Zum Tod von Robin Williams

Dämonen eines Clowns

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„Ruhe in Frieden, bring Gott zum Lachen“: Robin Williams ist tot.

- Schon früh kämpfte Robin Williams gegen Alkoholsucht und Depressionen. Am Montag wurde der US-Schauspieler tot aufgefunden. Er wurde 63 Jahre alt. Stefan Stosch über einen einzigartigen Künstler.

Die Geschichte hat Robin Williams gern erzählt: Eine Frau kam am Flughafen auf ihn zu und forderte den wartenden Komiker auf, wenigstens für einen Moment lustig zu sein. Williams beschied der Dame kurz und knapp: „Nein!“ Schließlich würde auch niemand den Ballettstar Michail Baryschnikow auffordern, an Ort und Stelle etwas vorzutanzen.

Die Anekdote verrät viel über die komische Kunst von Robin Williams. Er konnte seine Gesichtszüge gewissermaßen zum Tanzen bringen, egal ob als Radiomoderator im Vietnam-Film „Good Morning, Vietnam“ (1987), der seine Meldungen hinterm Mikro performte, als stünde er auf einer Kleinkunstbühne, oder auch als schrulliges Kindermädchen „Mrs. Doubtfire“ (1993), das mit Perücke und falschem Busen zur Betreuung der eigenen Kinder loszog.

Zugleich deutet Williams’ Weigerung, mal eben komisch zu sein, aber auch auf die Anstrengung hin, die ihn seine Auftritte kosteten. Der US-Schauspieler kämpfte schon früh gegen Alkoholsucht und Depressionen. Er sprach offen darüber – auch über die dämonische Stimme in seinem Kopf, die ihn in den Abgrund ziehe. Seinen 63. Geburtstag am 21. Juli verbrachte er in einer Entzugsklinik in Minnesota. Zwei Jahrzehnte lang hatte er zuvor abstinent gelebt, dann kamen die Rückfälle. Nun ist Williams tot in seinem Haus in Tiburon bei San Francisco aufgefunden. Es besteht der Verdacht auf Selbstmord.

„Heute Morgen habe ich meinen Ehemann und meinen besten Freund verloren und die Welt einen ihrer beliebtesten Schauspieler und liebenswürdigsten Menschen“, schrieb Williams’ Frau Susan Schneider. „Mein Herz ist gebrochen.“ Mit der Grafikdesignerin war er seit Oktober 2011 verheiratet. Es war seine dritte Ehe. Aus seinen beiden vorherigen hatte er drei bereits erwachsene Kinder. Schneider schrieb weiter: „Ich hoffe, in den Erinnerungen wird nicht sein Tod vorherrschen, sondern die unzähligen Momente des Lachens, das er Millionen gab.“

Vor der Kamera gab Williams den genialen Spaßmacher, aus dessen Mund kaskadengleich Witze sprudeln. So wurde er auch einem größeren Publikum bekannt: In der Fernseh-Sitcom „Mork vom Ork“ (1978–1982) spielte er einen Außerirdischen. Bei den Dreharbeiten soll er so viele eigene Gags eingebaut haben, dass man irgendwann im Skript seine Dialogzeilen strich und ihn bat, den Platz mit eigenen Ideen zu füllen.

Ursprünglich wollte Williams, 1951 in Chicago geboren, Politikwissenschaften studieren. Doch die Liebe zum Theater war stärker. An der Juilliard-Schauspielschule in New York ließ er sich ausbilden – zusammen mit dem späteren „Superman“ Christopher Reeve, der sein Freund wurde. Einige Jahre verdiente Williams sein Geld als Stand-up-Comedian, dann zog es ihn zu Film und Fernsehen. Regisseur Robert Altman engagierte ihn bereits 1980 als „Popeye – Der Seemann mit dem harten Schlag“.

Doch auch wenn er Millionen Menschen zum Lachen brachte: Hinter den Späßen werden Momente von Trauer und Melancholie sichtbar. Man denke nur an seinen klugen Obdachlosen in Terry Gilliams Großstadtmärchen „König der Fischer“ (1991), der auf der Suche nach dem heiligen Gral ist. In der amerikanischen Verfilmung von Jurek Beckers Roman war Williams „Jakob der Lügner“ (1999), der Jude im polnischen Getto, der mit seinen erfundenen Geschichten seinen Leidensgenossen Mut macht – bis ihm die Deutschen auf die Spur kommen.

Vielleicht ist es auch kein Zufall, dass der US-Schauspieler ausgerechnet mit einer ernsten Rolle seinen einzigen Oscar gewann. In „Good Will Hunting“ (1997) spielte er einen zurückhaltenden Psychotherapeuten, der ein schwieriges Mathe-Genie (Matt Damon) auf die richtige Bahn bringt. Nominiert worden für den Oscar war Williams zuvor mehrfach, auch für seinen Auftritt als unkonventioneller Internatslehrer in „Der Club der toten Dichter“ (1989).

Genauso überzeugte der US-Schauspieler als beunruhigender Zeitgenosse, der leicht neben der Spur lag und dadurch Gefahr ausstrahlte. In Christopher Nolans Thriller „Insomnia – Schlaflos“ (2002) narrte er einen erschöpften Detektiv (Al Pacino). Im Psychothriller „One Hour Photo“ (2002) schlich er sich als stalkende Fotofachkraft in das Leben von Kunden ein, deren Aufnahmen er entwickelte – eine seiner besten und am meisten unterschätzten Rollen.

Auf einige neue Filme mit Williams dürfen wir uns noch freuen. Einige befinden sich derzeit in der Nachbearbeitung, darunter eine Fortsetzung von „Nachts im Museum“, in der er als Wachsfigur von Theodore Roosevelt herumgeistert.

Künftig hat der traurige Clown Robin Williams seine Auftritte aber anderswo. Befreundete Stand-up-Comedians in Los Angeles haben ihn schon höheren Ortes empfohlen und am Dienstag in großen Lettern über ihren Club geschrieben: „Ruhe in Frieden, bring Gott zum Lachen.“

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