Menschenrechte

Christen sind am meisten verfolgte Religionsgemeinschaft

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Foto: Nach einem Bombenanschlag auf eine Kirche in Nigeria heben Helfer 20 Gräber für die Opfer aus.

Kapstadt - Christen in aller Welt müssen wegen ihres Glaubens um ihr Leben fürchten. Abgesehen von Nordkorea sind es vor allem islamische Staaten, in denen Christen verfolgt werden.

Brennende Kirchen in Kenia, Massaker an Christen in Nigeria, Willkür und Gewalt gegen Christen in Nahost: Die Ereignisse 2012 belegen erneut, dass Christen mehr als jede andere Glaubensgemeinschaft diskriminiert und verfolgt werden. Nach Ansicht von Experten hat sich die Lage der Christen weltweit im zu Ende gehenden Jahr weiter verschlechtert.

Der Schutz verfolgter Christen sei deshalb „wichtiger Teil deutscher Außenpolitik", sagte Kanzlerin Angela Merkel jüngst. „Niemand leidet mehr wegen seines Glaubens als die Christen", hatte Papst Benedikt XVI. betont. „Die Christenverfolgung nimmt zu", meinte die Geschäftsführerin von „Kirche in Not", Karin Fenbert.

Weltweit sind dem christlichen Hilfswerk "Open Doors" zufolge 100 Millionen Christen wegen ihres Glaubens von Verfolgung, Misshandlung oder Tod bedroht. Am übelsten geht es demnach Christen in Nordkorea. Aber auch in vielen islamischen Ländern sind Christen gefährdet. „Islamisten haben sich den Arabischen Frühling zunutze gemacht, um gegen Christen vorzugehen", sagt Fenbert.

Eine Auswahl der Länder, in denen Christen Probleme haben:

NORDKOREA: Christliche Organisationen sprechen von mindestens 200.000 Christen, die in der kommunistischen Diktatur brutal verfolgt werden. Der Führerkult um die Herrscherfamilie, die jetzt in der dritten Generation regiert, ist eine Art Staatsreligion. Gerade wegen der einstigen Erfolge christlicher Gemeinden im Widerstand gegen die Kommunisten in Mittel- und Osteuropa fürchte das Regime Christen besonders, so „Open Doors"-Experte Daniel Ottenberg.

CHINA: Das Christentum findet angesichts des Rückzugs der Ideologie und neuer Freiheiten starken Zulauf. Schätzungen nach gibt es zwischen 20 und 70 Millionen Christen. Der kommunistische Staat fürchtet selbstständig organisierte Religionsgemeinschaften und zwingt die Gläubigen mit "patriotischen" Kirchenvereinigungen unter Staatskontrolle. Die offizielle katholische Kirche (sechs Millionen Gläubige) erkennt die Autorität des Papstes nicht an. Viele Christen praktizieren ihren Glauben in Hauskirchen oder anderweitig im Untergrund und sind deshalb oft staatlicher Verfolgung ausgesetzt.

INDONESIEN: Im bevölkerungsreichsten islamischen Land kommt es nach Kirchenangaben immer wieder zu Übergriffen gegen Christen. Gemeinden wurden mancherorts aufgefordert, ihre Kirchen wieder einzureißen.

MALEDIVEN : Islam ist Staats- und Zwangsreligion. Als Christ dürfe man laut Verfassung nicht einmal Staatsbürger sein, so Ottenberg.

PAKISTAN: Christen beklagen den Missbrauch des Blasphemie-Gesetzes. Es verbietet zwar die Beleidigung jeder Religion, wird aber meist bei „Verächtlichmachung des Islam" angewandt. Das Gesetz lässt sich gegen Gegner oder Konkurrenten nutzen, oft Angehörige von Minderheiten. Christen stellen zwar nur 1,6 Prozent der Bevölkerung, sind aber fast in 13 Prozent der Anklagen betroffen. Wer den Gesetzesmissbrauch bemängelt, muss die Islamisten fürchten: Minderheitenminister Shahbaz Bhatti, ein Christ, wurde 2011 wegen seiner Kritik ermordet.

