Größte Covid-19-Patientenstudie

Corona-Studie: Nach diesem Punkt im Krankheitsverlauf gibt es für die Hälfte der Patienten keine Rettung mehr

Das Coronavirus in Baden-Württemberg schränkt den Alltag vieler Menschen stark ein - doch es kostet auch Menschenleben. Laut einer deutschlandweiten Studie ist jeder fünfte Covid-19-Patient im Krankenhaus gestorben.

  • Die Zahl der Infizierten mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg nimmt aktuell wieder zu und viele Experten befürchten eine zweite Infektionswelle.
  • Eine deutschlandweite Analyse von mehr als 900 Kliniken und etwa 10.000 Covid-19-Patienten hat ergeben, dass jeder fünfte Patient im Krankenhaus starb.
  • Unter jenen Patienten, die nach einer Ansteckung mit dem Coronavirus beatmet werden mussten, ist sogar mehr als die Hälfte verstorben.

Stuttgart - Das Coronavirus in Baden-Württemberg* (BW24* berichtete) verbreitet sich inzwischen langsamer als zu Beginn der Corona-Pandemie, es stellt jedoch noch immer eine Bedrohung für die Gesundheit dar. Die Landesregierung lockerte die Verbote und Maßnahmen zum Infektionsschutz* immer weiter. 

Seit dem 1. Juli ist trotz Coronavirus nahezu alles wieder erlaubt*. Die Lockerungen kamen jedoch möglicherweise zu früh. Nachdem die Zahlen in den vergangenen Monaten immer weiter sanken, kommt es nun wieder vermehrt zu Neuansteckungen. Die Infektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg steigen aktuell* immer weiter an. Experten warnen immer häufiger vor einer zweiten Infektionswelle. Das Robert-Koch-Institut hat erst kürzlich vor einem flächendeckenden Corona-Ausbruch gewarnt: In den vergangenen zwei Wochen seien die Zahlen besorgniserregend gestiegen. Deutschlandweit würden Fälle auftreten, die Pandemie entwickle sich rasant.

Laut der Studie lag die Sterblichkeit bei Patienten, die beatmet wurden, bei 53 Prozent. Foto: Marcel Kusch/dpa/Archivbild

Coronavirus in Baden-Württemberg verbreitet sich: Sorge vor zweiter Welle mit vielen Covid-19-Patienten wächst

Wie verheerend schon die erste Infektionswelle war, zeigt eine Untersuchung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO), der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) und der Technischen Universität Berlin. Ihre deutschlandweite Klinikanalyse hat ergeben, dass von jenen Covid-19 Patienten, die von Ende Februar bis Mitte April 2020 im Krankenhaus behandelt werden mussten, jeder fünfte gestorben ist. Unter den Patienten, die künstlich beatmet werden mussten, ist die Todeszahl noch höher. Hier ist jeder zweite Covid-19 Patient, der an der Beatmungsmaschine war, gestorben. Die Sterblichkeit lag bei 53 Prozent. Insgesamt 17 Prozent der Patienten wurden künstlich beatmet.

Die Forscher gehen davon aus, dass die neuen Zahlen im Umgang mit einer möglichen zweiten Welle helfen können. In ganz Deutschland steigt die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus derzeit an. Ein Grund für die neuen Infektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg* wird in der zunehmenden Sorglosigkeit im Umgang mit Covid-19 vermutet. Den Breitenauersee bei Obersulm hatten beispielsweise kürzlich rund 10.000 Menschen gestürmt*, die sich aus Platzmangel nicht an Hygienevorschriften wie den Mindestabstand hielten - es kam zum Chaos, der Badesee wurde daraufhin gesperrt.

In der aktuellen Analyse wurden die Daten von etwa 10.000 Krankenhauspatienten mit bestätigter Covid-19-Erkrankung, die in 920 deutschen Krankenhäusern behandelt wurden, ausgewertet. Die Berechnungen wurden auf der Grundlage von AOK-Abrechnungsdaten durchgeführt, die den Angaben nach etwa ein Drittel der deutschen Bevölkerung abbilden. Demnach hatten die stationär behandelten Covid-19-Patienten häufig Begleiterkrankungen. So litten 62 Prozent der künstlich beatmeten Patienten an Bluthochdruck, 43 Prozent an Herzrhythmusstörungen, 39 Prozent an Diabetes, 24 Prozent an einer Niereninsuffizienz, 19 Prozent waren chronisch lungenkrank und 13 Prozent fettleibig.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Uniklinik Freiburg veröffentlichte Corona-Studie Anfang Mai

Aus der Studie, die im Fachmagazin The Lancet Respiratory Medicine erschienen ist, geht zudem hervor, dass die stationär behandelten Männer häufiger starben als Frauen. Die Sterblichkeit der Männer nach einer Infektion mit dem Coronavirus und einer anschließenden Covid-19-Erkrankung beträgt in dem analysierten Zeitraum 25 Prozent - bei den Frauen sind es 19 Prozent.
Wenig überraschend ist, dass vor allem die älteren Patienten deutlich häufiger in der Klinik versterben. Die Analyse ergab, dass 27 Prozent der 70- bis 79-Jährigen und 38 Prozent der Covid-19 Patienten ab 80 Jahren im Krankenhaus verstorben sind.

Die Autoren der Studie arbeiten darüber hinaus seit Monaten an einem Prognosetool für Intensivstationen. Zwei bis drei Wochen vorher sollen sie gewarnt werden, wie viele Covid-19-Patienten möglicherweise bald zu versorgen sind. Mit Hilfe der neuen Daten wird das Vorhersagemodell laut den Wissenschaftlern deutlich verbessert.

Anfang Mai hatte die Uniklinik Freiburg eine erste Studie zu stationär aufgenommenen Covid-19-Patienten* vorgelegt. Die Untersuchung der Uniklinik Freiburg ergab, dass es 17 Todesfälle unter den ersten 115 Covid-19-Patienten auf der Intensivstation gab. Etwa jede vierte Person, die sich mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg infiziert hatte, starb trotz intensivmedizinischer Behandlung im Freiburger Uniklinikum. Die Lungenkrankheit, ausgelöst durch eine Infektion mit dem Coronavirus, verläuft bei Menschen, die zur Risikogruppe gehören*, häufiger schwer.

Die Uniklinik Freiburg hatte sich aufgrund der schnell voranschreitenden Verbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg mit einer Taskforce auf die Pandemie vorbereitet und konnte als eines der ersten Krankenhäuser in Deutschland bereits im Januar Covid-19-Tests durchführen. Aus Sorge vor Überlastung durch das Coronavirus in Baden-Württemberg hatte das Land die Kapazitäten in Kliniken und Krankenhäusern* aufgestockt. *BW24 ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Rubriklistenbild: © Marcel Kusch

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