Nach Familientragödie

Cousine will sich um vier Waisen kümmern

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Die Waisenkinder Ché, Chantal, Claif und Camen Krüger (von links) mit ihrer Cousine und Betreuerin Melanie Worm.

Esenshamm - Innerhalb von zweieinhalb Monaten haben vier Kinder aus Esenshamm im Landkreis Wesermarsch Vater und Mutter verloren. Nun will sich die Cousine um die drei minderjährigen Kinder kümmern. Das Amtsgericht in Nordenham entscheidet in diesen Tagen, ob die 23-Jährige die Vormundschaft übernehmen darf.

Ihr Fall hat zahllose Menschen in Niedersachsen gerührt, manche zu Tränen: Vier Kinder aus Esenshamm im Landkreis Wesermarsch, zwischen 13 und 19 Jahre alt, verloren innerhalb von zweieinhalb Monaten Vater und Mutter.

Die Entscheidung falle in den kommenden Tagen, sagt die Sprecherin des Amtsgerichts. Vom Jugendamt seien positive Signale über die Eignung der jungen Frau übermittelt worden. Allerdings wolle sie der endgültigen Entscheidung nicht vorgreifen, betonte die Sprecherin.

Für die Jugendlichen Claif (13), Chantal (15), Camen (16) und Ché (19) hatte im Oktober vergangenen Jahres eine Tragödie begonnen. Der Vater starb, schon schwer von Krankheiten gezeichnet, im Alter von 58 Jahren. Die Mutter verlor daraufhin jeden Lebensmut und starb 50-jährig – am 19. Geburtstag ihres ältesten Sohnes. Hoffnung gab den Kindern Melanie Worm. Die Cousine der vier Waisen entschied sich spontan, die Vormundschaft zu beantragen. Die ledige Frau wohnte bislang in der Kaserne in Leer, in der sie stationiert ist. Jetzt ist sie in das Haus der Kinder nach Esenshamm gezogen. Zu ihrem Arbeitsplatz fährt sie nun täglich 200 Kilometer, hin und zurück.

Bei der Frage der Vormundschaft wird unterschieden zwischen der Personensorge, um die sich die 23-jährige Zeitsoldatin bemüht, und der Vermögenssorge. Um die Finanzen soll sich ein Rechtsanwalt kümmern. Bevor dieser die finanzielle Vormundschaft übernehmen kann, müssten aber noch rechtliche Fragen geklärt werden, sagte die Sprecherin.

„Solange die rechtliche Situation nicht endgültig geklärt ist, können wir mit der Sanierung des Hauses nicht beginnen“, sagt Siegfried Adamietz. Der Präsident des örtlichen Fußballvereins koordiniert die Hilfe, kümmert sich um Spenden und trommelt Kaufleute und Handwerker zusammen. „Nachdem vor gut zwei Wochen ein Artikel in der HAZ erschienen ist, haben wir auch zahlreiche Spenden und Hilfsangebote aus Hannover und Umgebung bekommen“, sagt Adamietz. Wie viel Geld bislang eingegangen ist, dürfe er nicht sagen. „Aber wir sind alle überwältigt von der Hilfe so vieler Menschen.“

In der Umgebung haben sich bereits zahlreiche Helfer gefunden. Zum ersten Runden Tisch, den Adamietz Mitte Januar zur Koordination der Hilfe einberufen hatte, waren neun Kaufleute und Handwerker gekommen. „Bei der nächsten Runde erwarten wir 15 bis 20“, sagt Adamietz. Auch ein Architekt wolle teilnehmen. Dringende Reparaturen wurden bereits ausgeführt: So setzte ein örtliches Unternehmen die Heizung instand, die im Januar ausgefallen war.

Neben Kaufleuten und Handwerkern engagieren sich auch Kulturschaffende und Sportler im Landkreis Wesermarsch für die vier Waisen. Bei einem Benefizkonzert des Chors der Landfrauen seien 2000 Euro zusammengekommen, sagt Adamietz. Auch der FußballvereinAT Rodenkirchen habe bei Jugendturnieren für die Familie gesammelt. Am 20. Februar finde ein Rockkonzert mit vier Bands statt. Auch im Kleinen versuchen die Helfer, den Kindern Trost zu spenden. Für den 13-jährigen Claif, der Fan von Borussia Dortmund ist, hat Adamietz beim Fußball-Bundesligisten um ein Fanpaket gebeten. „Der BVB hat schon geantwortet“, sagt Adamietz. Das Paket ist auf dem Weg.

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