AFGHANISTAN: Die Regierung bekennt sich zwar zur Religionsfreiheit. Die Realität sieht aber aus Kirchensicht düster aus: Es gebe keine öffentliche Kirche mehr, so „Open Doors". Die Taliban hätten 2011 "allen Christen im Land den Vernichtungskampf angesagt". Besondere Angst müssten christliche Entwicklungshelfer haben.

IRAN: Die Regierung betont die Religionsfreiheit und verweist auf die christlichen Armenier im Land, die offiziell die Mehrheit der über 110 000 Christen stellen. Sie haben Kirchen, halten Gottesdienste und dürfen sogar, privat oder in ihren Gemeinden, Alkohol trinken und Schweinefleisch essen. „Open Doors" zufolge gibt es im Iran aber etwa 450.000 Christen, die unter enormem Druck stehen. Der Grund sei, dass viele Schiiten zum Christentum konvertiert seien. Die Behörden verhafteten oft Christen mit der Begründung, sie würden missionieren, was im Iran verboten ist.

SAUDI-ARABIEN : Nach Angaben christlicher Gruppen gibt es in dem streng islamischen Staat keinerlei Religionsfreiheit. Dennoch habe die Zahl der Christen zugenommen, so „Open Doors". Christen müssten ihren Glauben geheim halten, sonst drohe die Todesstrafe. Kirchen sind nicht erlaubt. Laut Amnesty International kann schon der Besitz einer Bibel etwa für Gastarbeiter aus den katholischen Philippinen zu Haftstrafen und Peitschenhieben führen.

SYRIEN: Mit dem Bürgerkrieg in dem überwiegend muslimischen Land wächst die Unruhe unter den Christen. Die christliche Minderheit ist gespalten. Einige Christen und vor allem auch führende Geistliche unterstützen das Regime von Präsident Baschar al-Assad. Sie versprachen sich davon entweder persönliche Vorteile oder setzten auf Assad als Garanten für den Fortbestand des säkularen Staates. Sie befürchten, dass die Rebellen einen islamischen Staat errichten wollen, in dem sie selbst weitgehend rechtlos wären. Allerdings finden sich auch in den Reihen der Regimegegner Christen, zum Beispiel der Vorsitzende des Syrischen Nationalrates (SNC).

IRAK: Drei Viertel der früher 1,5 Millionen Christen haben nach Kirchenangaben seit dem Sturz Saddam Husseins 2003 das Land verlassen. Andere sprechen von 250.000 christlichen Auswanderern.Christen stehen besonders im Visier islamistischer Terroristen, sie werden laut "Open Doors" bedroht, beraubt, vergewaltigt oder entführt, Kirchen immer wieder angegriffen.

TÜRKEI: Die kleine christliche Minderheit beklagt den Mangel an Religionsfreiheit, wenn es um den Bau von Kirchen oder Erhalt der eigenen religiösen Kultur geht. Eine Serie von Anschlägen auf Priester und Missionare hat die türkischen Christen vor einigen Jahren verunsichert. Immer noch wird Stimmungsmache und Hetzpropaganda türkischer Nationalisten beklagt.

ÄGYPTEN: Etwa zehn Prozent der Ägypter sind Christen, die meisten sind Kopten. Seit dem Sturz von Präsident Husni Mubarak 2011 klagen sie über wachsende Diskriminierung. Zugenommen haben auch die Prozesse gegen Christen, die angeblich den Islam beleidigt haben. "Kirche in Not" berichtet vom Exodus zehntausender Christen, die seit 2011 einen christenfeindlichen Staatsislamismus fürchten. Der CDU-Politiker Volker Kauder meint, dass sich in Ägypten, "die Lage der Christen gerade rapide verschlechtert".

NIGERIA: Die christliche Minderheit im islamischen Norden ist seit Jahren einem wachsenden Terror von Islamisten ausgesetzt, vor allem den Anschlägen von Boko Haram. Hunderte von Menschen wurden bei Angriffen auf Kirchen, Gemeinden und Familien getötet. Zigtausende Christen sind inzwischen geflohen. Erklärtes Ziel der Fundamentalisten ist die Errichtung eines islamischen Gottesstaates.

MALI: Im Norden kontrollieren vor allem Islamisten das Land. Die wenigen tausend Christen sind fast alle in den Süden geflohen; Kirchen seien von den Islamisten abgebrannt worden.

dpa

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