Einreise nur noch im Ausnahmefall

Corona-Lage in Indien spitzt sich zu: Merkel bietet Unterstützung an - Lauterbach verweist auf wichtige Studie

Indien befindet sich Mitten in einer bösartigen Corona-Welle. Einige Krankenhäuser in Neu Delhi haben keinen Sauerstoff mehr. Zahlreiche Länder bieten ihre Hilfe an.

Update vom 26. April, 10 Uhr: Dieser News-Ticker ist beendet. Die Fortsetzung ab dem 25. April finden Sie hier.

Update vom 25. April, 20.01 Uhr: Immer mehr Länder bieten Indien ihre Hilfe an. Die britische Regierung sagte zu, mehrere hunderte Sauerstoff-Konzentrationen und Beatmungsgeräte versenden zu wollen. Großbritannien werde „alles tun“, um Indien zu helfen, betonte Premierminister Boris Johnson. Frankreich erklärte ebenfalls, „bedeutende“ Sauerstoff-Hilfe nach Indien schicken zu wollen. Sogar der Erzfeind Pakistan bot medizinische Hilfe an.

Am Sonntag kündigte auch das Weiße Haus an, „sofort“ Medikamente, Schnelltests, Beatmungsgeräte und Schutzausrüstung schicken zu wollen. Außerdem wollen sie spezifischen Rohmaterialien für die Herstellung des Impfstoffs von Astrazeneca*, der in Indien unter dem Namen Covishield produziert wird, bereitstellen. „Genau wie Indien den Vereinigten Staaten Hilfe schickte, als unsere Krankenhäuser zu Beginn der Pandemie überlastet waren, sind die Vereinigten Staaten entschlossen, Indien in der Zeit der Not zu helfen“, erklärte das Weiße Haus. Die USA arbeiteten „rund um die Uhr“ verfügbare Ressourcen und Vorräte auszusenden.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach äußert sich zur indischen Corona-Mutante

Auf Twitter äußerte sich auch der immer noch angeschlagene SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach zu der Situation in Indien. Er bezog sich bei seinem Post auf eine Studie, die nahelegt, dass die gängigen Impfstoffe gegen Corona auch gegen die Mutante aus Indien (B1.617) helfen sollen. In der Schweiz ist unterdessen ein erster Fall der Mutation registriert worden*.

Corona in Indien: Mehr als 300.000 Neuinfektionen an einem Tag

Update vom 25. April, 14.37 Uhr: Indien geht der Sauerstoff aus. Derart wütet das Coronavirus in seinen verschiedenen Mutanten* auf dem Subkontinent. Die Bilder, die aus dem Land herausdringen, sind dramatisch. „Apokalyptisch“, wie Spiegel.de Amit Gupta, einen Mediziner aus Oxford, in seinem Gastbeitrag beim TV-Sender New Delhi TV zitiert. Der Mediziner fordert einen Lockdown für das ganze Land.

Indien verzeichnet seit Tagen immer wieder Höchstwerte an Corona-Neuinfektionen. Binnen 24 Stunden wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums vom Sonntag 349.691 neue Fälle verzeichnet. Dies ist zugleich ein weltweiter Tageshöchstwert. 2767 Menschen starben an oder mit Covid-19. Dies ist die bisher höchste Todeszahl in Indien. Den vierten Tag in Folge wurden mehr als 300.000 Neuinfektionen und über 2000 Tote registriert. Die Dunkelziffer dürfte sogar deutlich höher liegen. Die Krankenhäuser sind überlaufen und medizinisches Equipment wird knapp. So hatte der Regierungschef für die Hauptstadtregion Delhi, Arvind Kejriwal, an Ministerpräsident Narendra Modi einen flehenden Appell gerichtet: „Bitte helft uns, Sauerstoff zu bekommen, sonst kommt es hier zu einer Tragödie.“

Dabei wird nötiger Sauerstoff bereits über Militärflugzeuge und Züge aus Regionen im In- und Ausland in die Hauptstadt gebracht. Auch Deutschland will jetzt unterstützen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bot Indien am Sonntag Hilfe an. „Der Kampf gegen die Pandemie ist unser gemeinsamer Kampf“, erklärte sie dem Regierungssprecher zufolge. „Deutschland steht Seite an Seite in Solidarität mit Indien. Wir bereiten so schnell wie möglich eine Unterstützungsmission vor.“

Impf-Kampagne nicht gefährden: Spahn-Kehrtwende zu Corona-Krisenland - „Muss deutlich eingeschränkt werden“

Update vom 24. April, 13.38 Uhr: Jetzt also doch: Die Bundesregierung will Indien als Virusvarianten-Gebiet deklarieren, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Regierungskreisen. Für Menschen aus Indien gilt dann eine strenge Einreisebeschränkung nach Deutschland.

Nur noch im Ausnahmefall darf die Grenze dann überschritten werden. Deutsche und Ausländer, die sich dauerhaft in Deutschland aufhalten, dürfen beispielsweise dennoch einreisen. Sie müssen allerdings bereits zuvor einen negativen Test vorweisen und nach der Ankunft in Quarantäne.

