eine Ruhepause genehmigen. Das Programm, das ihm die katholische Jugend der Welt in dieser Woche abverlangt, ist riesig genug. Erwartungsvoll werden alle Augen auf ihn gerichtet sein. Auch wenn Jorge Mario Bergoglio ein Stück jünger ist als sein Vorgänger Benedikt, ein zwölfstündiger Flug geht auch an ihm nicht spurlos vorüber. Also entspannt sich der 76 Jahre alte Pontifex zunächst ein wenig in seiner Besucher-Residenz.

Ganz anders die pulsierende Stadt am Atlantik. Überall sind die Zehntausenden Helfer dabei, alles in den Vatikanfarben Gelb und Weiß für die erwarteten eineinhalb Millionen Menschen von allen Kontinenten vorzubereiten.

Der Taxifahrer grinst und zeigt mit dem Daumen nach oben, das internationale Zeichen der Zustimmung, weil Franziskus beim Abflug vom Flughafen in Rom seine schwarze Tasche selbst an Bord getragen hat. Das Radio in Rio überschlägt sich, als der Argentinier, ihr bescheidener Papst, endlich auf seinem Heimatkontinent angekommen ist: "Informeller" als sein deutscher Vorgänger trete er auf. Nur der Portier im Hotel an der Copacabana stöhnt, der Besuch sei prima, doch das Verkehrschaos!

Ein Leitmotiv hatte Franziskus schon im Vatikan-Flieger, einem Airbus A330, vorausgeschickt, neben einer Twitter-Botschaft über die große Vorfreude, die ihn bewege. Was dem Papst einer „armen Kirche der Armen“ sozialpolitisch am Herzen liegt, daran knüpfte er sofort bei der Begrüßung in Rio wieder an: Die Welt könne und dürfe sich keine verlorene Jugend leisten, durch die Wirtschaftskrise drohe nun eine ganze Generation auf der Strecke zu bleiben. Das passt doppelt: Das Oberhaupt der katholischen Weltkirche trifft die Jugend der Welt - in dem Land, in dem sich gerade scharfe soziale Konflikte entladen.

Eine Botschaft der Ermutigung, Hoffnung und Orientierung hat Franziskus mitgebracht, als Reden in seiner Tasche, aber mehr noch in seinem Herzen. Doch nach dem Eröffnung des Weltjugendtags am Dienstag, mit der üblicherweise nicht von dem Kirchenführer aus Rom begleiteten Auftaktmesse, schiebt er erst noch einen Ausflug ein. Es geht in den 300 Kilometer entfernten Marienwallfahrtsort Aparecida.

Auch das hat Bedeutung. Seine Vorgänger waren glühende Marienverehrer, vor allem der Pole Wojtyla. Pflichtprogramm ist es für einen Papst, dieses Nationalheiligtum zu ehren. Bergoglio kennt es von einer wichtigen Versammlung der lateinamerikanischen Bischöfe im Jahr 2007 - er selbst war damals Erzbischof von Buenos Aires. Und heraus kam ein bedeutendes kirchenpolitisches Dokument.

Die erste Heilige Messe also in Aparecida und (noch) nicht in Rio. Dort werden die Erwartungen in der Zwischenzeit nur weiter steigen. Neben der katholischen Jugend der Welt wollen ihn alle treffen und sprechen - von den brasilianischen Ureinwohnern bis zu den Spitzen des einheimischen Fußballs wie Pelé. Ob der argentinische Soccer-Fan Franziskus im Jahr vor der WM eine Lanze für Gastgeber Brasilien bricht?

Die soziale Botschaft des Papstes wird dabei nicht verloren gehen. Und die Jugend der Welt dürfte von diesem Mann, der sich mit ihr für Donnerstag an der legendären Copacabana zum Strandfest verabredet hat, einiges mit nach Hause nehmen, als Erinnerung und Aufmunterung.

dpa

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