Interview mit Designerin Lena Hoschek

Classic with a twist

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Foto: Von der Berlin Fashion Week nicht wegzudenken: Lena Hoschek

- Als Kind nähte Sie für Ihre Teddybären, heute versorgt Lena Hoschek die Prominenz. Von der Berliner Fashion Week ist die Stardesignerin nicht wegzudenken. Die Modemacherin im Interview.

Für den Herbst/Winter 2014 haben sie die Farbenpracht russischer Folklore in die Gegenwart übersetzt. Was erwartet uns auf der Fashion Week? Nachdem das meine zehnte Show ist - also ein kleines Jubiläum - habe ich mich gedanklich mal ganz auf das Wesentliche konzentriert. Die Frau. In all ihren Facetten und Rollen. Hinzu kam Inspiration aus David Lynch Movies, 60er Jahre Sexploitation Filmen, die Fotos von Elmer Batters und Ellen von Unwerth, Musik von Tom Waits. Das alles ergab in meinem Kopf das Bild einer Muse, die verrucht, dennoch elegant, Verführerin mit enormer Willenskraft, eine Frau ist, die sich primär für sich selbst schön kleidet aber genau weiß, welchen Eindruck sie damit hinterlässt.

Laufen wieder Models von GNTM? Es kommt auf das Casting an. In der Vergangenheit habe ich Heidi Klum´s Mädchen immer wiedermal ganz gerne gebucht, da sie allesamt eine tolle Figur haben, die nicht durch hungern, sondern durch Sport geformt wurde - das sieht man! Ich war entsetzt, als letzten Sommer die Tagespresse titelte "zu dick für die Fashion Week" und eine Saison davor "Hoschek schickt Magermodels über den Laufsteg" Diese mediale Hetze finde ich letztklassig - man merkt, es geht nur um Schlagzeilen, nicht um eine nachhaltige Message.

Handwerk und herrliche Stoffe fallen bei Ihnen sofort auf. In Europa ist es immer schwerer geworden, schöne Stoffe zu bekommen - und Ware von weither ist mitunter ethisch und ökologisch besonders bedenklich. Wo werden Sie fündi g?Es ist nicht richtig, dass man in Europa schwerer an tolle Ware kommt - gerade hier sind die Traditionsbetriebe, die Spezialisten! Einzig, Stoffgeschäfte für den Endkunden sterben leider zusehends aus oder führen keine gute Ware mehr - das liegt aber auch daran, dass der Kunde nicht bereit ist, Qualität entsprechend zu bezahlen. Wenn es um den Preis geht, macht sich der Kunde leider wenig Gedanken zu Ethik und Ökologie. Dem Designer - oder besser, meistens dem Inhaber einer Modefirma, ist es überlassen, sich für bessere Qualität zu höheren Preisen zu entscheiden. Ich habe mich schon lange entschieden. Ich liebe es immer neue Spezialisten zu entdecken, mit Betrieben zu arbeiten, die eine Firmengeschichte haben, die oft mehr als 100 Jahre zurückreicht. Der Materialeinkauf gehört zu den schönsten Bereichen meines Berufes. Und was das Handwerk betrifft, habe ich sowieso meine eigene Einstellung. Für mich ist Mode mehr als ein Trend und schon gar kein Wegwerfgegenstand, auch keine bloße Hülle - Mode ist Identität, Mode ist ein Kulturgut. Kultur ohne Tradition, ohne Handwerk - undenkbar.

Katy Perry und Charlotte Roche zählen zu Ihren Kundinnen. Für welche Prominenten schneidern sie noch? Letzten Sommer durften wir Lana del Rey für mehrere Anlässe und Shootings einkleiden - unter anderem trug sie ein Kleid meines Couture Labels "Lena Hoschek Atelier" am Red Carpet in Cannes. Unter unseren Kundinnen sind auch einige deutsche Schauspielerinnen und andere Persönlichkeiten, die man kennt; gerne statte ich auch junge Künstler aus, die noch weniger oder gar nicht bekannt sind. Wenn mir gefällt was sie machen, unterstütze ich sie gerne. Was all diese Frauen eint, ist, glaube ich, dass sie mit ihrer Weiblichkeit punkten. Eine Weiblichkeit, die nicht einer gewissen Verspieltheit entbehrt. Sie besitzen Sexappeal und Mondänität ohne große Ernshaftikeit.

Wie viele Mitarbeiter haben Sie inzwischen und gibt es Expansionspläne? Im Moment beschäftige ich 20 Mitarbeiter in Österreich und Deutschland. Ich würde nicht Lena Hoschek heißen, wenn ich nicht an Expansion denken würde.

Berlin Fashion Week

Vor den großen Schauen für Frauenmode in New York und London, Mailand und Paris sind bei der 14. Ausgabe der Berlin Fashion Week von Dienstag an (14. bis 17. Januar) erstmals die Entwürfe für den kommenden Herbst und Winter zu sehen. Doch statt den internationalen Mammut-Events hinterherzuhecheln, besinnt sich die quirlige Bundeshauptstadt immer mehr auf ihre eigentliche Stärke: Mehr denn je stehen junge, kreative Designer im Mittelpunkt, die mit innovativen Ideen die Trends für morgen und übermorgen setzen.

Welchen Stellenwert hat Ihrer Ansicht nach Berlin im Modezirkus? Im Streetwear-Bereich ist Berlin als Messestadt nicht mehr wegzudenken. Was die Pret à Porter anbelangt, ist der Stellenwert sicherlich eher zweigeteilt. Vom künstlerischen Standpunkt hat Berlin ein starkes Image - jung, kreativ, wild, experimentierfreudig; in manchen Augen aber auch "deutsch" - das beziehe ich auf die unaufgeregte, eher unterkühlte deutsche Mode. Was die Modeindustrie betrifft, ist Berlin - im Vergleich zu Paris oder Mailand - ein weniger wichtiger Standort, da eben die Industrie nicht hier ist. Ich sehe die Entwicklung aber auf jeden Fall sehr positiv!

Was war Ihr erstes selbst geschneidertes Stück? Als Kind und Jugendliche machte ich fast ausschließlich Kleider für meine Puppen und Teddybären. Gemeinsam mit meiner Großmutter, die mir alle Handarbeiten beigebracht hat, nähte ich mit 14 Jahren mein erstes Dirndl - von Hand.

Eigenwilliger Retro-Stil und Augenmerk auf gutes Handwerk liegt zunehmend im Trend? Stimmen sie Ihrem Düsseldorfer Kollegen Thomas Rath zu, der "Classic with a twist" fordert? Natürlich. Es gibt den Spruch "Wer mit der Herde geht, kann nur den Ärschen folgen" Wer seinen Konsum überdenkt, und nicht auf "Geiz ist geil" setzt, verlangt Qualität, Haltbarkeit, Zeitlosigkeit. Dass Klassik nicht dunkelblau sein muss, zeige ich wieder am 14.1. um 11.30 auf der Fashion Week in Berlin

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