Für Virusvarianten-Gebiete gelten besonders strenge Regeln. Die Quarantäne dauert nach Ankunft 14 Tage - verkürzen kann man sie nicht. Vor allem dürfen einige Personengruppen erst gar nicht mit dem Flugzeug anreisen. Flüge werden im Land dann meist gestrichen.

Indien wird derzeit von einer Doppelmutation schwer getroffen. Am vergangenen Freitag hatten sich 315.000 Menschen an nur einem Tag infiziert. Die Variante B.1.617 steht nun unter Beobachtung der WHO. In Deutschland blieb die Erklärung Indiens zum Virusvarianten-Gebiet zunächst dennoch aus.

Jetzt plant Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) offenbar die Kehrtwende. „Um unsere Impfkampagne nicht zu gefährden, muss der Reiseverkehr mit Indien deutlich eingeschränkt werden“, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe am Samstag.

Verheerende Corona-Welle: Indien kämpft mit Doppelmutation - Kliniken geht der Sauerstoff aus

In Indien explodieren die Corona-Fallzahlen.

Erstmeldung vom 22. April: Neu Dehli - Es ist ein trauriger Weltrekord. In Indien sind binnen 24 Stunden fast 315.000 neue Corona-Fälle verzeichnet worden. So viele Neuinfektionen mit dem Coronavirus an einem Tag gab es weltweit noch nie in einem Land. Mehr als 2000 Menschen starben, wie das Gesundheitsministerium am Donnerstag in Neu Delhi mitteilte. Viele Krankenhäuser sind am Limit. Es fehlt an Betten und Sauerstoff.

Indien kämpft derzeit mit einer „Doppel-Mutation“ namens Corona-Mutation B.1.617. In Deutschland spielt diese Corona-Mutation* bisher kaum eine Rolle, doch das könnte sich nach Ansicht von Experten ändern.

Indien: Nach Corona-Wunder folgt nun ein Desaster?

Das Virus in Indien sei besiegt, hieß es. Einige Gebiete hätten sogar schon Herdenimmunität erreicht. Im Januar und Februar waren die Corona-Fallzahlen* niedrig. Von täglich 100.000 waren die Corona-Neuinfektionen auf 10.000 gesunken. In einem Land mit 1,3 Milliarden Einwohnern, fast zu schön um wahr zu sein, wie der britische The Guardian schreibt. Es sei wohl viel weniger getestet worden.

Nach dem Höhepunkt der ersten Welle kehrte Indien schnell wieder zur Normalität zurück. Ein Fehler, wie sich jetzt zeigt. Hunderttausende pilgerten Mitte April zum Ganges. Ein rituelles Bad im heiligen Wasser des Ganges war wichtiger als Corona. Ende März gab es Gedränge beim Holi Festival in Indien, dazu politische Massenveranstaltungen. Alles Superspreding-Events?

„Diese zweite Corona-Welle kam wie ein Sturm“

Indiens Regierungschef Narendra Modi

Das Coronavirus hat seine Chance genutzt. „Diese zweite Corona-Welle kam wie ein Sturm“, hatte Indiens Regierungschef Narendra Modi am Dienstag in einer Rede an die Nation gesagt. Noch vor wenigen Wochen sei die Situation „unter Kontrolle“ gewesen, nun befinde sich Indien aber „erneut in einem großen Kampf“. Experten machen auch das zögerliche Vorgehen der Regierung im Kampf gegen das Virus für die Situation verantwortlich. Modi selbst hielt Anfang März in Kalkutta eine Wahlkampfveranstaltung mit mehreren hunderttausenden Teilnehmern ab.

Corona in Indien

  • Indien hat 1,3 Milliarden Einwohner
  • Seit Beginn der Pandemie haben sich in Indien bislang 15,9 Millionen mit Corona infiziert.
  • 185.000 Menschen starben in Indien mit oder an einer Sars-CoV-2-Infektion.

Corona in Indien - Sauerstoffflaschen werden knapp

Sauerstoffflaschen werden auf dem Schwarzmarkt zu Wucherpreisen gehandelt. Für Krankenhäuser geplante Lieferungen kommen oft nicht an. Am Mittwochabend verpflichtete das Oberste Gericht von Neu Delhi die Regierung, die Sicherheit der Sauerstofftransporte von den Werken in die Kliniken zu gewährleisten.

Indien wird von einer verheerenden Corona-Welle getroffen. Die Corona-Fallzahlen explodieren.

Auswärtiges Amt warnt Deutsche in Indien vor medizinischen Versorgungslage

Indien ist momentan ein Corona-Hotspot. Die Situation scheint außer Kontrolle. Viele Länder haben Einreisesperren für Reisende aus dem Land verhängt. Die USA gab eine Reisewarnung selbst für bereits gegen das Coronavirus geimpfte Menschen heraus. Indien steht auf der Liste der Corona-Risikogebiete. Das Auswärtige Amt in Berlin hat Deutsche, die sich in Indien befinden und nicht gegen Corona geimpft sind, aufgefordert, sie sollten „eine temporäre Rückkehr nach Deutschland bis zur Stabilisierung der medizinischen Versorgungslage erwägen“. Allerdings: Gegen die B.1.617-Mutante sollen selbst die aktuellen Impfstoffe nicht ankommen. SPD-Experte Lauterbach warnte deshalb bereits vor Problemen für Europa. (ml mit Material der afp) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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