Mitarbeiterin fürchtet um ihr Leben

Circus Krone wird massiv bedroht

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„Das geht zu weit“: Protest von Tierschützern gegen den Circus Krone gibt es immer wieder. In Osnabrück ist das nun ein Fall für die Polizei.

Osnabrück - Proteste von Tierschutzaktivisten ist Deutschlands größter Zirkus gewohnt, vor drei Jahren gab es auch Widerstand in Hannover. In Osnabrück sind die Aktionen jetzt aber derart eskaliert, dass eine Mitarbeiterin von Circus Krone um ihr Leben fürchtet.

Die Aktivisten überklebten nicht nur Plakate und hielten vor dem Zelt Banner mit der Aufschrift „Tiere raus aus dem Zirkus“ in die Luft. Auf einer Internetseite der radikalen Tierrechtsorganisation Peta entdeckte Susanne Matzenau obendrein eine Morddrohung gegen sich. Zuvor hatte sie, bei Krone zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit, Kritiker eingeladen, sich selbst auf dem Gelände ein Bild zu machen. „Daraufhin wollte man mir den Hals umdrehen“, sagte Matzenau am Montag. „Gedroht wurde auch, den Zirkus nachts zu ,kontrollieren’ und ihn zu stürmen.“ Nun ermittelt die Polizei.

Die Jugendorganisation Peta 2-Streetteam, die mit einigen Dutzend Sympathisanten vor dem Eingang demonstrierte, wirft dem Zirkus Tierquälerei vor. Elefanten etwa würden angekettet, Seelöwen in einem engen Verschlag gehalten. Insgesamt wendet sich Peta dagegen, Tiere „in Gefangenschaft“ zu halten, sie als die Schwächeren „auszunutzen und auszubeuten“. „Tiere sind keine Sachen, sondern Lebewesen,“, sagt Kai Seidel, der den Protest in Osnabrück organisiert hat. Die konkreten Drohungen auf der Internetseite gegen Circus Krone habe er inzwischen gelöscht.

Auch Bilder von der zunächst kritisierten Schlafstätte der Seelöwen sind von dort mittlerweile verschwunden. Tiertrainer Roland Duss hatte auf ein direkt angrenzendes Schwimmbecken verwiesen, das die Seelöwen nutzen könnten. Der Berufsverband der Tierlehrer wirft Organisationen wie Peta denn auch vor, aggressiv Stimmung zu machen. „Sie konstruieren Zusammenhänge, greifen auf Fakten zurück, die lange überholt sind, und manipulieren Bildsequenzen“, sagt der Verbandsvorsitzende Claus Kröplin. „So wollen sie den Eindruck erwecken, der Zirkus sei eine Hölle für Tiere.“

Nach Einschätzung des Verbandes, der rund 120 selbstständige Tierlehrer und 13 große Zirkusunternehmen vertritt, haben es die Betreiber versäumt, der Öffentlichkeit zu vermitteln, dass es in den vergangenen Jahren bei Haltungsbedingungen und Gehegegrößen in gut geführten Unternehmen grundlegende Veränderungen gegeben habe. „Bestimmte Tierrechtsorganisationen haben es so leicht, mit den Emotionen der Menschen zu spielen und unbegründet Kampagnen loszutreten“, sagt Kröplin.

Susanne Matzenau vom Circus Krone versichert, alle Vorwürfe der Peta-Gruppe seien nicht haltbar. Die sechs Elefanten beispielsweise litten keineswegs an psychischen Störungen, sondern hätten an Training und Auftritten Spaß. Unbeirrt der Proteste schreiten sie in Osnabrück weiter in Reih und Glied in die Manege, machen Männchen und eine Art Handstand. Auch die Besucher hätten sich von den Diskussionen vor dem Zelt bisher noch nicht abschrecken lassen, sagt Matzenau. „Wenn aber Kinder vor der Vorstellung gefragt werden, ob sie sich nicht schämen, sich so etwas anzugucken, geht das zu weit.“

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