Landeskriminalamt

Damenräder sind bei Dieben sehr beliebt

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Foto: Gefundenes Fressen für Diebe? Fahrräder vor einem Fahrradparkhaus in Göttingen.

Hannover - Gelegenheit macht Diebe. Wenn bei schönem Wetter viele Radler unterwegs sind, werden auch viele Fahrräder gestohlen.

Erstmals seit 2007 ist die Zahl der Fahrraddiebstähle in Niedersachsen wieder gestiegen. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres wurden bei der Polizei etwa 21.000 Taten angezeigt. Das sind nach Angaben des Landeskriminalamtes (LKA) in Hannover rund zehn Prozent mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum. Seit 2007 war die Zahl der Fahrraddiebstähle zuvor kontinuierlich gesunken.

„Eine mögliche Erklärung für die aktuelle Entwicklung ist das vergleichsweise milde Wetter in den Wintermonaten“, sagte LKA-Sprecher Uwe Schwellnus. „Wenn mehr Rad gefahren wird, werden auch mehr Fahrräder im öffentlichen Raum abgestellt. Dort können sie leichter gestohlen werden als aus verschlossenen Kellern oder Garagen.“

Dabei ist nicht nur die Zahl der gestohlenen Räder gestiegen, sondern auch der von den Dieben angerichtete Schaden. Er betrug im ersten Halbjahr 2014 rund 7,9 Millionen Euro. Vor Jahresfrist waren es knapp 700.000 Euro weniger.

Hoch im Kurs bei den Dieben stehen Mountainbikes und Trekkingräder. Sie machen zusammen knapp 30 Prozent der Beute aus. Etwa 20 Prozent der gestohlenen Bikes sind „normale“ Herrenräder. Mit 40 Prozent ist der Anteil gewöhnlicher Damenräder allerdings doppelt so hoch. Das liege wohl daran, dass Betrunkene, die sich für den Heimweg ein Rad stibitzen, mit dem Bein nicht mehr über die Stange eines Herrenrades kämen, witzelt man bei den Ermittlern.

Der Anteil teurer Elektroräder an den gestohlenen Zweirädern ist weiterhin vergleichsweise gering. Er machte in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 1,4 Prozent der erfassten Fälle aus.

Opfer von Fahrraddiebstählen sind nach Erkenntnissen des LKA vor allem Schüler, Studenten und berufstätige Menschen. Der Grund: Sie stellen ihre Räder – notgedrungen – häufiger an diebstahlsgefährdeten Sammelpunkten wie Schulen oder Bahnhöfen ab. Beispiele sind die Bahnhöfe in Northeim und Osterode, wo jüngst teure Trekkingräder und Mountainbikes verschwanden.

Besondere Schwerpunkte für Fahrraddiebstähle seien Oldenburg und Osnabrück, sagte LKA-Sprecher Schwellnus. „In diesen Regionen wird traditionell besonders viel Fahrrad gefahren.“

Die Polizei geht davon aus, dass sie nur von einem Teil der Fahrraddiebstähle erfährt. Nach einer Dunkelfeldstudie des LKA aus dem Jahr 2013 werden nur etwa 50 Prozent der Fälle angezeigt. Die Gründe dafür sind unklar.

Die Chance, ein abhandengekommenes Fahrrad zurück zu erhalten, ist relativ gering. Die Aufklärungsquote der Polizei bei Fahrraddiebstahl liegt bei etwa 15 Prozent.

„Die Quote bei registrierten Rädern ist allerdings besser“, sagt die Sprecherin der Polizei in Göttingen, Jasmin Kaatz. Die Beamten in der Universitätsstadt haben schon mehrfach Aktionen angeboten, bei denen Besitzer ihre Räder kostenlos registrieren und die individuelle Rahmennummer in die elektronisch geführte, landesweite Fahrradbesitzerdatei aufnehmen lassen können. „Im Fall eines Diebstahls sind die Daten dann jederzeit abrufbar“, sagt Kaatz. Das helfe bei der Suche.

Hin und wieder gelingt es den Fahndern aber auch auf andere Weise, einem Fahrraddieb auf die Spur zu kommen. Als vor einiger Zeit ein 76-Jähriger unmittelbar nach seiner Haftentlassung vor der Justizvollzugsanstalt Salinenmoor bei Celle das Fahrrad eines JVA-Bediensteten stahl, wurde er dabei von einer Überwachungskamera gefilmt. Die Polizei hatte bei der Fahndung dann leichtes Spiel.

dpa

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