Nach Baby-Infektionen

Chefarzt der Berliner Charité attackiert

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Foto: Während in der Berliner Charité weiter über die Infektionen der Frühchen gerätselt wird, wurde ein Chefarzt in seinem Büro angegriffen.

Berlin - Ein Chefarzt der Berliner Charité ist in seinem Büro überfallen und mit Stockschlägen schwer verletzt worden. Die Täter sollen dem Gynäkologen Behandlungsfehler vorgeworfen haben. Indes geht die Suche nach der Quelle eines Darmkeims auf zwei Charité-Stationen weiter.

Wie viele Babys noch infiziert sind, teilte Deutschlands größtes Uniklinikum am Mittwoch nicht mit. Für Wirbel sorgte auch, dass die Leiche eines vermutlich an den Darmkeimen gestorbenen Babys bereits begraben wurde. Unklar ist, ob das tote Kind jetzt noch obduziert werden soll.

Zu dem Überfall auf den Mediziner hieß es bei der Polizei am Mittwoch, die beiden geflüchteten Angreifer wollten sich möglicherweise an dem Gynäkologen für eine angeblich falsche Behandlung einer Frau rächen. Ein Zusammenhang mit den kranken Babys in der Charité wurde ausgeschlossen. Die Polizei sprach von einem ungewöhnlichen Fall. Bei der Berliner Ärztekammer war nicht bekannt, ob der Mediziner angezeigt wurde.

Der 44-Jährige erlitt einen Rippenbruch, Prellungen und Schürfwunden. Am Mittwoch war das Büro des Klinikchefs verschlossen. Ob sich Täter und Opfer kannten, sei noch unklar, hieß es bei der Polizei. Ein Kollege, der helfen wollte, wurde ebenfalls angegriffen. Das Überfallopfer gilt laut Ärztekammer als äußerst kompetenter und qualifizierter Mediziner, der auch Seminare zur Kommunikation zwischen Arzt und Patienten gebe.

Nach Charité-Angaben vom Dienstag sind sieben Babys an den Darmkeimen erkrankt, 16 weitere ohne Symptome infiziert. Ein Kind war vermutlich an den Keimen gestorben. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft hatte am Mittwoch zunächst erklärt, man wisse nicht, wo die Leiche sei, noch kenne man seine Identität. Am späten Nachmittag teilten Charité wie Staatsanwaltschaft mit, das vermutlich an Darmkeimen gestorbene Baby sei bereits beigesetzt worden. „Wir prüfen jetzt mit einem auswärtigen Gerichtsmediziner, ob eine Obduktion noch sinnvoll ist“, sagte Staatsanwaltschaftssprecher Martin Steltner.

Das Kind war am Deutschen Herzzentrum zunächst erfolgreich operiert worden. Dann flammte die Infektion mit den Darmkeimen wieder auf, die sich der Säugling vermutlich zuvor auf einer Station der Charité zugezogen hatte. Das Baby starb am 5. Oktober. Eine Woche später wurde das Kind laut Steltner auf einem muslimischen Friedhof bestattet. Davon habe die Staatsanwaltschaft am heutigen Mittwoch offiziell erfahren. Die Familie des toten Kindes habe bislang nichts von den Keimen gewusst, sagte Steltner. Sie soll erst jetzt über die Infektion informiert worden sein.

Zu Übergriffen auf Ärzte ist es bundesweit wiederholt gekommen. Zuletzt waren zwei Mediziner im März in ihrer Praxis in Rheinland-Pfalz von einem Rentner erschossen worden. Der 78-Jährige tötete sich dann selbst. Verschärfte Sicherheitskonzepte für Krankenhäuser wollen Marburger Bund und Ärztekammer nicht. „Eine Klinik muss ein offenes Haus sein. Es wäre fatal, die Häuser zu einem abgeschlossenen Bereich umzuwandeln“, hieß es.

Die Charité sprach von einem „ungeheuerlichen Vorfall“. Der Arzt sei auf dem Weg der Besserung. Eine Verbindung zu den derzeitigen Infektionen auf zwei Charité-Stationen, in denen Frühchen und Neugeborene mit schweren Erkrankungen behandelt werden, sei spekulativ, hieß es in einer Mitteilung. Der Arzt sei nicht in diesem Bereich tätig.

dpa

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