„Können nichts mehr daran ändern“

Corona-Inzidenz über 400: Experte erwartet Verdopplung „in der Nikolauswoche“ - Sorge vor neuen Virusvarianten

Die Corona-Inzidenz steigt erneut, nun fordert der Vorsitzende des Weltärztebundes strikte Maßnahmen, obwohl man an der unmittelbaren Entwicklung „nichts mehr ändern“ könne.

München - Seit Wochen steigt die Zahl der Corona*-Neuinfektionen in Deutschland schier ungebremst an. So ist auch die Sieben-Tage-Inzidenz mit 444,3 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner laut RKI auf einen neuen Höchststand gestiegen. Experten sind alarmiert, so auch der Vorsitzende des Weltärztebundes Frank Ulrich Montgomery. Er rechne mit einer Verdopplung der Inzidenz in den nächsten zehn Tagen, meint der 69-Jährige gegenüber den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Konsequenzen seien daher dringend notwendig.

Corona-Inzidenz über 400: Verdopplung in zehn Tagen erwartet - Experte warnt

Erst Ende vergangener Woche lag die deutschlandweite Inzidenz bei 362,2, am Samstag (27. November) ist sie um mehr als 20 Prozent gestiegen. Die Rufe nach strengeren Maßnahmen werden lauter, weswegen nun auch seitens der Politik erwägt wird, den Corona-Gipfel vorzuziehen. Für Montgomery kommt das offenbar reichlich spät. Jegliche Maßnahme zur Bekämpfung der Pandemie* - selbst ein Lockdown inklusive Kontaktbeschränkungen - werde erst rund zwei Wochen nach dem Inkrafttreten Wirkung zeigen.

Die Situation in den nächsten Tagen und Wochen werde sich außerdem massiv verschärfen. „In der Nikolauswoche könnten wir Inzidenzen zwischen 700 und 800 haben“, so Montgomery gegenüber der Funke Mediengruppe. Dies sei selbst mit Sofort-Maßnahmen wohl nicht zu verhindern. Vor einer solchen Entwicklung warnte bereits Gesundheitsminister Spahn* bei einer Pressekonferenz.

Corona in Deutschland: Montgomery fordert Kontaktreduktion und Schließen von Weihnachtsmärkten

Die drastische Entwicklung der Corona-Lage lasse sich nun auch nicht mehr so leicht umkehren. „Wir können nichts mehr daran ändern, dass am Tag der Kanzlerwahl von Olaf Scholz die Zahlen dramatisch hoch sein werden“, so der Arzt im Interview. Was jedoch unbedingt nötig sei, damit die Pandemie nicht völlig entgleise, sei eine strikte Reduzierung der Kontakte und das bundesweite Schließen von Weihnachtsmärkten. Nur so könne man die Infektionskurve wieder abflachen.

Frank Ulrich Montgomery, Vorstandsvorsitzender des Weltärztebundes, gibt eine düstere Prognose für Deutschland ab.

Regeln müsse dies der Bund und nicht die einzelnen Länder und Kommunen, um einheitliche Regeln für alle Deutschen zu schaffen. „Es bringt nichts, die Weihnachtsmärkte in der einen Region zu verbieten, wenn die Leute dann in eine andere fahren, wo sie noch geöffnet sind“, meint Montgomery. Auch größere Feiern, Feuerwerk und private Böllerei müssten zu Silvester verboten werden, um sowohl die Krankenhäuser zu entlasten als auch weitere Ansteckungen zu verhindern.

Corona-Mutation aus Südafrika: Omikron bereitet Sorgen

Allein die neue Corona-Variante Omikron* zeige laut Montgomery, dass man dem Virus keine Chance zur Mutation geben dürfe. Noch wisse man nicht allzu viel über sie, jedoch scheine sich die Variante rasend schnell zu verbreiten. Tatsächlich ist Omikron in Europa* bereits angekommen, selbst in Deutschland gibt es bereits den ersten Verdachtsfall.

„Meine große Sorge ist, dass es zu einer Variante kommen könnte, die so infektiös ist wie Delta und so gefährlich wie Ebola“, gibt der 69-Jährige zu bedenken. Man müsse daher alles unternehmen, um dem Virus und seinen Mutationen so gut wie möglich Einhalt zu gebieten. (mef/dpa) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Guido Kirchner/dpa

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